Audi steht nach fünf Rennen in der Formel 1 2026 auf Platz neun der Gesamtwertung. Die Ausbeute beschränkt sich nach wie vor auf Gabriel Bortoletos WM-Punkte vom Debüt in Australien. Statt sportlicher Erfolge machten die Ingolstädter in der ersten Jahreshälfte vor allem mit Zuverlässigkeitsproblemen und Unruhe in der Führungsregie des F1-Teams von sich reden. Audi CEO Gernot Döllner zieht in Monaco dennoch ein positives Fazit.

"Wir liegen voll im Plan, den wir für zwei Jahre so vorgesehen haben, um vom Herausforderer zu einem Competitor zu werden und dann um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Das Jahr 2030 ist dafür das Ziel und das steht immer noch", so Döllner am Freitag des sechsten Rennwochenendes in Monte Carlo. "Unser Ziel ist das Mittelfeld und da sehe ich uns auch diese Saison. Das ist unser Plan, und wir haben unseren Vierjahresplan bis 2030 und den verfolgen wir Schritt für Schritt."

Der Beschluss für den Formel-1-Einstieg der Marke wurde im August 2022 unter seinem Vorgänger Markus Duesmann gefasst. Ein Jahr später übernahm Döllner die Position des CEO. Der 57-Jährige zeigt sich trotz der Anlaufschwierigkeiten mit der momentanen Performance des Teams zufrieden. "Wir hatten in Melbourne mit zwei Punkten einen ausgezeichneten Start, danach aber viel zu lernen", sagt er mit Blick auf Gabriel Bortoleto neunten Platz beim Saisonstart.

Mehr Formel-1-Baustellen als erwartet für Audi

Während Mercedes, Ferrari und Honda auf ihre Erfahrung mit den Power Units der vorherigen Generation bauen konnten, musste Audi bei der Entwicklung des Formel-1-Motors bei null anfangen. Als zweiter Neueinsteiger konnte Ford auf das Know-how von Red Bull Powertrains zurückgreifen. Darüber hinaus kann Audi nur auf Daten seiner zwei Werksautos zurückgreifen, was sonst nur auf Honda zutrifft, die ausschließlich Aston Martin beliefern. Ford hat mit Red Bull und Racing Bulls vier Autos im Feld, Ferrari sechs und Mercedes acht.

"Es war ganz klar, dass es unsere erste Power Unit ist und wir nicht führend sein werden, wenn es um die Leistung des Motors geht", so Döllner, der dafür von anderen Bereichen der Fahrzeugentwicklung überrascht ist. "Was das Chassis und die Aerodynamik angeht, die Highspeed-Performance ist es sehr positiv," sagt er mit Blick auf die Arbeit im ehemaligen Sauber-Werk in Hinwil, wo seit 1992 Formel-1-Autos gebaut werden.

"Vielleicht hat mich die Fülle dessen, was wir lernen mussten, persönlich überrascht. Es gab auf Seiten der Durchführung enige Dinge, die wir in dem Ausmaß nicht erwartet hatten", gibt er zu. "Es gab viel zu lernen, was die Performance angeht, die Antriebseinheit, aber wir mussten auch viel über die Operations lernen. Wir mussten zum ersten Mal beide Seiten meistern, nicht nur die des Chassis sondern auch die des Motors, und das innerhalb der Zusammenarbeit dieser beiden Teams. Und das Team hat einen außergewöhnlichen Job gemacht, diese Prozesse zu optimieren."

Lob für Audi-Fahrer und neuen Rennleiter Allan McNish

Mit Routinier Nico Hülkenberg und Rookie Gabriel Bortoleto hat Audi auf eine bewährte Fahrerpaarung gesetzt. Für Döllner macht sich das mehr als bezahlt. "Es ist eine perfekte Fahrerkombination und wir haben wirklich das Glück, dass beide so hervorragend zusammenarbeiten", lobt er seine Fahrer. "Natürlich fährt auf der Strecke jeder sein Rennen, aber innerhalb des Teams treiben sie es voran, geben Feedback und arbeiten beide sehr hart."

An anderer Stelle lief es personell für Audi im Frühjahr hingegen nicht nach Plan. Teamchef Jonathan Wheatley verabschiedete sich Ende März völlig ohne Vorwarnung. An seine Stelle trat rund einen Monat später der ehemalige F1-Pilot und Audi-Werksfahrer Allan McNish. "Von dieser Entwicklung waren wir natürlich überrascht. Aber wir haben uns schnell an die neue Situation angepasst. Und wenn ich in den vergangenen drei Jahren im Umfeld der Formel 1 eines gelernt habe, dann ist es, dass Flexibilität und Reaktivität die wichtigsten Aspekte sind. Wir sind sehr froh, Allan im Team zu haben. Wir haben sehr schnell ein neues Setup gefunden, das sehr gut funktioniert."

Danner: Darum darf man Audi trotz Krise nicht abschreiben! (07:03 Min.)