Eine halbe Ewigkeit hat George Russell auf diesen Moment gewartet, hat in einem Hinterbänkler-Williams und in einem Bouncing-Mercedes gelitten, um 2026 endlich das beste Auto der Formel 1 zu haben. Doch für den haushohen WM-Favoriten läuft nach vier Rennen überhaupt nichts nach Plan. Sein Förderer und Teamchef Toto Wolff tippt trotzdem auf ein Comeback.

Dabei war Russells Krise in den ersten Grands Prix sukzessive schlimmer geworden. Auf Siegen in Australien und im China-Sprint folgte erst ein durch einen technischen Defekt gezeichnetes Qualifying in China, welches ihm eine Pole-Chance kostete und wie eine durchaus schlüssige Ausrede schien, warum er im Grand Prix Kimi Antonelli einfach nicht abfangen konnte.

Doch die darauffolgenden Rennen zeichneten ein immer schlimmeres Bild. In Japan war Russell drei Zehntel langsamer als Antonelli im Qualifying und im Rennen nicht imstande, Oscar Piastri oder Charles Leclerc zu bezwingen. Die Ausreden-Luft wurde schon dünner, hier war es eine katastrophale Setup-Fehlentscheidung, welche das Auto zu nervös machte.

Ob der Impuls für den unnötigen Setup-Umbau kurz vor dem Qualifying von Russell oder von seinen Ingenieuren gekommen war, blieb offen. Mit Miami gesellte sich jetzt aber ein drittes Rennen in Folge dazu, bei dem Russell die guten Ausreden ausgingen. Glatte Strecken mit wenig Grip, erst recht verschlimmert durch hohe Temperaturen, würden einfach nicht zu seinem Fahrstil passen.

Mentale Gefahr für George Russell? Das sagt Toto Wolff dazu

Ein fahrstilbedingter Durchhänger liegt dann eben nur mehr in der Verantwortung des Fahrers. Die Unserie wirkt wie ein ziemlich heftiger Dämpfer für Russells Saison, erst recht so früh, und im Wissen, dass unter den nächsten 18 Rennen noch ein paar Strecken - wie etwa Mexiko oder Brasilien - kommen werden, die Russell nicht liegen.

Das kann schnell einen psychologischen Knacks provozieren. Wenn ein Rennfahrer unter Druck sich unnötig zu hinterfragen beginnt, jede Trainings-Bestzeit seines Teamkollegen überbewertet, ja, vielleicht sogar jede Kurve, in der er einmal langsamer ist, als negatives Signal deutet. Das Verkomplizieren führt dann oftmals bloß zu weiteren Problemen.

Für Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der seinen Fahrer seit Junior-Tagen kennt, besteht diese Gefahr bei Russell allerdings nicht, denn: "Ich habe immer gesagt, dass George kein Grand-Prix-Sieger wäre, wenn er kein Killer wäre."

AntonelliRussell
China-QualiP1P2, + 0,222RUS mit Technik-Problemen
China-RennenP1P2, + 5,515
Japan-QualiP1P2, + 0,298RUS mit Setup-Fehlentscheidung
Japan-RennenP1P4, + 15,754
Miami-Sprint-QualiP2P6, + 0,402
Miami-SprintP6, + 0,826P4ANT mit 5-Sekunden-Strafe
Miami-QualiP1P5, + 0,399
Miami-RennenP1P4, + 43,051

"Diese Dinge, weißt du, die analysiert er, schaut sich die Daten an, trifft Schlussfolgerungen, und die Schlussfolgerung ist, dass er auf dieser Strecke sich noch nie wohlgefühlt hat", so Wolff am Sonntagabend nach dem Rennen in Miami, welches Russell nur mit viel Glück auf dank Turbulenzen um Charles Leclerc vor ihm auf dem vierten Platz beenden konnte.

Strafen & Überschlag in Miami! Hat McLaren den Sieg verschenkt? (19:31 Min.)

Wolffs Prognose für nächste Russell-Rennen: Abhaken, ignorieren

"Er hat diese glatte Oberfläche nie gemocht, das ist alles, Haken drunter", setzt Wolff auf ein schnelles Russell-Comeback. Dass er sich von der Abwärts-Serie beeinflussen lässt, sieht er nicht: "Morgen schaut er auf Montreal. Und es sind noch 18 Rennen, da sind viele Punkte zu holen. Ich glaube nicht, dass es irgendeine Relevanz für ihn hat, darüber nachzudenken, was am Ende des Jahres sein könnte."

Bedeutet das zugleich auch, dass sich Russell dann aber mit den von seinem Fahrstil hervorgerufenen Problemen auf bestimmten Strecken abfindet? Immerhin sind es auch schon vier Jahre, die die Formel 1 in Miami fährt, und Formel 1 - und damit gelegentlich auch auf solchen ähnlichen Strecken - fährt Russell überhaupt seit 2019.

Viele solcher Strecken gibt es nicht im F1-Kalender, doch es ist auch nicht davon auszugehen, dass Kimi Antonelli nur auf solchen Strecken Russell schlagen kann. Realistisch kommt bei 20 Punkten Rückstand und drei Niederlagen in Serie unvermeidlich ein kleines bisschen Druck auf. Ihr wollt nicht verpassen, wie es hier weitergeht? Einfach den WhatsApp-Kanal abonnieren!