Und wieder flammt sie auf: die Sehnsucht nach dem V8-Brüllen. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem nutzte den Miami Grand Prix für einen neuerlichen Vorstoß gegen die V6-Hybrid-Ära. "Am Ende des Tages ist es nur eine Frage der Zeit", erklärte der Emirati. Schon vor einem Jahr liebäugelte er damit, die Formel 1-Boliden ab 2029 mit V8-Motoren - befeuert durch nachhaltige Kraftstoffe (eFuels) - auszustatten.
Mittlerweile sieht er 2030 den richtigen Zeitpunkt gekommen. "2031 hat die FIA die Befugnis, den V8 ohne Zustimmung der Motorenhersteller einzuführen. So sehen die Statuten aus. Aber wir wollen ihn ein Jahr früher bringen - und genau das fordern jetzt alle", so der FIA-Präsident. Damit deutet Ben Sulayem an, dass der Widerstand der Hersteller bröckelt. Tatsächlich schlug Mercedes-Teamchef Toto Wolff abseits des Miami GP neue Töne an: "Wir kennen die finanziellen Realitäten der Hersteller. Aber wenn es gut geplant und umgesetzt ist, dann ist Mercedes bereit, wieder mit einem echten Rennmotor an den Start zu gehen."
Formel 1: Folgt die komplette Rolle rückwärts?
Die Rückkehr zu V8-Motoren wäre für die Formel 1 eine technologische Zäsur. Erst dieses Jahr wurde die große Regelrevolution mit einer 50:50-Leistungsverteilung zwischen Verbrenner und Elektrik eingeführt - ein Reglement, für das Mercedes als lautstärkster Verfechter galt. Entsprechend ist man auch darauf bedacht, den bisherigen Weg nicht komplett zu verlassen. "Wir lieben V8-Motoren, sie wecken großartige Erinnerungen. Es ist ein echter Mercedes-Motor: hochdrehend und emotional. Aber wir dürfen den Bezug zur Realität nicht verlieren", mahnt Wolff.
Sollte die Formel 1 in der Zukunft wieder zu 100% auf Verbrenner setzen, würde der Sport "lächerlich" aussehen. "Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir den Motor mit genügend Energie aus der Batterie kombinieren". Sein Vorschlag: statt die elektrische Energie zu reduzieren, sollte diese der integrale Bestandteil eines "Mega-Motors" sein. "Vielleicht können wir 800 PS aus dem Verbrenner holen und 400 PS oder mehr elektrisch addieren", meinte der Österreicher.

Red Bull: Keine Angst vor einem Neustart
Auch im Red-Bull-Kosmos verschließt man sich der Diskussion über eine V8-Rückkehr nicht - und das, obwohl Red Bull Powertrains Unsummen in die Entwicklung der 2026er Power Unit investierte. "Wir sehen das ziemlich entspannt", erklärte Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies. Was in so optimistisch stimmt? Trotz der enormen Komplexität der aktuellen Hybrid-Technik befindet sich das Motoren-Projekt – in Zusammenarbeit mit Ford – auf Kurs.
"Uns fehlt zwar noch etwas Performance im Vergleich zu Mercedes, aber unsere Ingenieure haben einen herausragenden Job gemacht. Genau deshalb reizt uns eine neue Aufgabe", sagte Mekies, der privat übrigens einen Ford Mustang mit standesgemäßem V8 pilotiert. Im aktuellen F1-Feld sind Fernando Alonso, Lewis Hamilton, Nico Hülkenberg, Sergio Perez und Valtteri Bottas die einzigen, die überhaupt noch Saugmotoren in der Formel 1 gefahren sind.
Die Formel 1 hadert mit ihrem aktuellen Motor und muss auch schon die Zukunft aussortieren. Die Elektro-Entscheidungen zugunsten der Hersteller werfen Fragen auf.



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