Lediglich 0,150 Sekunden fehlten Lando Norris im zweiten Freitagstraining in Spa-Francorchamps auf WM-Leader Kimi Antonelli. Eine starke Performance des Briten, wenn man sich die restlichen Abstände anschaut: Max Verstappen fehlte fast eine halbe Sekunde, Lewis Hamilton sogar fast acht Zehntel auf Antonelli. Dennoch suchte man nach den Freitagssessions das typische Norris-Lächeln vergeblich. Der Grund: Er schätzt McLaren weiterhin nur als viertstärkste Kraft ein.
"Ich glaube, wir und Mercedes haben heute schon unsere wahre Pace gezeigt, die anderen dagegen noch nicht. Deshalb sind wir wahrscheinlich immer noch das viertschnellste Team. Wenn wir alles optimal hinbekommen, könnten wir vielleicht etwas näher dran sein als zuletzt in Silverstone", stapelte Norris tief. Vor allem von Red Bull erwartet er am Samstag den gewohnten Sprung: "Morgen werden beide Autos vorne mitmischen und genauso schnell oder sogar noch schneller sein", glaubt Norris mit Blick auf das Qualifying.
Die Grafik zeigt, wo Norris auf Antonelli verliert. Auffällig: Norris ist überraschend langsam durch Blanchimont.
Houldey über Spa-Heckflügel: Kleinvieh macht auch Mist
McLaren hat an in Belgien keine größeren Neuerungen am Auto. Das Team nahm lediglich streckenspezifische Änderungen am Heckflügel vor. Die Heckflügel-Endplatte wurde modifiziert, um die Strömungsbedingungen und die Aerodynamik in diesem Bereich zu optimieren.
Zusätzlich setzt McLaren auf eine an die Streckencharakteristik angepasste Heckflügel-Konfiguration, um die Gesamteffizienz zu steigern. In FP1 wurde dieser an Piastris MCL40 montiert, um ihn mit der alternativen Version vergleichen zu können, die an Norris' Auto angebracht war. Laut Technikdirektor Neil Houldey liefert der Heckflügel genau das, was er sollte. "Wir sind zufrieden mit diesem Upgrade. Es sind zwar Kleinigkeiten, aber Kleinvieh macht auch Mist." In FP2 fuhren somit beide Piloten den Flügel.


Trotzdem stützt er Norris' Prognose, dass der zweite Platz nicht das wahre Potenzial von McLaren widerspiegelt. "Man kann nicht sagen, dass P2 unsere wahre Position ist. Lando hat das Maximum aus dem Auto herausgeholt." Spielraum sieht Houldey vor allem noch bei der elektrischen Energie: "Wir werden über Nacht viel Zeit damit verbringen, beim Deployment nachzulegen, Dinge zu simulieren und das Beste für das FP3 herauszuarbeiten. Das Optimum ist irgendwo da draußen - wir haben es nur noch nicht ganz gefunden."
Hydraulikdefekt bremst Piastri aus
In Spa macht McLaren mal wieder die Zuverlässigkeit einen Strich durch die Rechnung. Norris wurde bereits im FP1 durch technische Probleme eingebremst. Noch härter traf es Oscar Piastri, der aufgrund eines Hydrauliklecks erst kurz vor der Halbzeit des FP2 auf die Strecke gehen konnte. Durch die zweite rote Flagge gegen Ende der Session - ausgelöst durch einen Unfall von Pierre Gasly - verlor der Australier wertvolle Trainingszeit und kam über Rang sechs nicht hinaus.
Auf die Antonelli-Bestzeit fehlte ihm fast eine Sekunde, auf seinen Teamkollegen waren fast sieben Zehntel. "Oscars Seite der Garage hatte einfach weniger Zeit zum Optimieren, da geht noch was", betonte Houldey. Auch Oscar Piastri zeigte sich trotz aller Probleme zufrieden. "Insgesamt war es ein ordentlicher Tag. Wir bewegen uns in die richtige Richtung und sind in einer guten Position, um morgen im FP3 und im anschließenden Qualifying darauf aufzubauen."
Norris bleibt mit Blick auf das restliche Wochenende dennoch skeptisch. Zu oft sah McLaren am Freitag stark aus, um samstags durchgereicht zu werden. Zuletzt passierte das in Österreich: Am Red Bull Ring waren beide McLaren im FP2 noch die engsten Antonelli-Verfolger, im Qualifying reichte es am Ende nur für die Plätze sechs und sieben.
"Wir haben an diesem Wochenende eigentlich nichts Grundlegendes verändert. Deshalb gibt es für uns keinen Grund zu erwarten, dass sich plötzlich etwas ändert", zeigte sich Norris realistisch. Zu allem Überfluss wandert er wegen des Überschreitens des Kontingents an erlaubten Steuerelektronik-Komponenten (Leistungselektronik) in der Startaufstellung am Sonntag automatisch um zehn Plätze nach hinten.
Auch bei Mercedes hat man Motor-Sorgen. Kimi Antonelli ist nach Tausch jetzt am erlaubten Limit. Mehr dazu liest du in dieser News:



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