Alpine arbeitet seit Jahren daran, eine langfristige und in erster Linie erfolgreiche Teamstruktur aufzubauen. Nach einigen eher düsteren Jahren war für das Formel-1-Team der französischen Automarke die erste Saison als Mercedes-Kundenteam bisher eine erfolgreiche, mit einem Sprung ins vordere Mittelfeld. Die Reorganisation der Teamstruktur ist dennoch nicht beendet.

Am Freitag gab die Mannschaft von de-facto-Teamchef Flavio Briatore eine weitere Verstärkung offiziell bekannt. Jason Somerville stößt als stellvertretender Technikleiter zum Team und wird damit die rechte Hand von Technik-Chef David Sanchez. Somerville wird mit sofortiger Wirkung, also am 15. Mai, seine Arbeit beim Team aufnehmen, wie in einer Pressemitteilung betont wird.

Jason Somerville und David Sanchez (Alpine F1 Team); Portrait
Somerville und Alpines Technikchef David Sanchez, Foto: TWJB Photography / BWT Alpine Formula One Team

Alpine-Neuzugang arbeitete bis November bei der FIA

Der Wechsel kommt alles andere als überraschend, sondern ist vielmehr die Bestätigung eines offenen Geheimnisses. Denn bereits im November des Vorjahres war Somerville mit einer Rückkehr nach Enstone in Verbindung gebracht worden. Damals hatte er bei der FIA gekündigt, wo er zuvor seit 2022 als Aerodynamik-Chef tätig gewesen war.

"Ich war einige Jahre aus der kompetitiven Seite des Motorsports raus und ich freue mich auf die Gelegenheit, wieder mitten im Geschehen zu sein, Millisekunden zu jagen und gegen unsere Rivalen um Punkte und hoffentlich um Trophäen zu kämpfen", betonte der Neuzugang. Alpine sprach bei der Bekanntgabe davon, dass seine Stellvertreter-Rolle neu geschaffen worden ist. In erster Linie wird Somerville für aerodynamische Belange zuständig sein. Ein Feld, in welchem der 57-Jährige seine komplette Motorsport-Laufbahn zugebracht hat.

Formel 1, FIA, Williams und Co: Die F1-Laufbahn von Jason Somerville

Somerville ist ein alter Bekannter in Enstone, auch wenn seine Zeit dort schon länger zurückliegt. Zwischen Januar 2010 und August 2011 war er als Aero-Chef für den Rennstall tätig gewesen, der damals noch den Namen Lotus getragen hatte. Anschließend hatte der Aerodynamiker denselben Posten für beinahe sechs Jahre bei Williams ausgeübt, ehe er die Seiten wechselte und direkt zur Formel 1 ging.

Bei der FOM (Formula One Management) war er zwischen 2017 und 2022 für die Ausarbeitung der Aerodynamik-Regeln für die Ground-Effect-Ära zuständig, danach folgte ein nahtloser Übergang zur FIA, wo er diese Rolle fortsetzte und als Kontrollorgan für die Aero-Regeln auftrat. Als Aerodynamik-Chef des Weltverbandes war er aber anschließend auch direkt für die Entwicklung der Fahrzeug-Generation ab 2026 verantwortlich.

Im Motorsport selbst war Somerville übrigens schon vor seiner ersten Enstone-Amtszeit tätig. Nach Stationen in der britischen Tourenwagen-Meisterschaft und beim Langstrecken-Programm von BMW in den 90er-Jahren hatte er seinen Einstieg in die Königsklasse noch 1999 bei Williams hingelegt und später auch bei Toyota gearbeitet.

Alpines Technik-Chef begrüßte die Anwerbung seines Stellvertreters folgendermaßen: "Wir freuen uns, jemanden von Jasons Kaliber und seiner Erfahrung neu ins Team zu bekommen und unser nachhaltiges Level an Fortschritt weiterzuführen." Sanchez selbst ist seit 2024 als Technischer Leiter bei Alpine tätig und war bei Team Enstone ebenfalls schon in den 2000er-Jahren als Aerodynamiker aktiv gewesen.

Alpine ist nicht das einzige F1-Team, das in der jüngeren Vergangenheit mit einem Umbau seines technischen Führungsteams beschäftigt war. Das trifft auch auf Red Bull zu. Hier mehr dazu: