Steht die MotoGP wirklich vor der Ablösung an der Spitze? Die letzten Jahre dominierte Ducati nach Belieben. Nun hat Aprilia vier Rennen in Folge gewonnen, davon die beiden ersten der neuen Saison 2026. Dennoch will noch keiner der Beteiligten dem Braten so richtig trauen. Nun kommt mit Austin eine der Lieblingsstrecken von Marc Marquez. Der Weltmeister in Ducati-Diensten zeigte am Donnerstag seine übliche Tiefstapelei - und ließ dann doch noch aufhorchen.

Fünfter Aprilia-Sieg in Serie? Marco Bezzecchi deutet in Richtung des Austin-Königs

Aprilia war in den ersten beiden Rennen stärker als der italienische Rivale. Ein Blick auf die WM-Wertung genügt: Fahrer-, Team- und Konstrukteurswertung sind in der Hand von Noale. Auf dem Circuit of the Americas hat Aprilia 2024 bereits durch einen Husarenritt von Maverick Vinales gewinnen können.

Kann Marco Bezzecchi dies wiederholen und sich den fünften Sieg in Serie sichern? Wie wir das mittlerweile kennen, schiebt 'Bezz' die Favoritenrolle von sich: "Maverick hat damals Fantastisches geleistet, aber das Motorrad ist jetzt völlig anders. Ich weiß nicht, was ich erwarten soll. Marc ist immer fantastisch hier. Ich glaube, er hat hier mehr Siege als ich in meiner gesamten MotoGP-Karriere. Das wird kein einfaches Wochenende."

Marc Marquez spielt Favoriten-Ball direkt zurück: Bezzecchi der schnellste Fahrer

Tatsächlich stimmt die Rechnung des Italieners nicht mehr. Er steht nun bei acht MotoGP-Siegen und Marc Marquez gewann sieben Mal in Austin. Dieser Statistik-Fauxpas ändert nichts daran, dass alle Welt einen Konter des Weltmeisters auf einer seiner Paradestrecken erwartet. Man könnte ahnen, was die Nummer 93 zunächst zu sagen hatte. Selbstverständlich wurde die Favoritenrolle wieder zurückgeschoben.

Marc Marquez gewann auf Honda sieben Mal in Austin, Foto: Repsol
Marc Marquez gewann auf Honda sieben Mal in Austin, Foto: Repsol

"Natürlich ist das eine Strecke, die ich liebe. Aber es ist auch eine Strecke, auf der ich in den letzten vier Jahren nicht gewonnen habe. Ich muss genau verstehen, welche Fehler ich begangen habe. Ich muss mich verbessern. Marco kommt mit vier Siegen in Folge hier an. Er zeigt großartigen Speed. Er ist der Favorit und führt die Meisterschaft an. Ich werde versuchen, ihn aufzuhalten, aber das wird schwierig. Momentan ist er der schnellste Fahrer", äußerte sich der Ducati-Pilot.

Ducati kassiert MotoGP-Schlappe - Lüthi: Nur Marquez kam klar! (26:00 Min.)

Marc Marquez erklärt Problemzone: Keine Konstanz im Rennen

Die größte Stärke des Vorjahres ist derzeit abhandengekommen. Da war der Superstar vor allem in Sachen Rennpace überlegen. "Ich suche nach einem Gefühl, das mir konstantere Rundenzeiten ermöglicht. Im Qualifying beweisen wir Speed, aber wir brauchen das konstanter und ich muss in der Lage sein, diese Zeiten einfacher zu fahren. Jedes Mal kommen wir näher. In Thailand war ich weit weg, in Brasilien schon näher. Ich weiß nicht, ob schon hier oder in Jerez, aber das ist das Ziel: Konstanz über die Renndistanz zu finden", berichtet er vom Findungsprozess auf der neuen Ducati GP26.

Dazu kommen auch noch die Folgen seiner Verletzung aus Indonesien Ende der Vorsaison. Bei vollem körperlichem Potential sieht sich der Titelverteidiger offenbar immer noch nicht, wenn er bei aller Vorfreude auf den 'COTA' auch warnt: "Es ist eine Strecke, die meinem Fahrstil immer sehr gut lag. Allerdings sind die Sektoren 1 und 2 auch körperlich sehr anspruchsvoll."

Marc Marquez findet noch keine Konstanz im Rennen, Foto: Ducati Media
Marc Marquez findet noch keine Konstanz im Rennen, Foto: Ducati Media

Aprilia oder Ducati besser? 'Bezz' und 'Diggia' mogeln sich um Frage herum

Apropos Potential. Im Verlauf der Pressekonferenz kam dann die Frage auf, welches denn nun wirklich das beste Bike im Feld sei: Die Ducati oder die Aprilia? Marco Bezzecchi gab seine Standard-Antwort auf diese Frage: "Ich fahre die Aprilia und kenne die Ducati nicht. Es ist mir unmöglich, einen solchen Vergleich herzustellen." Sein letztes Ducati-Modell war die GP23, also eine mittlerweile veraltete Maschine.

Aprilia fordert Ducati heraus, Foto: IMAGO / Fotoarena
Aprilia fordert Ducati heraus, Foto: IMAGO / Fotoarena

Fabio Di Giannantonio wollte auch nicht so wirklich auf die Frage eingehen, vielmehr betrieb er eine Art PR für den Sport: "Ich glaube, wir werden es für den Rest der Saison nicht wissen. Wir brauchen auch kein Motorrad, das besser als die anderen ist, sondern gute Zweikämpfe. Je mehr starke Bikes wir haben, desto mehr harte Kämpfe werden wir austragen. Das lieben wir Fahrer und die Fans. Ich hoffe also, dass wir nie wirklich in der Lage sein werden, zu sagen, ob die Ducati oder die Aprilia besser ist."

Marc Marquez: Bestes Bike der MotoGP liegt in meinen Händen

Doch jetzt kommt das Bemerkenswerte. Ausgerechnet Marc Marquez - der Meister der Tiefstapelei - machte eine klare Ansage: "Es ist immer eine Kombination vieler Dinge. Ich habe das Gefühl, dass ich das beste Motorrad und das beste Team habe. Es liegt also in meinen Händen." Wenn Motorrad und Team top sind, dann kann es ja eigentlich nur am Fahrer liegen? Das wiederum passt zu den vorherigen Aussagen, wonach sich der Spanier vor allem im Rennen noch nicht wohlfühlt. Da wäre es doch recht passend, wenn er nach zwei Stürzen in den Jahren 2024 und 2025 in dieser Saison Austin wieder zu seiner Wohlfühloase macht. Die Favoritenrolle wird er auf dieser Strecke ohnehin nicht los.

Während Marc Marquez mit seiner Aussage Motorrad und Team den Rücken stärkt, so sieht es sein Boss Davide Tardozzi genau andersherum. Der Italiener sieht Ducati nach den letzten Niederlagen gegen Aprilia in der Bringschuld. Er will sich nicht nur auf seinen Überfahrer verlassen: