Wutentbrannt schlug er gegen sein Lenkrad, danach gegen seinen Helm und schließlich gegen das Halo seines RB22. Kurz zuvor war Isack Hadjar in die Mauer gekracht, nachdem er den Scheitelpunkt von Kurve 14 zu eng genommen und mit dem linken Vorderrad die Begrenzung der Formel 1-Strecke touchiert hatte.
Hadjars desaströses Miami-Wochenende weckt Erinnerungen an eine altbekannte Geschichte bei Red Bull Racing: Während Max Verstappen mit einem massiv per Update-Paket aufgerüsteten Boliden wieder an der Spitze mitmischt, kämpft der zweite Fahrer mit mangelnder Pace, technischen Problemen und Fahrfehlern. Teamchef Laurent Mekies will von einem erneuten "Nummer-2-Problem" jedoch nichts wissen. "Es gibt keinen Grund zur Sorge. Wir hatten schlicht kein sauberes Wochenende", nahm Mekies seinen Fahrer in Schutz.
F1 Saison 2026: Gewinnt Verstappen wieder die Oberhand?
Doch schon im Sprint-Qualifying am Freitag zeichnete sich eine Verschärfung des internen Kräfteverhältnisses ab. Verstappen war eine volle Sekunde schneller als sein Teamkollege; auch im Qualifying für den Grand Prix nahm er Isack Hadjar acht Zehntel ab. Ein solcher Abstand zwischen den beiden Red-Bull-Piloten ist in dieser Saison bisher beispiellos.
Dennoch ist ein rein prozentualer Vergleich der Piloten aktuell mit Vorsicht zu genießen, da die Datenlage volatil bleibt. Beide leisteten sich in der laufenden Saison bereits Ausreißer nach unten: Max Verstappen patzte beim Auftakt in Australien, Hadjar nun in Miami. Erschwerend kam hinzu, dass Hadjar in Miami mit der Drehmomentabgabe seiner Power Unit zu kämpfen hatte. Auch Laurent Mekies räumte ein: "Um ehrlich zu sein, haben wir auf unserer Seite nicht alles perfekt gemacht - ohne zu tief ins Detail zu gehen. Aber man konnte sehen, dass wir an seinem Auto über weite Teile des Wochenendes ein Defizit auf den Geraden hatten."
Red Bull: Max Verstappen vs. Isack Hadjar
| Qualifying | VER | HAD |
|---|---|---|
| Duell | 2 | 2 |
| Ø Platz | 5,8 | 10,5 |
| Q3-Teilnahmen | 3 von 4 | 3 von 4 |
| Q2-Teilnahmen | 3 von 4 | 4 von 4 |
Auch Verstappen sorgte in Miami für Schlagzeilen. Hat er keinen Respekt vor dem Mittelfeld? Christian Danner hat dazu eine ganz eigene - und gewohnt deutliche - Meinung. Mehr im Video:
Zusätzlich folgte auf einen Fehler des Teams eine Disqualifikation: Die Rennkommissare stellten fest, dass die Floor Boards am Boliden mit der Startnummer 6 um 2 mm aus dem vorgeschriebenen Referenzrahmen herausragten - ein Verstoß gegen das Technische Reglement. Die Folge: Disqualifikation und Start vom Ende des Feldes. Hadjar selbst gibt sich trotz der Miami-Klatsche kämpferisch: "Ich habe zum ersten Mal solche Probleme mit meinem Tempo. Das ist neu für mich. Aber ich werde hart an mir arbeiten, denn ich will kein zweites Wochenende wie dieses erleben."
Red Bull macht einen Riesensprung
Auch Mekies ist überzeugt, dass der Rückschlag keine Narben hinterlässt: "Alles deutet darauf hin, dass wir in Montreal wieder die Pace haben werden." Die generelle Performance des RB22 in Miami stimmt die Mannschaft optimistisch. "Dass wir am Freitag nur sechs Zehntel und am Samstag weniger als zwei Zehntel von der Pole entfernt waren, ist ein starkes Zeichen für unseren Fortschritt. Welche Zahl nun die ‚richtige‘ ist, wissen wir nicht genau. Aber verglichen mit unserer Ausgangslage ist das deutlich besser als alles, was wir in diesem Jahr bisher zeigen konnten", erklärte Mekies.
Veränderung der Race Pace nach der April-Pause:
- Race Pace (Australien bis Japan): 1,26 Sekunden Rückstand auf Mercedes
- Race Pace (Miami): 0,34 Sekunden Rückstand auf Mercedes
- Delta: -0,92 Sekunden (Verbesserung)
- Anzahl der Updates in Miami: 7
Tatsächlich ist Red Bull das Team mit dem größten Sprung im Feld: Im Vergleich zu den ersten drei Rennen gewann der RB22 0,92 Sekunden pro Runde. Selbst nach Bereinigung um die Streckencharakteristik bleibt ein satter Fortschritt von 0,7 Sekunden bestehen. War das Team aus Milton Keynes zuvor maximal vierte Kraft, kämpfte Verstappen in Miami plötzlich wieder um die erste Startreihe. Trotzdem drückt Mekies auf die Euphoriebremse: "Wir haben noch längst nicht alle Probleme gelöst. Es steckt noch mehr Potenzial in unserem Paket, das wir erst noch freilegen müssen."



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