"Er denkt, er kann alles machen, was er will, nur weil er im Mittelfeld unterwegs ist", wetterte Carlos Sainz über Max Verstappen in Miami. Nach seinem Dreher am Start musste sich Verstappen von Platz neun durch das Feld pflügen. Dabei ging er an Sainz in Kurve 17 besonders aggressiv vorbei. Er bremste so spät, dass er die Kurve selbst kaum noch kriegte - Sainz musste weit gehen und verlor prompt eine weitere Position an Alex Albon.
"Das war ein verrücktes Manöver - nach dem Motto: Wir sind im Mittelfeld, wir müssen Platz machen", kritisierte Sainz. Formel-1-Experte Christian Danner kann über den Vorwurf des mangelnden Respekts gegenüber dem Mittelfeld nur schmunzeln. "Entschuldigung, aber das ist Max Verstappen. Er fährt so. Das können alle bestätigen, die gegen ihn gefahren sind, egal ob sie Erster oder Letzter waren", stellte Danner im AvD Motorsport-Magazin klar.
Danner vergleicht Verstappen mit Vettel
Dass es sich um eine klassische Divebomb seitens Verstappen handelte, will Danner nicht beschönigen, sieht darin aber die Qualität eines Champions. "Wie er durch das Feld gepflügt ist, das hätte er vielleicht eleganter machen können. Aber es war unterhaltsam. Diese Kompromisslosigkeit unterscheidet einen Weltmeister vom Rest. Ein Sebastian Vettel fuhr auch nicht anders", meinte Danner. Und Max Verstappen beherrscht die Kunst wie kein anderer, das Auto auf der Innenbahn so spät zu verzögern, dass der Gegner gezwungen ist, die Tür offen zu lassen.
In unserem Fahrer-Ranking schnitt Verstappen mit einer Note 3,33 ab. Mehr zu Verstappen und die anderen Noten gibt's hier:
Top-3 der folgenreichsten Divebomb-Manöver von Max Verstappen:
- Abu Dhabi 2021: In der Finalrunde stach Verstappen in Kurve 5 von weit hinten innen an Lewis Hamilton vorbei - der Grundstein für seinen ersten WM-Titel.
- Italien 2021: In Monza ging es schief. Beim Versuch, sich in der Schikane innen neben Hamilton zu setzen, ließen sich beide keinen Platz. Das Ergebnis: Der Red Bull landete auf dem Mercedes.
- Österreich 2019: In Runde 69 drängte er Charles Leclerc in Kurve 3 beim Überholen leicht von der Strecke. Die Stewards entschieden auf Racing Incident – der Sieg ging an Verstappen.
Nach Miami GP: Danner verteidigt Stewards
In Miami blieb Verstappens Manöver gegen Sainz ungeahndet. "Ganz ehrlich? Da waren schon ein paar harte Ecken dabei, aber war das cool? Ja! Es ist immer wieder dieselbe Problematik – es ist schwierig, das richtige Händchen zu haben. Wo greife ich ein, bis wohin lasse ich den Fahrer gehen?", verteidigte Danner die Entscheidung der Stewards. Statt für seine aggressive Fahrweise kassierte Verstappen eine 5-Sekunden-Strafe für das Überfahren der weißen Linie am Boxenausgang. Ein No-Go in der Formel 1.
Jedoch fiel das Urteil erst viereinhalb Stunden nach Rennende. "Dass die Stewards das Material nicht sofort zur Verfügung hatten, da muss man nachhaken. Das geht eigentlich nicht", kritisiert Danner. Dennoch zeigt er Verständnis für die Schwierigkeit der Entscheidung: Aus der klassischen T-Cam über dem Cockpit sei es oft unmöglich, die exakte Position des Reifens zur Linie zu bestimmen. "Wenn sich die Stewards Zeit nehmen, um andere Blickwinkel zu prüfen, sollten sie das im Sinne der Fairness auf jeden Fall tun - auch wenn es wahnsinnig blöd gelaufen ist."



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