Als haushoher Favorit startete George Russell am Samstag in das Qualifying der Formel 1. In den eineinhalb Tagen davor hatte er in China schon Pole und Sieg im Sprint geholt, und jeder hätte am Samstag auf die nächste Pole gewettet. Doch dann begann sein Mercedes zu streiken. Mehrmals. Russell entkommt am Ende unter widrigsten Bedingungen in Q3 dem zehnten Startplatz.
"Das war einfach ab dem Ende von Q2 eine verrückte Session", sagt Russell danach. Davor schien alles unter Kontrolle. Dann begann es, als er für einen eigentlich gar nicht mehr nötigen zweiten Q2-Versuch noch einmal rausfuhr: "Der Frontflügel brach. Und das Team war sich nicht sicher, ob er kaputt war oder nicht." Russell brach seine Runde sofort im ersten Sektor ab und kam zurück an die Box.
Toto Wolff erklärt die Qualifying-Probleme am Russell-Mercedes
Fieberhaft suchten die Mechaniker in der Pause von Q2 auf Q3 den Defekt, und fanden ihn schließlich. Am Frontflügel war das Druck-System, welches den "Straight Mode" kontrolliert, also den Frontflügel flachstellt, aus noch unbekannten Gründen zusammengebrochen. Das bestätigt Teamchef Toto Wolff nach dem Qualifying im ORF-Interview.
Erst einmal gefunden, war dieses Problem mit einem Frontflügel-Tausch schnell behoben. Doch für Russell ging es jetzt erst richtig los, als er nun in Q3 aus der Box fuhr: "Sobald ich draußen war, wusste ich, dass was nicht stimmte. Ich blieb stehen, versuchte das Auto neu zu starten. Erst startete es nicht, dann doch."
Raus aus der ersten Schneckenkurve war der Mercedes im ersten Gang steckengeblieben. Nach dem Neustart schleppte ihn Russell in langsamer Fahrt in die Garage, während die Konkurrenz schon die erste Runde fuhr. "Dann ist gar nichts mehr gegangen", berichtet Wolff. "Wir haben dann drei Mal einen Power Cycle gemacht, alles ganz abgedreht, Strom aus und wieder an."

"Quasi wie ein iPhone, einschalten, ausschalten", beschreibt es Wolff bei Sky UK. "Beim dritten Mal ging es. Ich dachte nicht, dass wir rauskommen würden, aber zu meiner Überraschung schafften wir noch eine Runde." Aber als Russell eben nun endlich mit funktionierendem Auto aus der Garage rollte, standen nur mehr knappe 2 Minuten und 15 Sekunden auf der Q3-Uhr.
Dadurch konnte Russell seine einzige Q3-Runde nicht mehr anständig vorbereiten, sprich die Batterie anständig laden und Reifen aufwärmen: "Es war so gut, wie es möglich war. Batterie war zu Rundenbeginn keine da, und die Reifen waren kalt. Ich bin sehr dankbar, hier zu sitzen, da ging es eher darum, überhaupt eine Zeit zu fahren."
George Russell rettet sich in erste Startreihe: Ferrari-Angst bleibt in China
Trotzdem schaffte es Russell nicht nur, Platz zehn zu vermeiden, sondern er schnappte sich Startplatz zwei, nur 0,222 Sekunden hinter Teamkollege und Polesetter Kimi Antonelli. "Sehr hoch" schätzt Wolff diese Leistung danach ein. Russell selbst ist etwas überrascht: "P2 war viel besser als ich erwartet hätte."
Ob Russell ohne die Probleme Pole geholt hätte? "Werden wir nie wissen", meint Wolff. "Wenn das Auto den Fahrer im Stich lässt." Von Platz zwei aus hat Russell trotzdem alle Chancen, am Sonntag im Rennen zurückzuschlagen. Die Schäden im China-Qualifying waren das erste Mal, dass er und Mercedes schließlich irgendwo angreifbar schienen. In Sachen Pace war Russell bislang in der Saison 2026 nicht zu biegen.
"Aber es waren ein paar tolle erste Runden in den letzten zwei Rennen", warnt Russell vor dem Start - der bekannten Achillesverse seines Autos. "Wir wissen, die Ferrari kommen schnell von der Linie weg, und jetzt stehen sie auf P3 und P4, zum ersten Mal in dieser Saison." Von einem einfachen Rennen will er also absolut nicht ausgehen. Die Startaufstellung zum Grand Prix gibt es hier:



diese Formel 1 Nachricht