Mercedes hatte es sich vor dieser Formel-1-Saison zur Aufgabe gemacht, einen Schutzschirm um den als Super-Rookie angepriesenen Neuling Kimi Antonelli aufzubauen. Teamchef Toto Wolf hatte zu Beginn des Jahres angekündigt, dem damals noch 18-Jährigen Italiener Fehler zu verzeihen und Druck von seinen Schultern zu nehmen.
Nach zwei Drittel der F1-Saison ist die Ausbeute von Antonelli aber mehr als mager. Obwohl der Italien-GP punktemäßig sein bisher bestes Rennen in Europa war, gab es auch dort im Rennen wenig positive Aspekte für Antonelli, der weit hinter Teamkollege George Russell ins Ziel kam und dabei auch noch eine Strafe kassierte.
Wolff, der seit Saisonbeginn Antonelli regelmäßig unter Schutz nahm, äußerte deshalb nach dem Rennen in Monza erstmals deutliche Kritik an seinem Fahrer. "Dieses Wochenende war enttäuschend", urteilte Wolff deutlich. "Man kann nicht das Auto im Kiesbett versenken und dann erwarten, dass man dabei ist, und das ganze Rennen war enttäuschend", erklärte er.
"Das ändert nichts an meiner Unterstützung und mein Vertrauen in seine Zukunft, denn ich glaube dass er ein sehr sehr guter Fahrer werden wird. Aber heute war es enttäuschend", federte Wolff seine Kritik etwas ab. Im Qualifying schien sich Antonelli noch gut von seinem FP2-Ausrutscher erholt zu haben, er sortierte sich nur wenige Hundertstel hinter Russell ein. Doch im Rennen war davon nichts mehr zu sehen, was Antonelli auf seine verpassten Longruns in eben jener Trainingssession zurückführte.
Zu viel Ballast im Kopf: So erklärt Toto Wolff die Formel-1-Misere von Antonelli
Wolff glaubt die Ursache zu kennen, welche für die schwachen Vorstellungen des Youngsters in den letzten Monaten verantwortlich ist. Antonelli brauche ein sauberes Wochenende. Aber ein sauberes Wochenende nicht nur im herkömmlichen Sinne, dass ihm auf der Strecke keine Fehler unterlaufen, wie der Wiener erklärte: "Ein sauberes Wochenende bedeutet auch, dass man seine Traumata von vorherigen Fehlern nicht in die nächste Session oder in das nächste Wochenende mitnimmt."
"Das ist nur Gepäck. Und wegen diesem attackiert man die nächste Kurve nicht so hart, da man dort zuvor einmal von der Strecke abgekommen ist und das eine Session beendet hat. Oder vielleicht attackiert man einen Fahrer nicht mehr so, wie man es sollte", so Wolff.
Wolff kritisiert: Kimi sollte nicht eine Sekunde gegen Gasly verlieren
Nachdem Antonelli am vergangenen Formel-1-Wochenende in Zandvoort mit einem Fahrfehler Charles Leclerc aus dem Rennen genommen hatte, glaubt der Mercedes-Teamboss während dem Italien-GP eine übermäßige Vorsicht in Zweikämpfen ausgemacht zu haben. Ein Beispiel nannte er: "Zum Beispiel Gasly. Kimi sollte nicht eine Sekunde mit Gasly verlieren."
Im Rennen von Monza benötige Antonelli über eine Runde, ehe er an dem Franzosen vorbeikam, der im unterlegenen Alpine einerseits eine deutlich schwächere Pace zeigte als der Mercedes, und andererseits zu diesem Zeitpunkt noch auf seinen Startreifen unterwegs war. Antonelli hingegen hatte frische Hards oben. Nach zwei zögerlichen Überholversuchen kam er erst in Runde 38 in Kurve 4 vorbei.
Das trug seinen Teil dazu bei, dass Antonelli schließlich im zweiten Stint noch von Alex Albon überholt wurde und nur auf P8 die Ziellinie überquerte. Zu allem Überfluss kassierte er für ein Manöver im Kampf gegen den Williams-Fahrer auch noch eine Strafe, die ihn im Ziel eine weitere Position kostete.
Nach gerade einmal drei Punkten aus den letzten sechs Rennen – zum Vergleich: Teamkollege George Russell sammelte im selben Zeitraum deren 58 – stellt sich nun die große Gretchenfrage: Wie will Mercedes den Formel-2-Aufsteiger aus diesem sportlichen Tal hieven? Toto Wolff nennt einen Weg: "Indem wir mit ihm reden."
Europa-Saison endlich vorbei: Kommt Antonelli wieder in die Übersee-Form?
"Er ist ein großartiger Fahrer, mit unnatürlichen Fähigkeiten und Talent, und er ist ein Racer. Das ist alles da, aber wir müssen den Ballast loswerden", so Wolff. Vielleicht hilft es Antonelli dabei, dass die Europa-Saison der Königsklasse mit dem Italien-GP nun vorbei ist. Immerhin hatte er bei den Übersee-Rennen zu Saisonbeginn und in Kanada noch passable bis gute Ergebnisse geliefert. In Miami war er sogar der schnellere Mercedes-Fahrer gewesen.
Doch seit dem Europa-Auftakt in Imola kam das einzige Top-8-Resultat ausgerechnet beim Nordamerika-Ausflug der Formel 1 in Montreal. Auf eine Rückkehr seiner Übersee-Form in Aserbaidschan hofft auch Antonelli selbst: "Die Europa-Saison war sehr schwierig und nicht ideal. Hoffentlich können wir wieder in denselben Trend kommen, wie zum Start der Saison. Darauf bin ich sehr gespannt, ich bin ehrlicherweise sehr glücklich, dass dieser Teil der Saison beendet ist."
Das Top-Thema in Monza ist das Drama um die McLaren-Stallorder. Was rechtfertigt sich Teamchef Andrea Stella? Die Antwort gibt es hier:



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