Die ersten drei Formel-1-Saisonrennen 2026 haben eine durchaus überraschend Konstellation ergeben. Anstelle des von vielen erwarteten Solos von George Russell führt nun Andrea Kimi Antonelli die Weltmeisterschaft an. Der Mercedes-Youngster, dessen Supertalent-Image in seiner Rookiesaison den ein oder anderen Kratzer abbekommen hatte, liegt in der Meisterschaft neun Zähler voran und gewann die letzten beiden Rennen.

Schnell flammen deshalb vor allem in Italien die Hoffnungen auf, dass ihr erster WM-Führender seit Alberto Ascari 1953 die Nation mit dem ersten WM-Titel seit ebenjener Saison erlösen kann. Doch F1-Experte Christian Danner zweifelt im AvD Motorsport Magazin daran, ob dieser Erfolgslauf auch über das gesamte Jahr anhalten wird. Nicht aufgrund des Talents von Antonelli, sondern aufgrund zweier anderer Faktoren.

George Russell unter Druck? Danner: Pech, Pleiten und Fehler (05:20 Min.)

Formel-1-Titelkampf gegen Teamkollegen: Droht Antonelli das Piastri-Szenario?

Der erste Punkt, den Danner nennt, ist die vergangene Formel-1-Saison. Das Schema, welches sich 2026 abzeichnet, erinnert den Bayern stark an das Vorjahr, als Lando Norris und Oscar Piastri in ein teaminternes Duell verwickelt waren und der Australier lange wie der aussichtsreichere Titelkandidat aussah.

Antonelli weckt bei ihm Erinnerungen an Piastri. "Er hat die Unbefangenheit und die Befreitheit seiner Jugend und offensichtlich das Talent und im Moment kann er das wunderbar umsetzen, außer beim Start", huldigt Danner zunächst einmal den Italiener. Doch genau diese Lässigkeit muss nicht von Dauer sein. "Wir haben ja im Fall von Piastri gesehen. [Ihm ist] diese jugendliche Unbefangenheit vergangen und das war dann auch zu sehen."

"Solange er gewonnen hat, war alles super und Lando hatte Riesenschwierigkeiten. Aber das hat sich dann gedreht und gegen Ende des Jahres stand er dann schon manchmal wie ein begossener Pudel in der Landschaft", denkt Danner zurück. Erleben wir 2026 dasselbe Szenario, wenn Antonelli irgendwann mit der WM vor Augen den Druck spürt oder er aufgrund von anderen Umständen mal aus seinem Erfolgslauf gerissen wird?

"Das sind alles Dinge, die sich über eine Saison ausnivellieren", ist Danner überzeugt. Eine Stütze ist das Team, welches rund um Teamchef Toto Wolff den 19-Jährigen bewusst schützt, aber die komplette Last einer Nation kann man ihm dennoch kaum abnehmen. Vor allem nicht einer solch motorsportverrückten Nation wie Italien.

"Um George Russell müssen wir uns keine Sorgen machen"

Doch dann ist da noch der zweite Punkt, warum Danner vor einem zu großen Antonelli-Hype warnt und dieser hört auf den Namen George Russell. Diesen will der ehemalige F1-Fahrer noch lange nicht abschreiben, vor allem weil er für sein kleines Tief durchaus Begründungen vorbringen kann. "Ich glaube, wir müssen uns um George Russell im Moment zumindest noch keine Sorgen machen", so Danner.

"Da waren klassische Rennpech-Dinge [dabei]", lautet sein Fazit. Dabei spielt Danner auf das unglückliche Timing des Safety Cars für Russell beim Japan-GP an, als auch an ein unvorhergesehenes Super-Clipping, welches Russell aufgrund eines Knopfdrucks unabsichtlich ausgelöst hatte, und das ihm die Position gegen Charles Leclerc kostete. "Das war eine Mischung aus Pleiten, Pech und natürlich auch dem ein oder anderen Fahrfehler. Dazu kam, dass er beim Setup danebengelegen hat. Das kann jedem passieren", schiebt der 36-fache Grand-Prix-Starter entschuldigend ein.

"Ich glaube nicht, dass Russell sich daraus aus der Ruhe bringen lässt", sagt Danner. "Solange er versteht, was passiert. Solange er weiß, was er zu leisten imstande ist, und wo er die Zeit verliert, dann glaube ich nicht, dass er auf einmal Antidepressiva braucht und das Fahren auf einer tieferen Stufe weiterführen wird", so seine Einschätzung.