Seit Österreich beschäftigen McLaren zwei Updates, die das Formel-1-Team genau nicht hat. Ein immer noch ausstehendes neues Heckflügelkonzept ist nun schon zwei Rennen überfällig, und in Silverstone wurde das Gemurmel um eine immer noch nicht eingebaute neue Power Unit von Mercedes lauter. Beide Themen sollen jetzt in Spa zu den Akten gelegt werden.

Denn sowohl Heckflügel als auch Mercedes-Update sollen beim Belgien-GP erstmals für den MCL40 zur Verfügung stehen, lässt McLaren am Dienstag vor dem Rennen wissen. Beide Themen hatten davor seit Österreich aus völlig unterschiedlichen Gründen für Diskussionen gesorgt.

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Zweiter Anlauf für McLarens Macarena-Heckflügel?

Beim Heckflügel handelt es sich dem Vernehmen nach um die McLaren-Interpretation des "Macarena" getauften Konzepts, bei dem die oberen Heckflügel-Elemente bei aktiviertem Straight Mode auf den Geraden nicht flachgestellt, sondern invertiert werden. Bislang fahren nur Ferrari und Red Bull zwei Variationen dieses Konzepts.

Die zwei hatten die Idee schon im Winter entwickelt. McLaren hingegen ist Nachzügler. In Österreich war ein erster Prototyp an die Strecke geliefert worden und hätte eigentlich in den Trainings evaluiert werden sollen. Doch bei Funktionschecks in der Garage zeigten sich am Freitagmorgen gröbere Probleme. Der Flügel wurde unverrichteter Dinge wieder eingepackt.

Drei Wochen später unternimmt man in Spa jetzt einen neuen Anlauf. Und diesmal will man auch einen Renneinsatz nicht mehr kategorisch ausschließen. "Wir sind zuversichtlich, dass dieses Update etwas Performance bringen wird", gibt sich Ingenieursdirektor Neil Houldey vage. Offiziell spricht das Team vorab davon, den Flügel in beiden Trainings evaluieren zu wollen.

In Spa dürfte die Verlockung eines Einsatzes groß sein, sofern das System sicher und sinnvoll funktioniert. Hier gibt es mehrere lange Geraden und fünf Straight-Mode-Zonen, ein dort effizienterer Heckflügel kann also signifikant Zeit bringen. Und genau darum geht es mit den invertierten Flügeln. Sie reduzieren im Straight Mode den Luftwiderstand besser, weil sie das Flügelprofil nicht nur minimieren, sondern umkehren, und ein umgekehrtes Profil würde in der Theorie schließlich sogar Auftrieb erzeugen.

McLaren letztes Mercedes-Team mit Zuverlässigkeits-Update

Fest steht, dass in Spa sowohl Lando Norris als auch Oscar Piastri einen neuen Verbrennungsmotor bekommen werden. Dabei handelt es sich um eine neue Spezifikation, die Mercedes ursprünglich in Österreich eingeführt hatte. An dieser wurden auch Änderungen zur Eindämmung der Zuverlässigkeitsprobleme vorgenommen, die den Hersteller seit Saisonbeginn plagen.

Das Werksteam fuhr ab Österreich damit. Alpine und Williams zogen in Silverstone nach. Dass McLaren aber auch dort den neuen Motor nicht nutzte, wurde schnell zum Thema. Motorsportchef Zak Brown und Teamchef Andrea Stella gaben sich bei Rückfragen vage. Offiziell kommuniziert wurde, dass die aktuell noch verbauten zweiten Power Units noch nicht ausreichend Laufleistung hätten und es für einen Ersatz zu früh sei.

Per Reglement sind Motorhersteller dazu verpflichtet, zumindest alle grundlegenden Fähigkeiten der Power Unit den Kunden gegenüber offenzulegen und Updates zugänglich zu machen. Ob es nun ein durch ein sehr schnell entwickeltes und gebautes Update bedingter unglücklicher Lieferengpass war oder ob noch mehr dahintersteckt - jedenfalls stieß Stella bei dem Thema am Samstag in Silverstone sachte wieder eine Diskussion an, ohne ins Detail zu gehen.

Das hatte er bereits zu Saisonbeginn einmal getan, später entschärft. Dass es in Silverstone wieder aufkam, lag nicht nur am fehlenden Update, sondern auch an einem kuriosen Qualifying-Trick des Werksteams, von dem man kalt erwischt worden war. Daraufhin erneuerte Stella seine höflichen Forderungen nach Chancengleichheit: "Es gibt definitiv anhaltende Konversationen mit [Mercedes] auf einem technischen Level, um sicherzustellen, dass wir nutzen, was in der Power Unit drinsteckt."

Revolutionen sind von Flügel und Motor aber keine zu erwarten, mahnt Ingenieursdirektor Houldey: "Uns ist nach einem schwierigen Großbritannien-GP besonders in Sachen reiner Performance vollauf bewusst, dass auch dieses Rennen schwierig wird, also erwarten wir keine große Änderung in Sachen Wettbewerbsfähigkeit." Das alles ist bloß ein Vorgeplänkel für ein größeres Aero-Update-Paket, welches eine Woche darauf in Ungarn kommt. Mehr dazu gibt es hier: