Nach den ersten drei Formel-1-Rennen 2026 ist Red Bull im Nirgendwo. WM-Sechster, noch hinter Haas und Alpine und nur zwei Punkte vor den Racing Bulls, und Max Verstappens neunter Platz in der Fahrer-WM liest sich nicht besser. Experte Christian Danner fürchtet nun einen Rückfall in alte Muster, die schon im Vorjahr Probleme bereiteten.

"Man muss ja dem Verstappen nur zuschauen, wie er da fährt, da würde ich sagen 80 Prozent Chassis und 20 Prozent Motor", fällt Danner im 'AvD Motorsport Magazin' ein klares Urteil darüber, wo die Defizite bei Red Bull primär angesiedelt sind. Das komplette 'AvD Motorsport Magazin' gibt es hier im Video:

Muss die FIA die Regeln ändern? Danner: Wahnsinnig gefährlich! (33:09 Min.)

Für Danner ist da nicht nur Verstappens Feedback entscheidend: "Ich lese und höre auch gerne hinein, was Herr Hadjar zu sagen hat, ein meiner Ansicht nach ganz begnadeter, hochintelligenter junger Mann, und der sagt schon ziemlich klar, das geht jetzt in Richtung unfahrbar."

Während der von der Formel 1 aktuell generell deprimierte Verstappen am Japan-Wochenende gar nicht mehr so lautstark über das Auto klagte, war Isack Hadjar nach dem Qualifying unmissverständlich gewesen. Schwierig zu fahren und langsam, jede Setup-Änderung ergibt keinen Sinn, und selbst wenn man nichts ändert, fällt das Auto manchmal einfach so aus dem Arbeitsfenster: "Wir haben einfach keinen Anpressdruck. Es geht in die eine Richtung und dann ganz schnell in die andere."

Red Bulls 2026er-Probleme erzeugen bei Christian Danner 2025er-Flashback

"Also Aerodynamik in erster Linie, das Auto hat keine vernünftige Balance, und wie so oft bei Red Bull, wenn man hin und her baut ist man einmal in dem Extrem, einmal in jenem Extrem, und da den Sweetspot zu treffen ist ganz offensichtlich immer noch im Moment unmöglich", fühlt sich Danner da gleich unangenehm an die letzten Jahre erinnert.

Da hatte es eigentlich schon Tradition, dass das Auto mindestens drei Trainings brauchte, um ein zumindest für Verstappen fahrbares Setup zu finden, und selbst dann war Verstappen oft unzufrieden. Die meisten Updates brachten in den Jahren 2024 und 2025 kaum Linderung. Der Aufschwung mit den letzten neuen Teilen am Ende von 2025 - als die Konkurrenz schon längst ihre Autos nicht mehr entwickelte - scheint sich nun als trügerisch herauszustellen.

Für Danner zeigt die Wiederholung der Geschichte 2026 ein Problem auf, vor dem er schon vor Monaten gewarnt hatte: "Die Erklärung liegt natürlich immer an den Leuten, die dieses Konzept des Autos zu verantworten haben. Und wir haben ja im vergangenen Jahr schon über Pierre Wache gesprochen, und der hat ja gesagt, er baut das Auto, was die maximalen Werte hat. Den Rest müssen dann Fahrer und Track Engineer hinkriegen."

Christian Danner zu Red Bull: Das geht in Richtung unfahrbar (02:31 Min.)

Schafft Red Bull 2026 zeitnah erneut die Wende

Schon im Juli 2026 hatte Danner genau dieses Herangehen von Red-Bull-Cheftechniker Pierre Wache angezweifelt. Eine Abkehr von Fahrer-Feedback, wie es unter der vorangegangenen Red-Bull-Ära von Adrian Newey eigentlich großgeschrieben wurde. Danach schaffte Red Bull zwar eben den temporären Aufschwung, aber dann wieder den Rückschritt.

"Ich glaube, wenn man ein neues Reglement hat, ist man natürlich unter Umständen weiter weg von dem Bereich, der in Richtung Fahrbarkeit geht", analysiert Danner da, warum es für 2026 wieder schlimmer wurde. "Jetzt sind die Ingenieure gefragt, erst mal wieder Analyse, dann wird weiterentwickelt. Genug Zeit haben wir ja jetzt."

Auch von Red Bull selbst hörte man in den letzten Wochen eindeutig, dass die Problematik vor allem auf das Chassis zurückzuführen sei. In Sachen Performance wähnte sich Teamchef Laurent Mekies nach Japan eigentlich genau dort, wo man seit Saisonstart ist: "Eine Sekunde weg vom besten Auto. Eine halbe Sekunde weg von Ferrari. Und McLaren ist jetzt auf deren Level. Wir sind abgeschlagene Vierte."

Eine reine Frage von Updates sei es auch nicht, so Mekies, sondern gleichzeitig auch eine Verständnisfrage: "Ich sage nicht, dass es Setup ist, aber da gibt es was an diesem Auto, was zu unserem grundsätzlichen Performance-Defizit addiert. Diese komplexen Probleme zu lösen ist unser Hauptgeschäft. So schlimm es sich gerade auch anfühlt, dafür sind wir hier. Probleme finden und Entwicklungen bringen, um es abzufedern."