Mercedes mag pfeilschnell in die neue Ära der Formel 1 gestartet ein, doch sowohl Auto als auch Motor haben sich in der ersten Saisonhälfte von 2026 als viel zu defektanfällig herausgestellt. Bei beiden Fahrern zeichnen sich daher langsam, aber sicher Motorenstrafen für den Herbst ab. Eine Bestandsaufnahme hierzu, und wie Teamchef Toto Wolff damit umgeht.
Ein wesentliches Problem von Mercedes ist, dass die Probleme überraschend vielfältig waren, und von Beginn an auftraten. Schon in Australien hatte George Russell zum ersten Mal die Batterie und die Kontrolleinheit des Hybrid-Systems wechseln müssen. Ein böser Vorbote, denn wie sich über die ersten sieben Rennwochenenden herausstellte, lag im elektrischen Teil der Power Unit hier etwas im Argen.
Zuerst wurden die Kunden von McLaren und Williams an den ersten drei Wochenenden von einer ganzen Serie an Defekten im Bereich Batterie und Kontrolleinheit heimgesucht. Lando Norris baute schon am Sonntag in Japan, dem dritten Rennwochenende, jeweils Nummer drei ein. Von diesen beiden Komponenten sind nur je drei für das ganze Jahr erlaubt, jeder weitere Wechsel bedeutet Strafen. Alex Albon im Williams erreichte in Monaco das Limit.
Mercedes-Motoren gehen nach Zuverlässigkeits-Update weiter kaputt
Teilweise nahmen die Kundenteams die Verantwortung auch auf sich, etwa McLaren nach dem dramatischen Doppel-Aus noch in der Startaufstellung von China. Aber spätestens in Kanada hieß es Alarm beim Werksteam, als Russells Batterie im Rennen überhitzte und schlappmachte. Zwei Rennen später rollte Kimi Antonelli in Barcelona kurz vor Rennende aus.
Das resultierte in einer neuen Power Unit mit Modifikationen für die Zuverlässigkeit in Österreich. Die Kontrolleinheit wurde hervorgehoben, aber bei beiden Mercedes wurde gleich die komplette Power Unit getauscht. Damit waren Russell und Antonelli mit Batterie und Kontrolleinheit bereits am Limit, hatten aber bei Verbrennungsmotor, Turbo, Auspuffeinheit und MGU-K immerhin noch je einen Tausch als Puffer.
Leider ging die Misere im Sommer weiter. Antonellis Österreich-Motor hielt nur zwei Wochenenden. Nach Silverstone entdeckten die Ingenieure Auffälligkeiten in den Daten und schickten alles zurück nach Brixworth ins Werk für Checks. Antonelli bekam in Spa den letzten straffreien Verbrennungsmotor.
Eine Woche später riss sich Russell in Ungarn seine Power Unit regelrecht auf, mit einem Wasserleck, nachdem er im Qualifying einen Schlag ungünstig erwischte. Er musste für Sonntag Verbrenner und Turbo tauschen und war nun bei beiden das Limit. Und damit sind jetzt beide Fahrer bei noch 12 im Kalender stehenden Rennen bei fast allen Power-Unit-Komponenten am Limit. Jeder weitere Wechsel bedeutet eine Grid-Strafe.
| Teil | George Russell | Kimi Antonelli |
|---|---|---|
| Verbrenner (ICE) | 4 von 4 | 4 von 4 |
| Turbo (TC) | 4 von 4 | 3 von 4 |
| Auspuffsystem (EXH) | 3 von 4 | 4 von 4 |
| MGU-K | 2 von 3 | 2 von 3 |
| Batterie (ES) | 3 von 3 | 3 von 3 |
| Kontrolleinheit (CE) | 3 von 3 | 3 von 3 |
| Ergänzungsteile (ANC) | 5 von 6 | 5 von 6 |
Mercedes hofft auf Reparaturen - sonst bittere News für Italien?
12 Rennen mit nur einer Power Unit durchzufahren ist zuerst einmal unrealistisch. Einige der Komponenten - Verbrenner, Turbo, MGU-K - nutzen sich mit jedem Einsatz weiter ab und verlieren so sukzessive Leistung. Da ist es besser, in einem Rennen gute Startplätze zu opfern, als hintenraus mit einem brustschwachen Motor mit zunehmendem Defekt-Risiko weiterzufahren.
Fix sind Mercedes-Strafen aber noch nicht. Bereits verwendeten Komponenten befinden sich grundsätzlich nämlich in einem Pool und können beliebig ein- und ausgebaut werden. Konkret heißt das, dass die Ingenieure in Brackley gerade fieberhaft daran arbeiten, den nach Silverstone aus dem Verkehr gezogenen Antonelli-Motor und den in Ungarn leckgeschlagenen Russell-Motor wieder fit zu bekommen. Gelingt das, hätten beide Fahrer noch je zwei recht neue Motoren für 12 Rennen. Das könnte machbar sein.
"Es ist immer noch absolut die Hoffnung, dass wir keine brauchen", bestätigt Teamchef Toto Wolff im Hinblick auf Strafen. Besonders im Fall Russell zweifelte man in Ungarn aber schon. Der Riss sei signifikant. Und 12 Rennen sind sowieso selbst mit zwei Motoren ein weiter Weg. Dann beginnt man schon drüber nachzudenken, wo ein gutes Rennen wäre, um von weiter hinten loszufahren.
Motor-Strafe in Monza zum Entlasten von Kimi Antonelli?
Monza bietet sich an, bestätigt Wolff. Der Mercedes ist deutlich schneller als das Mittelfeld, und sollte auf so einem Highspeed-Kurs mit den vielen Geraden recht schnell zu Rennbeginn viele Plätze gutmachen können. Das Problem mit Monza ist nur, dass es das Heimrennen des WM-Führenden Kimi Antonelli ist: "Es könnte für Kimi sehr besonders sein."
Aber vielleicht wäre es gerade deshalb keine so schlechte Idee, überlegt Wolff: "Wir nehmen den Druck weg, starten in Monza von ganz hinten." Antonellis bisherige Auftritte vor Heimpublikum endeten schließlich mit Ausfällen, Unfällen, Kiesbett-Besuchen, Q2-Eliminationen. Aber dieses Jahr scheint Antonelli bislang für Druck nicht mehr so empfänglich, nachdem er im Vorjahr noch den bei Heimrennen stets um zusätzliche Presse-, Fan- und Marketing-Termine erweiterten Zeitplan nicht gut im Griff gehabt hatte.
"Ich muss mit Marco sprechen, ob wir in Monza eine Strafe nehmen wollen", grinst Wolff in Richtung Marco Antonelli, den Vater des WM-Führenden. Natürlich nicht ganz im Ernst - sicher werden die sportlichen Umstände die Hauptrolle in der Entscheidung spielen. Potenziell kann das Team die Strafen auch minimieren. Tauscht man nur eine Komponente, käme man mit 10 Strafplätzen davon, anstatt gleich ans Ende der Startaufstellung zu müssen.
Gerade bei Antonelli ist das denkbar, da er bei Turbo und MGU-K noch Puffer hat. Klar, auch mit Batterie und Kontrolleinheit, aber diese Teile verschleißen üblicherweise kaum und sollten bis zum Finale verwendet werden können. Für Russell, der bei Verbrenner und Turbo bereits am Limit ist und bei dem die Teile in Ungarn offenbar auch einen physischen Schaden erlitten, wird die Luft da insgesamt deutlich dünner.
| Teil | Fahrer | Teile | Rennen bis nächstem Wechsel |
|---|---|---|---|
| Verbrenner | Russell | 1: Australien | 3 |
| 2: Miami | 4 | ||
| 3: Österreich | 3 | ||
| 4. Ungarn | Neuester | ||
| Antonelli | 1. Australien | 3 | |
| 2: Miami | 4 | ||
| 3: Österreich | 2 | ||
| 4. Belgien | Neuester | ||
| Turbo | Russell | 1. Australien | 3 |
| 2. Miami | 4 | ||
| 3. Österreich | 3 | ||
| 4. Ungarn | Neuester | ||
| Antonelli | 1. Australien | 3 | |
| 2. Miami | 4 | ||
| 3. Österreich | Neuester | ||
| 4 | noch nicht verbaut | ||
| MGU-K | Russell | 1. Australien | 5 |
| 2. Monaco | Neueste | ||
| 3 | noch nicht verbaut | ||
| Antonelli | 1. Australien | 9 | |
| 2. Belgien | Neueste | ||
| 3 | noch nicht verbaut | ||
| EXH | Russell | 1: Australien | 3 |
| 2: Miami | 4 | ||
| 3: Österreich | 3 | ||
| 4 | noch nicht verbaut | ||
| Antonelli | 1. Australien | 3 | |
| 2: Miami | 4 | ||
| 3: Österreich | 2 | ||
| 4. Belgien | Neuester | ||
| ES | Russell | 1. Australien | 0 |
| 2. Australien | 8 | ||
| 3. Österreich | Neueste | ||
| Antonelli | 1. Australien | 3 | |
| 2. Miami | 4 | ||
| 3. Österreich | 3 | ||
| CE | Russell | 1. Australien | 0 |
| 2. Australien | 8 | ||
| 3. Österreich | Neueste | ||
| Antonelli | 1. Australien | 3 | |
| 2. Miami | 4 | ||
| 3. Österreich | 3 | ||
| ANC | Russell | 1. Australien | 0 |
| 2. Australien | 3 | ||
| 3. Miami | 2 | ||
| 4. Monaco | 3 | ||
| 5. Österreich | Neueste | ||
| 6 | noch nicht verbaut | ||
| Antonelli | 1. Australien | 0 | |
| 2. Australien | 3 | ||
| 3. Miami | 2 | ||
| 4. Österreich | 3 | ||
| 5. Belgien | Neueste | ||
| 6 | noch nicht verbaut |



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