Jetzt ist es raus: Ab dem Miami Grand Prix gelten in der Formel 1 neue Regeln für das Energiemanagement. Doch die Experten sind gespalten.

"Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein", urteilt der ehemalige F1-Pilot Patrick Friesacher. Auch David Coulthard sieht die Regelanpassungen skeptisch: "Natürlich machen diese Änderungen einen Unterschied. Die Frage ist nur: Ist der Unterschied groß genug, damit wir im Qualifying wieder an das absolute Limit kommen?"

Geht DNA der Formel 1 verloren?

Für den Vizeweltmeister von 2001 steht die DNA der Formel 1 auf dem Spiel. "In der 75-jährigen Geschichte der Formel 1 musste der Fahrer immer etwas managen. Aber wir dürfen niemals aus den Augen verlieren, dass im Qualifying derjenige vorne stehen muss, der das meiste aus dem Auto herausholt", so Coulthard.

Er zieht den Vergleich zu den Großen des Sports: "Schumacher, Hamilton, Verstappen - sie alle haben in Kurven wie Eau Rouge oder Becketts gezeigt, was sie draufhaben und dadurch den Unterschied gemacht. Heute fährt man dort locker mit Vollgas durch."

F1-Regelanpassungen im Überblick:

  • Qualifying: Das Limit für die Energierückgewinnung wird auf 7 MJ pro Runde gesenkt.
  • Superclipping: Die maximal erlaubte Leistung (Deployment) steigt von 250 kW auf 350 kW.
  • Batteriepower: Abgabe-Limit Limit in Beschleunigungsphasen bei 350 kW, ansonsten Deckelung bei 250 kW.
  • Startprozedur: Einführung eines Notfallsystems bei geringem Ladezustand (Low Power Start Detection).
  • Regenrenen: Die Heizdecken-Temperatur für Intermediate-Reifen darf erhöht werden.

F1-Regelanpassungen: Weniger Management, mehr Vollgas?

In der Theorie soll die Reduzierung der Rekuperation auf 7 Megajoule bewirken, dass die Fahrer auf einer schnellen Runde weniger Energie laden müssen mit dem Ziel, dass der Vollgas-Anteil im Qualifying steigen soll. Gleichzeitig soll Lift-and-Coast sowie das sogenannte Superclipping minimiert werden.

Für Christian Klien versuchen die Verantwortlichen lediglich, eine Misere zu korrigieren, die sie selbst verschuldet haben. "Ich glaube, man hat den Bogen überspannt", erklärte der Österreicher in der Sendung Sport und Talk aus dem Hangar-7. "Für die Zuschauer am TV mögen die Rennen unterhaltsam sein, aber was ich als Ex-Rennfahrer auf den Onboards sehe, hat nichts mehr mit der DNA der Formel 1 zu tun – nämlich dem Fahren am Limit."

F1-Experte Christian Danner schlägt eine radikale Kur vor, um die Formel 1 wieder spannend und sicher zu machen. Mehr dazu im Video:

Christian Danners Plan gegen das Formel-1-Regel-Desaster 2026 (38:41 Min.)

Besonders die Komplexität stört Klien: "Selbst für mich ist es schwer zu verstehen, worum es bei diesen Zahlen genau geht. Sie sind einfach nicht greifbar." Dem stimmt Coulthard zu: Aus dem Sport, der ihn als Kind faszinierte, sei ein "Wissenschaftsprojekt" geworden. Einig sind sich die Ex-F1-Piloten lediglich bei der neuen Notfallprozedur für den Rennstart.

Das in Miami debütierende "Low Power Start Detection"-System soll erkennen, wenn ein Fahrzeug beim Losfahren aufgrund eines zu geringen Batteriestands unnatürlich langsam beschleunigt. In diesem Fall aktiviert das System automatisch die MGU-K, um das Auto mittels Elektro-Power in Gang zu setzen. Gleichzeitig warnen blinkende Rückleuchten die nachfolgenden Fahrer vor dem potenziellen Hindernis.