Es ist ein trauriger Anlass, der mich dazu bewegt, diese Zeilen zu schreiben. Der Tod von Karin Sturm hat mich sehr getroffen. Ihr Name stand vielleicht nie so im Rampenlicht, wie es bei anderen in der Formel 1 der Fall war. Den Fahrern, den Teamchefs, den Superstars. Ihr Gesicht prangte nicht auf den Titelseiten, aber sie half dabei mit, die Formel 1 auf viele dieser Titelseiten zu bringen.

Wer die Formel 1 kannte, wer sie schon zu Karins Anfangszeit in den 1980er- und 1990er-Jahren wirklich erlebt hat, der wusste ganz genau, wer Karin Sturm war - und wie bedeutend ihre Arbeit für den Motorsport in Deutschland gewesen ist.

Karin Sturm: Mehr als Senna-Expertin, eine Medien-Pionierin für die F1

Viele haben sie wegen ihrer Nähe zu Ayrton Senna wahrgenommen. Aber das allein wird ihr nicht gerecht. Was mich immer beeindruckt hat, war etwas anderes: Sie hat es geschafft, die Formel 1 dorthin zu bringen, wo sie damals längst nicht selbstverständlich war - in die großen Tageszeitungen, in Magazine, in den publizistischen Mainstream. Sie hat dafür gesorgt, dass Motorsport auch dort ernst genommen wurde, wo man sonst vielleicht nur bei Sensationen oder Skandalen hingeschaut hätte. Das war echte Pionierarbeit.

Formel-1-Journalistin Karin Sturm mit Christian Danner
Christian Danner im Interview mit Karin Sturm in Monaco, Foto: Mark Sutton

Ich erinnere mich gut an diese Zeit. Karin war damals bei fast jedem Rennen vor Ort, schon seit Anfang, Mitte der 80er Jahre. Und man darf nicht vergessen: Das war eine völlig andere Welt als heute. Es gab keine perfekt aufbereiteten Pressemitteilungen, keine sofort verfügbaren Mitschnitte von Pressekonferenzen, keine Kommunikationsabteilungen, die einem jede Aussage mundgerecht serviert haben. Alles war direkt, analog, in Echtzeit. Wer nicht selbst an der Strecke war, wer nicht nachgehakt, nachgelaufen, zugehört und aufgepasst hat, der hatte am Ende schlicht keine Geschichte.

Aus heutiger Sicht ist kaum noch vorstellbar, wie viel Einsatz das damals verlangt hat. Man musste sich Informationen mühsam erarbeiten. Wer berichten wollte, musste selbst da sein und verstehen, wie dieses Geschäft funktioniert. Musste wissen, wen man ansprechen kann. Musste ein Gefühl für Menschen, Situationen und Zusammenhänge haben. Karin hatte genau dieses Gespür.

Auf Karins Einschätzung konnten wir Fahrer uns immer verlassen

Formel-1-Journalistin Karin Sturm
Karin war immer nah dran an den Geschichten, Foto: Mark Sutton

Genau in dieser Welt hat sich Karin einen Namen gemacht. Als praktisch einzige deutsche Journalistin in diesem Umfeld war sie eine echte Ausnahmeerscheinung. Sie hat sich ihren Platz in einem internationalen Fahrerlager erarbeitet, das damals nicht gerade dafür bekannt war, besonders zugänglich zu sein. Dafür brauchte es nicht nur Kompetenz, sondern vor allem Beharrlichkeit, Mut und Leidenschaft. Karin hatte all das.

Wir Fahrer wussten das immer. Wir wussten: Sie ist da. Auf sie ist Verlass. Sie versteht, worum es geht. Sie hat nicht nur beobachtet, sondern begriffen. Und das ist ein großer Unterschied. Deshalb möchte ich heute vor allem eines sagen: Danke. Danke für das Engagement. Danke für die Hartnäckigkeit. Danke für die enorme Arbeit, die sie in einer schwierigen Zeit für die Formel 1 und für den Motorsport in Deutschland geleistet hat. Und danke für diese spürbare, ehrliche Liebe zum Rennsport. Für diesen Enthusiasmus, diesen Biss, diese Fähigkeit, sich immer wieder mit derselben Leidenschaft auf das Thema Formel 1 einzulassen. Das war etwas ganz Besonderes.

Aus Fansicht hat man vieles davon vielleicht nur indirekt mitbekommen. Aber wir, die damals mittendrin waren, haben sehr genau gesehen, was Karin Sturm geleistet hat. Und ich bin ihr dafür bis heute dankbar. Sie war eine Pionierin. Und sie wird der Formel 1 und uns allen fehlen.

Auch unser Chefredakteur Stephan erinnert sich in einem Nachruf an viele Jahre der Zusammenarbeit mit Karin und was sie für Motorsport-Magazin bedeutete: