Er gilt als Superstar der Formel 1, und doch ist sein Karriereende immer wieder Diskussionsthema. Lewis Hamilton zählt mit 41 Jahren zu den ältesten Piloten im Feld. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter der Top-3 in Miami betrug 23 Jahre, 8 Monate und 28 Tage. Mit Kimi Antonelli führt sogar ein 19-Jähriger aktuell die Fahrer-WM an.

Schumacher: Alles hat ein Ende

Für Ralf Schumacher ist die Zeit gekommen, dass die "alten Hasen" der Jugend das Feld überlassen. "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Ich bin der Meinung, es wird Zeit, die Jugend ranzulassen", findet der sechsfache GP-Sieger im Podcast Backstage Boxengasse klare Worte. Dabei erkennt Schumacher durchaus an, dass Hamilton in seiner zweiten Ferrari-Saison eine deutlich bessere Figur abgibt.

Dennoch war in Miami Charles Leclerc klar der schnellere Ferrari-Pilot. Ohne die 20-Sekunden-Strafe wäre der Monegasse in jeder Session deutlich vor Hamilton gelandet. Für F1-Experte Christian Danner ist das keine Überraschung - auch wenn er den siebenfachen Champion immer noch als topfit einschätzt. "Leclerc ist schon state of the art, ein Extraklasse-Pilot, und irgendwann kommt man halt nicht mehr mit", so Danner.

Ein Thema, das er auch schon mit Gerhard Berger diskutiert hat. Der Österreicher hängte seinen Rennhelm nach dem Großen Preis von Europa 1997 an den Nagel - zu diesem Zeitpunkt war er 38 Jahre alt. "Gerhard hat mir gegenüber zugegeben, dass er irgendwann das Alter erreicht hatte, an dem es nicht mehr ging. Er war immer noch schnell und hat einen Grand Prix gewonnen, aber dieses 'extra little bit of something' war nicht mehr da", erzählte Christian Danner im AvD Motorsport-Magazin.

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Danner: Mit dem Alter geht der Flow verloren

Doch was genau ist mit diesem gewissen Extra gemeint? Laut Danner ist es ein Flow, in den ein Formel-1-Pilot kommt und damit über das Limit hinaus abliefert. "An das Limit kommt irgendwann jeder hin, aber um darüber hinaus zu kommen, braucht es diesen Flow. Diesen Moment, wo alles rundläuft. Wo man merkt: Jetzt habe ich in die Kurve eingelenkt und ohne genau darüber nachzudenken, habe ich die kommende Kurve schon mit einkalkuliert, umgesetzt und bin schon wieder auf Vollgas. Das sind Sachen, die man, wenn man älter wird, einfach nicht mehr so leicht auf die Reihe kriegt", erklärt Danner.

RekordFahrerAlterGrand Prix / Jahr
Ältester GP-Teilnehmer Louis Chiron 55 Jahre, 9 Monate, 19 TageMonaco GP 1955
Ältester Fahrer mit schnellster Rennrunde Juan Manuel Fangio 46 Jahre, 6 Monate, 26 Tage Argentinien GP 1958
Ältester Fahrer in den Punkten Philippe Etancelin 53 Jahre, 8 Monate, 6 TageItalien GP 1950
Ältester Fahrer auf dem Podium Luigi Fagioli 53 Jahre, 22 TageFrankreich GP 1951
Ältester GP-Sieger Luigi Fagioli 53 Jahre, 22 TageFrankreich GP 1951
Ältester Polesetter Giuseppe Farina 47 Jahre, 2 Monate, 18 TageArgentinien GP 1954
Ältester Weltmeister Juan Manuel Fangio 46 Jahre, 1 Monat, 11 Tage 1957

Aktuell gibt es für ihn nur einen aktiven Fahrer, der dem Zahn der Zeit ein Schnippchen zu schlagen scheint: Fernando Alonso. Obwohl er mit 44 Jahren der älteste Pilot im Feld ist, hat er seinen Aston-Martin-Teamkollegen fest im Griff. Doch wie würde es aussehen, wenn dieser nicht Lance Stroll, sondern Charles Leclerc heißen würde? "Es kann durchaus sein, dass es dann genauso ausschauen würde wie bei Lewis jetzt. Höchstwahrscheinlich ist das die normale Entwicklung am Ende einer Karriere", meint Danner.

Er selbst nimmt nach seiner aktiven Zeit nur noch zum Spaß an Rennen teil. "Ich bin natürlich ein Methusalem, deshalb bestreite ich als Hobbyfahrer ein paar Rennen im Jahr - aber nicht in einem F1-Boliden, sondern in einem Touren-, GT- oder historischen Wagen. Die sind etwas sanfter", erzählt der Gewinner der 24h Nürburgring von 1992. Auch Max Verstappen bereitet sich gerade auf sein Debüt in der Eifel vor. Erst kürzlich fuhr er mit einem SuperGT-Profi in einem GT500-Boliden auf dem Fuji Speedway um die Wette. Mehr dazu hier: