Kaum ein Formel-1-Team war in den letzten Monaten und Jahren von so vielen teils hochkarätigen Abgängen betroffen, wie Red Bull. Das Verstappen-Team verlor gleich eine Reihe von Führungskräften. Nicht nur im technischen Bereich, aber auch in der Teamführung. In diesem Jahr umfasste dies etwa Chef-Stratege Will Courtenay und Chefdesigner Craig Skinner. Außerdem wurde der Personal-Aderlass jüngst wieder zum Thema, da der Abschied von Max Verstappens Renningenieur GianPiero Lambiase für 2028 verkündet wurde.
Jetzt zeigten die Bullen eine Reaktion zumindest auf einen Teil dieser Abgänge und gaben am Freitagvormittag einen Umbau in ihrem technischen Führungsstab bekannt. Dieser betrifft zwei Personen, die schon zuvor im Lager der Energydrink-Marke waren, wenn auch in einem Fall bislang nur beim Juniorteam.
Red Bull reagiert auf Abgang von Chefdesigner
Der zentrale Mann in diesem Umbau wird aber intern hochgezogen. Ben Waterhouse tritt mit sofortiger Wirkung seinen neuen Job als Chef-Performance und -Design-Ingenieur (Chief Performance and Design Engineer) an, und erhält dadurch mehr Verantwortung im Bereich rund um das Design und die Fahrzeug-Performance. Waterhouse ist direkt Technik-Chef Pierre Wache unterstellt.
Seine Besetzung lässt sich als Reaktion auf den Abgang von Craig Skinner im Februar bewerten. Der Abschied des ehemaligen Chefdesigners wurde zwischen den Bahrain-Testfahrten bekannt, und kam etwas überraschend. Er soll nicht im Zusammenhang mit der personellen Fluktuation aus dem Vorjahr gestanden haben.
Waterhouse, der seinen Einstieg in die Formel 1 bei Jaguar gemacht hatte, und damit später auch bei den Bullen tätig war, ist seit 2017 wieder ununterbrochen bei Red Bull Racing angestellt. Zuvor diente er drei Jahre lang als stellvertretender Technik-Direktor bei Toro Rosso (heute: Racing Bulls), kann aber auch auf Erfahrung bei Sauber bzw. BMW-Sauber zurückblicken. Zuletzt leitete er bei den großen Bullen das Performance-Ingenieurswesen (Head of Performance Engineering).
Technik-Umbau: Red-Bull-Zuwachs kommt von den Racing Bulls
Die Rolle als Leiter für Performance (Head of Performance), in welche zumindest ein Teil der Aufgaben von Waterhouse übergehen, wird durch Andrea Landi nachbesetzt. Der Italiener kommt von den Racing Bulls, muss aber derzeit noch eine Sperrfrist absitzen. Er beginnt erst am 1. Juli in Milton Keynes. Genauso wie Waterhouse vor einigen Jahren gibt damit auch Landi den Posten als stellvertretender Technik-Direktor der Racing Bulls ab.
Landi begann seine Motorsport-Karriere 2010 bei dem Vorgängerteam der Racing Bulls, wo er etwa als Renningenieur von Jaime Alguersuari und Jean-Eric-Vergne tätig war. In der Folge wechselte er zu BMW in die DTM, ehe er über Ferrari zurück in die Formel 1 kam. Durch seinen Wechsel vom Nachwuchs-Team zum Toprennstall von Red Bull folgt Landi auch auf Teamchef Laurent Mekies, der im Vorjahr als Nachfolger von Christian Horner hochgezogen wurde.
Red Bull Racing erlebte einen mehr als durchwachsenen Start in die neue Formel-1-Ära. Während der erste in Eigenregie bei RBPT gebaute Motor die Erwartungen erfüllte oder sogar übertraf, ist stattdessen das Chassis eine Wundertüte. Der RB22 verfügt über ein sehr schmales Setup-Fenster und wechselt oft schnell zwischen starkem Über- und Untersteuern. Derzeit belegt das Team nur die sechste Position in der Weltmeisterschaft und liegt nicht nur hinter Haas und Alpine, sondern auch nur zwei Zähler vor den Racing Bulls.



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