Wenn sich die vielbeschäftigten CEOs eines Autobauers an der Rennstrecke statt in der Vorstandsetage blicken lassen, ist das stets ein Wochenendausflug mit Signalwirkung: Der Motorsport ist über seine Grenzen hinaus relevant. Beim verspäteten Saisonauftakt der WEC in Imola gab sich Peugeot-Boss Alain Favey die Ehre und verfolgte das Treiben seiner 'Löwen' auf dem italienischen Traditionskurs. Wenn der oberste Chef vorbeischaut, bedeutet das natürlich auch eine zusätzliche Portion an Motivation für die hauseigene Motorsportabteilung.

Für die über den Winter neu formierten Peugeot-Crews mit Loic Duval, Malthe Jakobsen und Theo Pourchaire sowie dem prominenten Trio Paul Di Resta/Stoffel Vandoorne/Nick Cassidy gab es trotz hoffnungsvollem Start aber wieder einmal nichts Zählbares zu holen: Beide Peugeot 9X8 verpassten die Punkteränge in der Hypercar-Topklasse. Stattdessen waren das wiedererstarkte Toyota-Werksteam als Sieger und die amtierenden Weltmeister von Ferrari eindeutig die Stars in der Manege.

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Noch immer kein WEC-Sieg, aber: Peugeot mit klarem Bekenntnis

Die nächste Chance bietet sich am kommenden Wochenende beim 6-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps (alle Infos zum Zeitplan und der TV-Übertragung). Für Peugeot bahnt sich nach den ersten Eindrücken eine weitere schwierige Saison in der Langstrecken-WM an. Seit Mitte 2022 mischen die Franzosen in der WEC mit, warten aber noch immer auf den ersten Sieg. Vier Podestplätze in 27 Rennen waren bisher das Höchste der Gefühle.

Während einige Branchenkenner schon über einen Ausstieg spekulierten, verfolgt Peugeot in Wahrheit ganz andere Pläne. Bis mindestens 2029 soll es weitergehen in der WEC. Hinter den Kulissen soll Peugeot sogar bereits eine Neuentwicklung seines Hypercars in die Wege geleitet haben, was mittels einer neueingeführten Ausnahmeregelung möglich wäre.

Peugeot bei der WEC in Imola
Peugeot startet mit zwei 9X8-Hypercars in der WEC, Foto: IMAGO/ZUMA Press

Peugeot-CEO Favey: "Wir sind bereit, weiterzumachen"

Ruhe statt Panik lautet die Devise, was nicht viele Autobauer von sich behaupten können, wenn die Ergebnisse ausbleiben. Vielleicht machte Peugeot-CEO Favey auch deshalb so einen entspannten Eindruck, als wir ihn in Imola zum Gespräch in kleiner Runde trafen - übrigens auf Deutsch, das der Franzose seit seiner Zeit im VW-Konzern bei den Marken Porsche, Skoda und Bentley fließend spricht.

"Wir haben eine lange Geschichte im Motorsport", sagte Favey. "Wir haben dreimal Le Mans gewonnen und sind vor genau 100 Jahren zum ersten Mal den Start gegangen. Le Mans ist für Peugeot ein Fest und sehr wichtig für das Image der Marke - fast unabhängig davon, ob wir gewinnen oder nicht. Wir sind also Teil einer sehr langen Geschichte. Und dann gibt es die kurze Geschichte seit unserer Rückkehr im Jahr 2022. Die Performance bisher ist nicht gut genug. Deswegen setzen wir diese Geschichte fort."

Schon 2027 könnte Peugeot mit einer neuen Version seines 9X8 - es wäre dann bereits die dritte - in der Langstrecken-WM aufschlagen. Klares Bekenntnis von Favey: "Wir sind bereit, weiterzumachen, bis wir eine ausreichende Performance auf der Piste erreichen werden. Wir wollen natürlich Rennen gewinnen, und wir wollen öfter auf dem Podium stehen. Wir haben uns bis 2029 zur WEC bekannt. Wenn wir gut arbeiten und das Auto weiter verbessern, dann können wir sehr wahrscheinlich eine gute Performance erreichen."

Peugeot CEO Alain Favey im Gespräch bei der WEC in Imola
Peugeot-CEO Alain Favey im Gespräch mit MSM-Reporter Robert Seiwert, Foto: Motorsport-Magazin.com

Favey: Alpine-Aus hat für uns überhaupt keine Folgen

Immerhin einen Erfolg hat Peugeot bereits erzielt: Ab der kommenden Saison sind die 'Löwen' die einzige Marke aus Frankreich in der Startaufstellung der WEC. Alpine hat bereits seinen Abschied nach 2026 angekündigt und ein weiterer französischer Hersteller ist nicht in Sicht. Stattdessen ist dieses Jahr Hyundais Edelmarke Genesis eingestiegen, 2027 folgen McLaren und Ford mit weiteren LMDh-Wagen. Peugeot ist neben Ferrari, Toyota und dem noch lahmendem Aston Martin einer von vier Herstellern, die auf das ACO-Reglement mit vollständig selbstentwickelten Prototoyen setzen.

Favey zum Alpine-Exit: "Ich habe nichts dagegen, wenn Peugeot in Zukunft die einzige französische Marke bei den 24 Stunden von Le Mans ist. Das ist für uns kein Nachteil. Für uns hat die Entscheidung von Alpine überhaupt keine Folgen."

Sogar das Gegenteil sei der Fall, denn das langjährige Bekenntnis zur WEC solle ebenfalls auf die Wahrnehmung der Marke einzahlen: "Wir wollen die Botschaft vermitteln, dass Peugeot eine seriöse Marke ist", erklärte Favey. "Eine Marke, die Dinge wirklich ernsthaft bis zum Ende führt - nicht eine Marke, die einen Tag hier und am nächsten Tag dort ist. Wir versuchen, diese Konsistenz in der Markenwahrnehmung zu stärken. Deswegen ist für mich diese Geschichte, die wir in der WEC schreiben, eine, die jetzt nicht enden kann, wo wir noch nicht bewiesen haben, was wir können."

Das komplette Interview mit Peugeot-CEO Alain Favey lest ihr in der aktuellen Ausgabe #108 unseres Print-Magazins. Lust auf noch mehr Exklusiv-Interviews und Hintergrund-Stories? Dann holt euch jetzt hier ein Abo!