Das Formel-1-Rennen in Monaco gilt jedes Jahr als großer Trendbrecher. Die einzigartigen Streckencharakteristiken im Fürstentum setzen nicht selten die gewohnte Hackordnung außer Kraft und stellen das Feld auf den Kopf. Schließlich entwickelt niemand sein Auto für die Low-Speed-Schlacht, und extra viele Ressourcen in ein eigenes Monaco-Paket zu investieren, lohnt sich auch nicht - erst recht nicht in Zeiten des Budget Caps. Motorleistung ist außerdem nur eine Randnotiz.

Die favorisierten Mercedes und auch die McLarens sind gewarnt, sie nennen allerdings vorwiegend Ferrari als Favoriten für das Heimrennen von Charles Leclerc. Red Bull und Max Verstappen hingegen kommen in diesen Kalkulationen seltener vor. Das liegt nicht zuletzt an einer Eigenheit des RB22, die sich trotz des radikalen Regelumschwungs von den Ground-Effect-Autos konserviert zu haben scheint.

Red Bull mag keine Kerbs

Die Rede ist davon, dass das Auto von Verstappen und Teamkollege Isack Hadjar äußerst sensibel auf Unebenheiten reagiert. Darauf machte Verstappen schon in Kanada aufmerksam, als er klagte: "Das Auto ist am Heck völlig im Eimer. Es hüpft." Das Problem ging sogar so weit, dass Verstappen nicht konsequent aufs Gas treten konnte: "Meine Füße flogen sogar von den Pedalen."

Auch wenn der Circuit Gilles Villeneuve und der Circuit de Monaco ansonsten grundverschieden sind, ist das ein Faktor, der auf beiden Straßenkursen ein ähnliches Gewicht besitzt. Die Kerbs scharf mitzunehmen, ist sowohl auf dem Highspeed-Kurs in Montreal als auch in Monaco ein wichtiger Erfolgsbaustein.

Schon im Vorjahr hatte Verstappen im Kampf um die Pole Position (in Monaco gleichbedeutend mit einer Steilvorlage auf den Rennsieg) unter anderem deshalb keine Chance. "Wir konnten einfach nicht gut über die Kerbs fahren", hatte sich der Niederländer damals beschwert, nachdem er sich mit sieben Zehntelsekunden Rückstand nur auf P5 qualifiziert hatte.

2024 ein ähnliches Spiel. Damals setzte es für den späteren Weltmeister sogar nur Startrang 6 in einem "Gokart ohne Aufhängung", allerdings mit deutlich weniger Abstand. Zum letzten Mal pole- und siegfähig war Verstappen in Monaco 2023 in der Phase seiner höchsten Dominanz. Und selbst damals benötigte er für die Pole im Duell gegen Fernando Alonso im letzten Streckenabschnitt einen Wundersektor inklusive mehrerer Mauerstreifer.

Ist die Formel-1-Strecke in Monaco zu holprig für den Red Bull?

In Kanada dämpfte Red Bull das Kerb-Problem erst nach dem Ende der Sprint-Sessions vor dem Qualifying mit altbewährten Methoden, indem man die Fahrzeughöhe anhob. "Wir drehen uns im Kreis. Wir verbessern die Schläge und Kerbs, aber dann verlieren wir Downforce am Auto", strich Max Verstappen die Problematik dieser Lösung hervor. "Das war ein Problem im Qualifying."

Dass die Fahrzeughöhe und damit die Kerbs nach wie vor ein neuralgischer Punkt am Red Bull sind, kommt insofern etwas überraschend, da der Unterboden mit dem Ende der Ground-Effect-Generation eigentlich nicht mehr ein derart kritisches Element ist. Der Ground Effect ist zwar auch mit den neuen Autos noch vorhanden, aber wesentlich weniger ausgeprägt.

Im Gegensatz zum Sprint-Wochenende in Kanada hat Red Bull in Monaco drei Trainings Zeit, um den Kompromiss zwischen Downforce und Bodenfreiheit hinzubekommen, aber Verstappen geht davon aus, dass sich das Problem bereits in der Fahrzeug-Philosophie befindet und nicht nur im Setup: "Das Auto ist wahrscheinlich sehr gut auf glatten Strecken, auf holprigen Strecken weniger."

Teamchef Laurent Mekies teilte ebenfalls im Rahmen des Kanada-GPs diese Einschätzung seines Fahrers nicht. Er kam mit Blick auf den Rückstand in den letzten beiden Rennen zu einem anderen Schluss. "In Miami [sehr glatte Strecke, d. Red] kamen wir 40 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel. Hier waren wir ein bisschen näher."