In 15 Tagen geht der Große Preis von Miami über die Bühne. Doch die brennende Frage lautet: Wird es bis dahin eine Kurskorrektur beim Reglement geben? Und vor allem: Wie viel Einfluss haben die eigentlichen Hauptakteure überhaupt?

In der fünfwöchigen Pause zwischen Japan und Miami hatte sich die Formel 1 zwei Kernthemen auf ihre Agenda geschrieben: die Optimierung der Qualifying-Show und die Erhöhung der Sicherheit.

Am Montag, den 20. April, steht ein Meeting zwischen den Vertretern aller Interessensgruppen (FIA, FOM, F1-Teams) an. Doch wie viel haben Verstappen & Co. im komplexen Geflecht aus sportlichen, technischen und kommerziellen Interessen wirklich zu melden? Die kurze Antwort: Sie haben zwar keine formale Entscheidungsgewalt, einflusslos sind die Piloten trotzdem nicht.

Das Machtgefüge in der Formel 1

Als Regulierungs- und Aufsichtsbehörde besitzt die FIA die Regelhoheit - das ist Fakt. Doch der Automobil-Weltverband brütet nicht isoliert im stillen Kämmerlein über neuen Paragrafen. Um technische, sportliche oder finanzielle Regeländerungen durchzusetzen, müssen auch die FOM und die F1-Teams mitspielen. Die Details dieses Prozesses sind im Concorde Agreement verankert, dessen genauer Inhalt weitgehend vertraulich ist.

Den Fahrern können sich insofern "einmischen", indem sie die Schwächen des Produkts offen ansprechen, intern Druck aufbauen und über ihre öffentliche Wirkung Einfluss auf die Debatte nehmen. Wie das geht, zeigt Max Verstappen, der mit seiner Regel-Kritik offensiv nach vorne prescht, während sich die Teams bedeckt halten. Das hat einen essenziellen Grund: Geld. Die Teams verfolgen nicht nur eine sportliche, sondern vor allem eine finanzielle Agenda.

Sie partizipieren direkt am kommerziellen Erfolg der Formel 1 und verfolgen daher nicht immer die gleichen Interessen wie die Fahrer wie auch Carlos Sainz in seiner Rolle als GPDA-Fahrervertreter darlegte. "Für die Teams mag das Racing in Ordnung sein, weil ihnen gefällt, wie es im Fernsehen aussieht. Aber aus der Perspektive eines Fahrers, der gegen andere antritt und erkennt, dass es Geschwindigkeitsunterschiede von 50 km/h geben kann, ist das nicht wirklich Racing."

Die GPDA wurde 1961 genau aus diesem Grund gegründet – als Sprachrohr der Fahrer und als Bindeglied zur FIA und den restlichen Interessenvertretern.

Heute stehen vor allem folgende Punkte auf ihrer Liste:

  • Sicherheit: Kontinuierliche Verbesserung auf und neben der Strecke
  • Zukunft der F1: Nachhaltigkeit und technische Relevanz
  • Mitbestimmung: Eine stärkere Einbindung der Fahrer in Entscheidungsprozesse

In der Vergangenheit legten sich die Piloten immer mal wieder mit der FIA an. Eines der berühmtesten Beispiele ist sicherlich Niki Lauda, der beim Südafrika GP 1982 einen Fahrerstreik anführte. Grund: die geplante Einführung einer Superlizenz, die eine neue Exklusivitätsklausel beinhaltete. Eines der jüngeren Beispiele passierte Ende als sich die Fahrer gegen den Maulkorb der FIA wehrten - und noch vor dem ersten Rennen der Saison 2023 entschärfte Domenicali die Situation. Weitere Beispiele gibt's hier:

FIA vs. F1-Piloten: Dialog statt Konfrontation

Entsprechend setzt F1-Boss Stefano Domenicali nach außen auf Kooperation und betont, dass hinter den Kulissen ein konstruktiver Austausch mit den Fahrern stattfindet - selbstverständlich inklusive Verstappen, der insbesondere das Energiemanagement der neuen Motorengeneration moniert.

Verstappen droht mit F1-Rücktritt! Was kann ihn umstimmen? (10:15 Min.)

F1-Weltmeister Lando Norris bestätigte abseits der Pirelli-Reifentests auf dem Nürburgring: "Die FIA und alle Beteiligten beschäftigen sich mit der Thematik. Es gab einen guten Dialog mit der FIA und ich bin zuversichtlich, dass wir bis Miami Fortschritte sehen." Darauf hofft auch GPDA-Präsident Alex Wurz und betont im Podcast "Lift and Roast" einmal mehr die Bedeutung der Fahrer als Botschafter des Sports.

Für ihn steht fest: Nur wenn die Piloten mit dem Produkt F1 zufrieden sind, springt der Funke auf die Fans über. "Das ist beim letzten Durchgang des Reglements der Fall gewesen. Wir haben gesagt: Die Autos müssen breiter, heroischer und maskuliner werden und wir müssen wieder Rundenrekorde fahren. Und genau unter diesem Reglement erlebte der Sport eine Entwicklungs- und Wachstumsphase wie noch nie." Wenn wir also auf die Eingangsfrage zurückkommen, wie viel Einfluss die Fahrer haben, dann lautet die lange Antwort: Genug, um Druck zu machen.