Vom Beginn des Qualifyings der Formel 1 in Japan weg klagte George Russell am Funk lautstark über die Hinterachse seines Mercedes. Das zog sich bis zum Pole-Showdown hin, den Russell mit Ansage gegen Teamkollege Kimi Antonelli verlor. Drei Zehntel sind ein deutlicher Nachteil und vermutlich aufgrund eines Problems, welches er auch ins Rennen mitschleppen wird.
Denn die Ursache suchen Fahrer und Team beim Setup. "Wir haben vor dem Qualifying etwas angepasst, und das Auto fühlte sich einfach nicht so an wie das ganze Wochenende davor", ärgert sich Russell. Teamchef Toto Wolff bestätigt gegenüber Sky UK: "Wir dachten, es würde keine so große Auswirkung haben. Das Auto war zu aggressiv auf der Nase, hatte zu viel Übersteuern, und das hat es für ihn sehr schwierig gemacht."
George Russell nach Qualifying in schlechtem Setup gefangen
"Auf den ersten Runden in Q1 konntet ihr sehen, wie ich auf P7, P8 herumfuhr, dann mussten wir massive Anpassungen mit dem Frontflügel machen", erzählt Russell. "Das Team hat es sich schon angesehen. Ich weiß nicht, ob etwas falsch eingestellt wurde, aber ich bin froh, dass ich noch hier bin. Nach Q1 war ich mir nicht sicher, wo ich landen würde."
Sein Problem ist nur, dass der Frontflügel-Flap praktisch alles ist, was er noch tun kann. Seit Qualifying-Beginn befindet sich das Auto unter Parc-ferme-Bedingungen. Die problematische Änderung war aber eine mechanische, so Russell, ohne ins Detail zu gehen. Das bedeutet höchstwahrscheinlich etwas im Bereich der Aufhängung.
Die zu ändern würde einen Boxengassen-Start nach sich ziehen, was bei einem zweiten Startplatz natürlich nicht zur Diskussion steht. "Er nimmt das jetzt ins Rennen mit, das ist auf jeden Fall ein Nachteil", fürchtet Wolff. Russell sieht eine lange Nachtschicht vor sich: "Vielleicht finden wir ein paar Antworten, vielleicht kann ich meinen Fahrstil anpassen, um es zu kompensieren."
Kimi Antonelli zockt Japan-Problempilot George Russell im Qualifying ab
Fahrerisch bestand das Problem laut Russell vor allem in den Esses zu Rundenbeginn: "Ich konnte die Kurven nicht attackieren. Das Heck wollte immer ausbrechen." Zwar war er im direkten Vergleich mit Kimi Antonelli dort ähnlich schnell, aber es ist ein durchaus bekanntes Phänomen, dass ein instabiles Heck permanent kleine Rutscher erzeugt, welche die Reifentemperaturen hochtreiben. Dadurch wären die Reifen für Russell dann in den Traktionsphasen zum Ende der Runde viel zu heiß.
Auf der anderen Seite kann man aber auch nicht ignorieren, dass Russell in seiner F1-Karriere keine gute Japan-Bilanz vorweisen kann. Nur bei zwei von sechs Qualifyings schlug er seinen Teamkollegen. Nämlich 2019 im Williams, als Robert Kubica in Q1 verunfallte, und 2025, als Kimi Antonelli neben ihm erst zwei Grands Prix Erfahrung hatte. Gegen Lewis Hamilton war er null zu drei untergegangen.
2026 ließ auch Antonelli nichts anbrennen und fuhr die Pole souverän heraus: "Das Auto fühlte sich gut an, meine erste Runde war gut, und ab da habe ich einfach Momentum aufgebaut." Anders als Russell konnte er sich ganz auf die Feinabstimmung der Aero-Balance konzentrieren: "Da haben wir einen guten Kompromiss gefunden."
Dass seine zweite Q3-Runde durch einen Verbremser in der Haarnadel entwertet wurde, spielte dann keine Rolle mehr, die erste war schon gut genug. Auf der zweiten zeigte Antonelli auch, dass er durchaus in den Esses ein Zehntel schneller gekonnt hätte als Russell. "Bisschen zu hart gepusht auf der letzten, das war nicht so gut, aber insgesamt sehr zufriedenstellend", lautet Wolffs Bilanz. Unter diesen Umständen erscheint Antonelli nun für das Rennen in Japan tatsächlich wie Sieg-Anwärter Nummer eins. Damit könnte er die WM-Führung übernehmen.
Die komplette Startaufstellung für den Grand Prix von Japan (Start: Sonntag um 07:00 Uhr) gibt es hier:



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