Andrea Kimi Antonelli gewann am vergangenen Sonntag in China sein erstes Formel-1-Rennen von der Pole Position und darf mit dem überlegenen Mercedes von einer Chance auf den WM-Titel träumen. Bereits jetzt hat der als Supertalent gefeierte Italiener damit Historisches erreicht: Er ist der jüngste Polesetter und zweitjüngste F1-Sieger der Geschichte.

Nur Verstappen konnte in noch jüngerem Alter ein Rennen gewinnen. Vergleiche mit den Größen des Rennsports verfolgen ihn quasi automatisch schon seit seiner Einberufung ins Mercedes-Cockpit 2025, nach dem Grand Prix in Shanghai wurden diese nicht weniger. Direkt nach dem Rennen in China legte noch mal jemand einen derartigen Vergleich nach, der das Fahrtalent von Antonelli besser kennt als kaum ein anderer.

Das hat Antonelli von Schumacher und Hamilton: Formel-1-Renningenieur erklärt

Dabei handelt es sich um seinen Renningenieur Peter Bonnington, der nach dem Sieg des Italieners bei Sky UK zu Gast war. Bonnington holte aus: "Ich habe vor Jahren einmal ein Buch über die 10.000-Stunden-Regel gelesen, deshalb dachte ich lange, dass wir alle mit ausreichend Training gut genug werden können. Und dann habe ich Leute wie Michael [Schumacher] und Lewis [Hamilton] getroffen. Und dann realisiert man, dass dem nicht so ist."

"Da ist dieser Extraschritt, diese zusätzlichen ein bis zwei Zehntel, und das ist es, was auch Kimi hat", ist 'Bono' überzeugt. Bonnington kann einen direkten Vergleich zwischen den drei genannten Fahrern anstellen. Als Funkpartner von Lewis Hamilton erreichte er geradezu Kultstatus und vor dem Briten hatte er auch am Funk von Michael Schumacher in dessen Zeit bei Mercedes das Sagen.

Deshalb beruht dieser Vergleich nicht nur auf Bauchgefühl, sondern auf Daten. "Man sieht es oft in den Daten, in den Balancekurven, die wir uns anschauen", erklärt der F1-Routinier, der seit 2004 in der Königsklasse tätig ist. "Wenn man sich diese anschaut, kann man sich oft nicht erklären, wie er ein Auto fahren kann, das so neutral ist, er dabei alles im Griff behält, die Temperaturen unter Kontrolle behält und das Ding trotzdem bereit ist, sich um die eigene Achse zu drehen", staunt Bonnington.

Ein weiterer Punkt, der ihn an diesem Schlag von Fahrern begeistert, ist das punktgenaue Feedback, das sie übermitteln: "Sie kommen immer mit Feedback, bei dem man feststellt, dass sie sich an so viele Sachen anpassen können. Sehr selten kommen sie zurück und fordern, dass man das Auto auf den Kopf stellt. Sie sind sehr anpassungsfähig."

Wie sehr dieses Vorgehen Hamilton, Schumacher und Antonelli von anderen Fahrern abhebt, lässt sich anhand der Aussagen von Bonnington nur schwer abschätzen. Denn der Brite hatte in seiner seit 2011 andauernden Laufbahn als Renningenieur nur diese drei direkt aufeinanderfolgenden Piloten betreut.

Wer sind aktuell die Renningenieure aller F1-Fahrer: Das könnt ihr hier nachlesen:

WM-Kandidat Antonelli? Das sagt Peter Bonnington

Bonnington ist davon überzeugt, dass er sich perfekt mit Antonelli ergänzt: "Ich bringe die Erfahrung mit, er bringt seine Jugendlichkeit. Deshalb arbeiten wir etwas anders und ich lehre ihn irgendwie und nimm ihn Schritt für Schritt in diesen Prozess mit, um ein Weltmeister zu werden. Den ersten Schritt hat er gerade abgehakt."

Ob Antonelli das finale Ziel in der Formel 1 auch schon 2026 abhaken kann? Stand jetzt sieht alles danach aus, als ob er zumindest der einzige Pilot ist, der über das notwendige Material verfügt, um George Russell herauszufordern. Teamchef Toto Wolff gab sich nach dem China-GP trotzdem vorsichtig und glaubt, dass der Italiener in seinem Reifeprozess noch nicht fortgeschritten genug ist, um es mit Russell aufzunehmen. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen:

Bonnington, der mit Hamilton sechs WM-Titel einfuhr, hielt sich bei der Frage danach allgemein, trat aber nach dem ersten Rennsieg auf die Euphoriebremse: "So etwas braucht sehr viel Ausdauer. Ein Sieg ist eine Sache, aber eine WM zu gewinnen, das erfordert exponentiell mehr Aufwand", so Bonnington. Die beste Einstellung dazu sei, überhaupt keine Gedanken daran zu verschwenden: "Ein Schritt nach dem anderen, den Abläufen folgen und nicht zu weit vorausdenken. Wenn man alle Anforderungen erfüllt und alles in Ordnung bringt, dann kommt es von selbst."