Ein schwacher Freitag, dann wie aus dem nichts ein gutes Qualifying und am Ende ein viel umjubelter Sieg am Sonntag. So lief das letzte Formel-1-Wochenende in Barcelona und bislang folgt die Scuderia auch beim Österreich-GP dieser Bauanleitung von vor zwei Wochen. Aber eben bisher nur bis zum Tiefpunkt, denn im zweiten Training ließen sich Leclerc und Hamilton um knapp sechs bzw. über acht Zehntelsekunden abhängen.
"Heute hatten wir ein bisschen Probleme mit den Bedingungen. Ein bisschen wie in Barcelona", bemerkte auch Teamchef Fred Vasseur die Parallele zum Grand Prix, bei dem Lewis Hamilton seinen ersten Sieg in Rot gefeiert hatte. "Die Höhe, die Streckentemperatur, die Lufttemperatur", zählte Vasseur auf, "es ist für alle das gleiche, aber wir haben viele Probleme."
Die Höhenlage von ca. 750 Metern macht Spielberg natürlich einzigartig im Vergleich mit den Strecken in der bisherigen Saison, das Temperatur-Argument war tatsächlich bereits auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya schlagend geworden. Aber auch wenn die Hoffnung da ist, dass Ferrari den Turnaround schaffen kann, gibt es natürlich keine Garantie dafür.
Schon auf der Strecke in Katalonien benötigte der damals frisch geupdatete SF-26 den richtigen Taktik-Feinschliff vor dem Qualifying, um plötzlich siegfähig zu werden. "Wir müssen viel an uns selbst arbeiten. Am Setup, am Auto, am Fahren und so weiter, um morgen einen besseren Job zu erledigen", mahnt Vasseur deshalb an, dass es kein Selbstläufer wird.
Charles Leclerc mahnt trotz Barcelona: Nicht sehr zuversichtlich
Das weiß natürlich auch Charles Leclerc, der in Barcelona nach einem Qualifying-Unfall kein Wörtchen im Kampf um die vorderen Positionen hatte mitreden können. Er zeigt sich von seiner beinahe schon standardmäßigen pessimistischen Seite: "Ich bin nicht sehr zuversichtlich, aber man sollte niemals nie sagen", so Leclerc.
Er macht einen deutlichen Unterschied zum letzten Grand Prix aus. "Am Freitag in Barcelona wussten wir, dass es ein paar Elemente gibt, die uns den Glauben gaben, dass einiges an Performance im Auto steckt. Im Moment gibt es mehr Probleme", merkte er an. Das hatte man schon im ersten Training festgestellt, als Rookie Dino Beganovic den Monegassen ersetzte. Anschließend bestätigte sich das aus Leclercs Sicht auch im Cockpit: "[Es fehlt uns] einfach insgesamt der Grip. Wir sind von meiner ersten Runde an mit allen vier Reifen viel gerutscht. Deshalb war es sehr knifflig und die Balance war generell sehr offen."
Dazu kommt noch, dass Ferrari einmal mehr auf der Geraden nicht mit der Konkurrenz mitkommt - trotz neuem Motor. Abschnittweise war der SF-26 bis zu zehn km/h langsamer als der Mercedes. Hier der Rundenvergleich in der Grafik:
Gibt es in Spielberg die nächste Formel-1-Reifenschlacht?
Immerhin gibt es eine weitere Parallele zu Barcelona, nämlich der Reifenverschleiß. Erneut soll dieser relativ hoch sein und wird das Rennen aller Voraussicht nach in eine 2-Stopp-Strategie verwandeln. "Reifenmanagement wird eine genauso große Rolle spielen wie in Barcelona", ist Leclerc sicher.
Das könnte Ferrari auf dem Red Bull Ring erneut in die Karten spielen, aber er glaubt nicht, dass das ausreichend ist. "Das größere Problem ist, dass die Pace nicht vorhanden ist. Nach 20 Runden sind wir vielleicht schnell, aber die ersten 20 Runden sind dann nicht gut", kalkuliert Leclerc. Zumal den Trainingsdaten zufolge die Reifen doch noch um einiges besser halten als beim Formel-1-Rennen in Barcelona.
Wohl auch mit seinem Sieg aus Barcelona noch im Hinterkopf, zeigt sich Lewis Hamilton deutlich optimistischer als sein Teamkollege. Sein Fazit vor dem Qualifying-Tag auf dem Red Bull Ring: "Es war ein solider, aber herausfordernder Start in das Wochenende." Er beschrieb das Fahrgefühl in seinem Auto mit deutlich lobenderen Worten als Leclerc: "Das Auto hat sich vom Start an ziemlich positiv angefühlt, aber diese Strecke verzeiht nichts, sodass sogar ein kleines Balanceproblem viel Rundenzeit kosten kann."



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