Nach seinem bitteren Ausfall beim Großen Preis von Kanada fehlten George Russell bei den ersten TV-Interviews sichtlich die Worte. Die Frustration stand dem Formel-1-Piloten ins Gesicht geschrieben. Wie Mercedes-Technikchef James Allison kürzlich verriet, führte ein Motorschaden, verursacht durch einen Ausfall an der Batterie zum vorzeitigen Aus in Runde 30. "Wir konnten am Ende sehen, dass die Batterie ziemlich beansprucht war und einen Hitzeschaden hatte", erklärte Allison.
Defekte Batterie muss per Schiff nach England
De facto war der Schaden an der Batterie so gravierend, dass die beschädigte Komponente nicht per Flugzeug transportiert werden kann. Stattdessen muss sie den langen Seeweg per Schiff von Kanada zu Mercedes AMG High Performance Powertrains nach Brixworth, Northamptonshire antreten. Das bedeutet für das Team: Die Ingenieure können wohl erst in ein paar Monaten eine tiefgreifende Analyse vornehmen, um die exakte Ursache für den Hitzeschaden herauszufinden.
George Russell sieht darin zwar eine Geduldsprobe, hat aber volles Vertrauen in die Mannschaft. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Fährfahrt aus Kanada die kürzeste Reise ist. Es wird also ein paar Monate dauern, bis die Batterie zurück ist. Aber Brixworth ist seit 15, 20 Jahren das Beste, was es in diesem Geschäft gibt. Also werden wir das in den Griff bekommen." Gleichzeitig beruhigte er alle Mercedes-Fans, die eventuell eine Startplatz-Strafe für die kommenden Rennen befürchten.
"Ja, der Schaden ist groß, aber es ist nichts, wofür wir eine Grid-Strafe bekommen sollten und nichts, was uns künftig Performance kosten sollte", stellte der Mercedes-Pilot klar in seiner Medienrunde am Donnerstag klar. Er selbst hat Montreal längst abgehakt und kann dem Rennwochenende trotz allem viel Positives abgewinnen. "Ich stand in beiden Qualifyings auf der Pole-Position, habe den Sprint gewonnen, das Hauptrennen angeführt und hatte einen guten Kampf mit Kimi. Vor dem Ausfall lag ich in Führung", so Russell.
Seiner Ansicht nach hätte er in Kanada nichts besser machen können. "Deshalb habe ich letztlich alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte. Der Rest gehört einfach zum Motorsport dazu", zeigte er sich pragmatisch. Der Brite war extrem stark in die aktuelle Saison 2026 gestartet - Sieg beim Großen Preis von Australien und Sieg im Sprint von China. Doch seitdem klebt ihm das Pech ein wenig an den Fersen. Im China-Qualifying hatte er mit einer Reihe technischer Probleme zu kämpfen, und in Japan wurde seine Strategie komplett über den Haufen geworfen, weil er unglücklich kurz vor einer Safety-Car-Phase an die Box kam.
Pech gehört in der Formel 1 dazu
Russell ist jedoch lang genug im F1-Geschäft, um zu wissen, dass solche Pechsträhnen ganz normal sind. "Wenn man sich die Titelgewinne irgendeines Fahrers in der Formel 1 oder einer anderen Rennserie anschaut, dann hat meines Erachtens noch nie jemand eine Meisterschaft gewonnen, ohne irgendwann Pech zu haben." Beispiele dafür gäbe es aus der jüngeren Vergangenheit schließlich zuhauf - wie der dramatische Ausfall von Lando Norris in Zandvoort 2025 oder der Reifenschaden von Max Verstappen in Baku 2021.
"Solche Dinge sind im Motorsport schon immer passiert. Ich glaube nicht, dass Kimi am Ende der Saison hier stehen und sagen wird, dass er kein einziges Mal Pech hatte. So läuft dieses Spiel nun einmal. Und ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen", stellte Russell klar. Vor dem Monaco GP liegt er in der Fahrerwertung mit 43 Punkten Rückstand hinter Mercedes-Teamkollege Kimi Antonelli auf Rang zwei.



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