Nach dem FP2 scheint McLaren derzeit das einzige Team zu sein, das Mercedes am Red Bull Ring gefährlich werden könnte. Dabei verlief der Start in den Formel 1-Freitag alles andere als reibungslos. Lando Norris startete mit Verspätung in das erste Freie Training, nachdem an seinem Auto 45 Minuten lang wegen eines Hydrauliklecks gearbeitet worden war.
In den verbleibenden Minuten versuchte sich der Weltmeister auf der Medium-Mischung an das Limit heranzutasten, leistete sich dabei jedoch zwei Ausritte in den Kurven drei und sieben. Trotz magerer neun Runden und P7 fiel Lando Norris Fazit positiv aus: "Was die Pace angeht, war es insgesamt ein ordentlicher Tag, und wir sind etwas näher an die Spitze herangerückt, was ermutigend ist." Durch die eingeschränkte Testzeit aufseiten von Norris blieb das Freitagsprogramm an Oscar Piastri hängen.
McLaren-Heckflüge geht zurück ins Werk
Zu Beginn der Session spulte der Australier, ausgerüstet mit Aero-Rakes (Messgittern) auf der Motorabdeckung, mehrere Runden mit konstanter Geschwindigkeit ab, um unterschiedliche Frontflügel zu testen. Der für das FP1 angekündigte, experimentelle Heckflügel blieb hingegen eingepackt. Wie Technikdirektor Neil Houldey verriet, war man mit dem abschließenden Freigabetest nach dem Montieren des Flügels nicht zufrieden. "Auf technische Details möchte ich nicht eingehen, aber nachdem wir das System betätigt hatten, wurde klar, dass es nicht das tat, was es sollte. Deshalb war es sinnvoller, keine Zeit damit zu verbringen, ihn zum Laufen zu bringen", erklärte Houldey Motorsport-Magazin.com .
Für McLarens Version des sogenannten Macarena-Flügels geht es damit direkt zurück in die Fabrik nach Woking. "Der Flügel benötigt noch etwas Entwicklungsarbeit, bevor wir bereit sind, ihn an einem Rennwochenende einzusetzen", so Houldey. Stattdessen konzentrierte sich das Team darauf, das ideale Setup für die brütende Hitze in Österreich zu finden - und tatsächlich waren Norris und Piastri die einzigen Piloten, die im FP2 im Qualifying-Trimm auf unter eine halbe Sekunde an Antonelli herankamen. "Das war heute ein sehr produktiver Tag", bilanzierte Piastri zufrieden.
Gerade nach Barcelona sah der Australier eine Menge Hausaufgaben vor sich liegen: "Was das angeht, haben wir heute sehr viel ausprobiert und einen guten Job gemacht." Doch gerade der Barcelona-Freitag ist in McLarens Köpfen noch immer präsent. Interessanterweise ähnelt das Spielberg-Bild dem aus Spanien: Norris und Piastri sind im Training langsam auf den Geraden, gewinnen im kurvigen Mittelsektor jedoch wieder Zeit zurück wie die Grafik zeigt:
Auf eine schnelle Runde rechnet sich Piastri kaum Chancen gegen Antonelli aus, vor allem, weil der Mercedes-Youngster seine Bestzeit auf der zweiten Push-Lap fuhr. "Und das noch auf dem Soft-Reifen. Das ist schon beeindruckend", räumte Piastri ein. Gegen Ende der Session wechselte McLaren auf die Medium-Reifen und spulte einen Mini-Longrun ab. Dieser zeigt jedoch vor allem eines: McLarens klarer Hitzevorteil, wie man ihn noch in Miami gehabt hatte, ist in Österreich nicht zu sehen. Jedoch findet man McLaren im Duell mit George Russell um die Rolle des ersten Antonelli-Jägers wieder.
Hier gibt's die komplette Trainingsanalyse:
"Diese Strecke scheint unserem Auto zu liegen - das hat sich schon in den vergangenen Jahren gezeigt. Das ist eine gute Ausgangslage für den Rest des Wochenendes", meinte Vorjahressieger Norris. Für ihn geht es im verbleibenden dritten Freien Training vor allem darum, noch mehr Vertrauen ins Auto zu finden. "Wenn uns das gelingt, können wir den führenden Teams noch einen weiteren Schritt näherkommen", gibt sich der Brite zuversichtlich. Auch Piastri rechnet sich bis zum Qualifying noch Fortschritte aus: "Wir können natürlich über Nacht nichts neu erfinden, aber ich denke, dass es auf beiden Seiten der Garage noch Raum für Verbesserungen gibt."
Allerdings will Houldey zu diesem Zeitpunkt weder Ferrari noch Red Bull aus dem Kreis der Spielberg-Favoriten nehmen. Immerhin konnte Ferrari in Barcelona nach einem enttäuschenden Freitag im Qualifying und erst recht im Rennen zurückschlagen. "Es gibt keinen Grund, warum sie hier nicht genauso schnell sein sollten. Red Bull hat ein großes Paket gebracht, und wir können erwarten, dass sie auch vorne dabei sind. Ich denke also, dass hier mindestens diese acht Fahrer im Kampf mitmischen werden", prognostiziert McLarens Technikdirektor.



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