Für Aston Martin war das Formel-1-Qualifying in Japan am Samstag ein neuer Tiefpunkt. Ausgerechnet beim Honda-Heimspiel müssen sich Fernando Alonso und Lance Stroll den Neulingen von Cadillac deutlich geschlagen geben. Während die Konkurrenz mit ihren Upgrades neue Performance findet, gibt es bei Aston Martin null Fortschritte. Für die Fahrer unbefriedigend, aber zu erwarten. Der AMR26 ist derart verworren, dass die Pace bei der Entwicklung noch nicht einmal priorisiert wird.
"Ich hatte ja bei den Testfahrten gesagt, dass selbst der Koch das Auto fahren könnte. Vielleicht nicht der Koch, aber 50 Prozent der Teammitglieder könnten das Auto hier in Suzuka fahren", flüchtet sich Fernando Alonso einmal mehr in Galgenhumor. Der 44-Jährige beendete das dritte Qualifying des Jahres in Suzuka auf dem 20. Platz hinter den Cadillac-Fahrern Sergio Perez und Valtteri Bottas. Der Rückstand war mit drei Zehntelsekunden nicht einmal knapp. Auf die Pole Position von Kimi Antonelli fehlten 3,8 Sekunden.
Die US-Amerikaner haben einen neuen Diffusor nach Japan gebracht und mit dem Upgrade die erhoffte Rundenzeit gefunden. Bei Aston Martin bringen die Upgrades nichts dergleichen. "Null", beziffert Alonso den Einfluss der Entwicklung auf die Peformance seines Autos nüchtern. Doch das sei in der gegenwärtigen Situation alles Teil des Plans.
Aston Martin versucht verworrenes Formel-1-Auto zu verstehen
"Die Upgrades sind bei uns nur Kleinigkeiten, die wir am Auto testen, um zu verstehen, ob das, wovon wir denken, dass es das Problem ist, auch das Problem ist. Wenn wir diese Upgrades testen, sagen sie uns nur, ob wir in der Fabrik in die richtige Richtung gehen, aber es bringt keine Performance", so die Erklärung des zweimaligen Weltmeisters, der am Sonntag seinen 428. Grand Prix aus der letzten Startreihe antritt.
Teamkollege Lance Stroll war bei seiner 38. teaminternen Qualifying-Niederlage in Folge drei Zehntel langsamer und belegte folglich den 22. und letzten Platz. "Wir sind aus China gleich nach Japan gereist und hatten nicht viel Zeit, in Sachen Entwicklung etwas ans Auto zu bringen. Aber wir haben für die nächsten Monate einen Plan und was der an Rundenzeit bringen wird, wird die Zeit zeigen", erklärt der Kanadier.
In Suzuka lief der Aston Martin bisher problemfrei, was zuvor an keinem der beiden Wochenenden der Fall war. "Alles funktioniert wie erwartet. In der Fabrik passieren viele Dinge und die sehen sehr positiv aus, einige dieser Dinge, die wir testen", sagt Alonso, der sich in Geduld übt: "Es gibt erst die Idee, dann musst du in den Windkanal, dann kommt CFD, dann kommt die Herstellung, und dann haben wir schon Juli oder August."
Fernando Alonso bemängelt fehlende Power in Suzuka
Die durch die Krise belastete Beziehung zu Motorenpartner Honda wurde bereits beim Auftakt in Australien deutlich, als Alonso explizit von "Honda-Problemen" sprach. Vor dem Wochenende in Suzuka gab sich die Teamführung alle Mühe, die Wogen zu glätten. "Ich denke, es ist eine Kombination aus Power Unit und Auto. Wir verlieren auf den Geraden unglaublich Zeit, aber in den Kurven haben wir auch kein Grip-Monster", gibt sich auch Stroll nach der neuerlichen sportlichen Klatsche diplomatisch.
Der Zeitverlust durch die Power Unit ist hingegen das, was Alonso am stärksten wahrnimmt und kritisiert: "Ein paar der Highspeed-Kurven sind jetzt die Ladestation für das Auto. Du fährst langsamer und lädst die Batterie, damit du auf der Geraden volle Leistung hast. Die Fähigkeiten des Fahrers werden dafür nicht gebraucht. Du musst nur vom Gas gehen, oder die Batterie entlasten und das Ding laden."
Größtes Problem ungelöst: Aston Martin muss auf Good Vibrations hoffen
In China musste Fernando Alonso das Rennen aufgrund der von der Honda-Batterie hervorgerufenen massiven Vibrationen vorzeitig aufgeben. "Das ist immer noch der größte limitierende Faktor", so der Spanier nach dem Qualifying in Japan. "Gestern fühlte sich das Auto ehrlich gesagt komplett normal an, fast gar keine Vibrationen. Als ich heute Morgen ins Auto gestiegen bin, waren die Vibrationen wie immer."
Unter diesen Voraussetzungen war bereits nach den Wintertestfahrten klar, dass an eine komplette Renndistanz nicht zu denken ist. Am Sonntag hofft Alonso darauf, dass sich das Problem mit etwas Glück lösen lässt: "Das ist schwer zu verstehen. Wir werden all die Änderungen durchgehen, die wir über Nacht gemacht haben, um zu sehen, ob da etwas am Auto ist, das die Vibrationen verringert. Es scheint etwas willkürlich zu sein. Mal sehen, ob wir morgen einen glücklichen Tag haben."


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