Ferrari wird seiner Favoritenrolle beim Monaco GP 2026 gerecht. Mit 1:13,978 Minuten fuhr Lokalmatador Charles Leclerc die deutliche Bestzeit im 1. Freien Training auf dem engsten und kürzesten Kurs der Formel 1. Isack Hadjar sorgte für den ersten großen Karbonschrott des Wochenendes (siehe Abschnitt Zwischenfälle), Audi für eine kleine Überraschung.

Das Ergebnis: Bis auf Cadillac nutzte noch kein Team die in Monaco so kostbaren Soft-Reifen. Die Bestzeiten wurden sonst allesamt auf den Medium-Pneus erzielt. Darauf war Charles Leclerc gut zwei Zehntelsekunden schneller als Teamkollege Lewis Hamilton. Max Verstappen fehlte als erstem Ferrari-Verfolger schon eine halbe Sekunde.

Erst dahinter sortierte sich das bislang so dominante Mercdedes-Duo Kimi Antonelli und George Russell ein. Während Antonelli nur wenige Tausendstel hinter Verstappen landete, musste Russell schon deutlich abreißen lassen. Dem Briten fehlte eine Sekunde auf die Leclerc-Bestzeit. Weltmeister Lando Norris sortierte sich auf Rang sechs ein.

Dahinter sorgte Nico Hülkenberg für eine Überraschung. Der Audi-Pilot beendete das Training auf Rang sieben noch vor Oscar Piastri im zweiten McLaren. Gabriel Bortoleto bestätigte die starke Audi-Form auf Platz neun. Pierre Gasly komplettierte die Top-10.

Die Zwischenfälle: Schon nach wenigen Sekunden gab es die erste kleine Schrecksekunde für Leclerc. Der Ferrari-Pilot fand sich nach einem Verbremser auf seiner Outlap in der neu asphaltierten Auslaufzone von Mirabeau wieder. Dank Rückwärtsgang ging es für ihn schnell wieder zurück auf die Strecke, später im Training unterlief ihm der gleiche Fehler noch einmal. Teamkollege Lewis Hamilton machte sich hingegen mit der Auslaufzone von Ste. Devote vertraut. Er vertraute nicht auf den Rückwärtsgang, sondern regelte es mit einem eleganten 180.

Wie üblich gab es im engen Fürstentum reichlich Probleme mit dem Verkehr. 22 Autos auf 3,337 Kilometer Asphalt sorgten für zahlreiche kleine Zwischenfälle. Die Haas-Piloten standen sich dabei gegenseitig im Weg. "Er muss meine Runde nicht zweimal ruinieren", beschwerte sich Esteban Ocon über seinen Teamkollegen. Ollie Bearman entgegnete direkt am Funk: "Was für ein Idiot!"

Nach 35 Minuten fanden die Leitplanken des Monaco Circuits ihr erstes Opfer. Isack Hadjar verlor in der Rechtskurve der zweiten Schwimmbad-Schikane das Heck. Der Dreher endete mit reichlich Schaden: Zuerst schlug der Red Bull mit der Nase in die Tecpro-Barriere ein. Weil das Auto noch rotierte, schlug es anschließend noch mit der gesamten linken Seite und dem Heck ein.

Hadjar blieb beim Unfall unverletzt, wusste aber nicht so recht, wie um ihn geschehen war. "Ich verstehe nicht, warum das Heck so ausgebrochen ist", funkte er aus seinem havarierten Boliden. Der Franzose ließ beim Einlenken reichlich Platz zur Leitplanke, möglicherweise fuhr er dadurch etwas neben der Ideallinie und verlor deshalb Grip. Die Session musste für die Aufräumarbeiten rund zehn Minuten unterbrochen werden.

Drei Minuten vor dem Ende des Trainings war die Zeitenjagd endgültig beendet. Fernando Alonso hatte beim Anbremsen auf die Hafenschikane auf der bekannten Bodenwelle das Heck verloren. Der Aston Martin bog nach rechts in Richtung Leitplanke ab und schlug glücklicherweise nur leicht mit dem Frontflügel ein. Alonso konnte mit dem leicht beschädigten Auto zurück an die Box fahren, Trümmerteile sorgten aber für eine kurze Unterbrechung.

Die Technik: Monaco bringt traditionell die größten Flügel des Jahres hervor. In diesem Jahr gibt es einige sehr spezielle Konstruktionen zu bewundern, weil es keine einzige Straight-Mode-Aktivierungszone gibt. Viele Teams nutzen die Gelegenheit, um an Stelle der Heckflügel-Aktuatoren Zusatz-Flügel zu installieren. Besonders spektakulär ist der Aufbau bei Mercedes, wo gleich acht kleine Extra-Elemente angebracht wurden.

Flügel-Wahnsinn in Monaco: Mercedes radikal! Ferrari Favorit? (09:49 Min.)

Speziell für Monaco bringen die Teams auch Anpassungen an ihren Vorderradaufhängungen. Die Fairmont-Haarnadel, die langsamste und engste Kurve im gesamten Formel-1-Kalender, erfordert einen größeren Lenkeinschlag. Auch die Racing Bulls brachten dafür spezielle Teile, hatten aber trotzdem größte Mühe, um die Kurve zu kommen.

Das Wetter: Trotz dichter Wolken vor dem Training blieb es trocken. Angenehme 24 Grad Celsius wurden gemessen, die Asphalttemperatur stieg während der Session auf rund 40 Grad. Das restliche Wochenende werden ähnliche Bedingungen erwartet.