Das Moto3-Team von Leopard Racing stand am Freitag beim Rennwochenende der MotoGP im Zentrum einer aufsehenerregenden Stewards-Entscheidung. Denn sein Fahrer Adrian Fernandez wurde von den ersten sechs Saisonrennen disqualifiziert, nachdem der technische Direktor der Motorrad-WM eine Manipulation an gleich zwei Motoren des Spaniers festgestellt hatte.
Konkret wurde festgestellt, dass sowohl an den Drahtversiegelungen als auch an den Versiegelungsaufklebern an den beiden Motoren, welche Fernandez im bisherigen Jahr zum Einsatz gebracht hatte, Hand angelegt wurde. Entdeckt wurden die Manipulationen im Rahmen des Frankreich- und des Italien-GP. Fernandez wurde damit aus allen bis dahin gefahrenen Rennen nachträglich ausgeschlossen und fällt in der WM auf den 20. Platz zurück. In der Wertung bleibt nur der vierte Platz aus dem Rennen in Mugello, das nach den technischen Untersuchungen stattfand.
Protest abgelehnt: Leopard prüft weitere rechtliche Schritte
Bei einer Anhörung in dieser Woche in Ungarn habe der Rennstall die dargelegten Sachverhalte anerkannt, wie es in der Urteilsverkündung heißt. Das Team interpretiert diese aber offenbar anders. Bereits nach der Urteilsverkündung hatte Leopard Racing von seinem im Reglement der Motorrad-WM verankerten Recht Gebrauch gemacht, einen Protest dagegen einzulegen. Dieser wurde bereits um 18:45 Uhr abgelehnt.
In einer Pressemitteilung am Freitagabend kündigte Leopard Racing wenige Stunden später weiteren Widerstand gegen die Entscheidung an. "Leopard Racing nimmt die Entscheidung des FIM MotoGP-Stewardgremiums […] zur Kenntnis", heißt es in dieser zunächst. Danach hört es mit der Konformität allerdings schon auf.
"Das Team teilt die gezogenen Schlussfolgerungen bei allem Respekt nicht und bestätigt, dass es bereits alle nach den geltenden Vorschriften verfügbaren Maßnahmen eingeleitet hat, um seine Rechte und die seines Fahrers zu wahren, während es gemeinsam mit seinen Rechtsberatern die nächsten Schritte prüft", heißt es im Statement weiter.
Laut Ansicht des Teams habe man immer das technische und sportliche Reglement der MotoGP eingehalten, wie in der Aussendung betont wird. Man weise "jede Andeutung, dass ein Motor ohne Genehmigung geöffnet oder verändert worden sei, entschieden zurück." Leopard Racing schreibt weiter: "Es sei zudem darauf hingewiesen, dass bei den technischen Inspektionen an vier Motoren keine illegalen Komponenten, leistungssteigernden Modifikationen, nicht konformen Teile oder technischen Elemente festgestellt wurden, die gegen die Moto3-Vorschriften verstoßen."
Keine Beweise? Moto3-Team zweifelt an der Regelauslegung
Rund um die Mannschaft, die ihren offiziellen Hauptsitz im luxemburgischen Howald hat, kursierten schon seit Jahren Vermutungen, dass sie Manipulationen an ihren Motoren durchgeführt hätten. Das jetzt ausgesprochene Urteil ist allerdings der erste Fall, in dem die Regelhüter einen konkreten Verstoß als bewiesen ansehen.
Die Argumentation von Leopard Racing basiert darauf, dass man in den genannten Fakten keine klaren Beweise erkenne. "Der vorliegende Streit betrifft ausschließlich die Auslegung bestimmter Aspekte des Motorversiegelungssystems und die aus diesen Feststellungen gezogenen Schlussfolgerungen", heißt es im Wortlaut.
"Leopard Racing ist der Ansicht, dass eine Reihe wichtiger technischer und verfahrensrechtlicher Fragen ungeklärt bleibt, darunter die Methodik zur Feststellung des mutmaßlichen Verstoßes und die Verhältnismäßigkeit der verhängten Sanktionen", schrieben sie weiter. Außerdem stört sich Leopard Racing offenbar daran, dass bei den Inspektionen der Motoren kein Teamvertreter anwesend war.
"Das Team ist der Ansicht, dass weder eindeutige Beweise dafür vorgelegt wurden, ob und wann der mutmaßliche Verstoß stattgefunden haben soll, noch Hinweise darauf vorliegen, dass dadurch ein technischer oder sportlicher Vorteil erzielt wurde. Leopard Racing wird seine Position weiterhin über alle verfügbaren Kanäle verteidigen – entschlossen und im Vertrauen auf die Richtigkeit seines Vorgehens –, wobei das Team den beteiligten Sportverbänden stets vollen Respekt entgegenbringt", heißt es abschließend.
Welche weiteren Schritte das Team konkret plant, ist aktuell unklar. Das übliche Vorgehen, das Leopard offensteht, wäre, dass man innerhalb der nächsten fünf Tage einen Protest beim zuständigen Kantonsgericht in Waadt einlegt.



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