1. Warum startete Gabriel Bortoleto aus der Box?

Gabriel Bortoleto hätte in Monaco eigentlich von Startplatz 16 losfahren sollen. Allerdings schaffte es der Audi des Brasilianers vor dem Rennen bei den Sichtungsrunden gerade so aus der Box, ehe er nach dem Ausgang stehenblieb. Nachdem ein Reset keine Wirkung zeigte, musste das Auto von Bortoleto wieder zurück an die Garage geschoben werden, wo das Problem gelöst wurde. Da die Boxengasse zu diesem Zeitpunkt schon geschlossen war, konnte er also nur aus der Box starten. Audi-Renndirektor Allan McNish erklärte nach dem Rennen, dass man wisse, was das Problem war, allerdings noch im Unklaren darüber ist, wie es ausgelöst wurde. Weitere Details nannte McNish nicht.

2. Weshalb kam Max Verstappen am Start nicht weg?

Max Verstappen hatte in Monaco zum wiederholten Male in dieser Formel-1-Saison Probleme am Start, jedoch waren diese so gravierend wie zuvor noch nie. Der Zweite des Qualifyings kam praktisch überhaupt nicht weg und rollte in der ersten Runde nur in langsamer Fahrt an die Box zurück, ehe er dort abstellte. Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies erklärte, dass es sich um ein Motorproblem handelte, das sich bereits auf der Formationsrunde entwickelte und ihm "keine Chance gab." Was das Problem war, habe man teamintern bereits identifiziert. Es war die erste Power Unit von Verstappen in diesem Jahr. Sie befand sich am Ende ihres Lebenszyklus und hätte eigentlich nach Monaco getauscht werden sollen. Ein kleiner Trost blieb Verstappen nach dem Rennen: Er hatte keinen langen Heimweg. "Es sind nur 500 Meter", meinte er im TV-Interview bei Sky Deutschland.

3. Was ging bei Lando Norris kaputt?

Motorprobleme waren in Monaco ohnehin omnipräsent. Bei Lando Norris war es ebenfalls ein Gebrechen an seiner Power Unit, welcher ihn am Sonntag aus dem Rennen nahm, nachdem er schon im Training einen Motor-Defekt hatte. Teamchef Andrea Stella erklärte aber, dass es sich um zwei unterschiedliche Komponenten handelte. Im Training trat das Problem auf der elektronischen Seite auf, am Sonntag kam es aus dem Umfeld des Verbrenners. Es sei ein neues Problem, das bisher noch nie aufgetreten sei, so Stella. Der McLaren-Leiter betonte auch, dass das keineswegs heißen müsse, dass die Schuld bei Motorlieferant Mercedes-HPP liegt, sondern dass es auch an der Integration des Motors in das Chassis liegen könnte.

4. Warum musste Valtteri Bottas aufgeben?

Cadillac laborierte das gesamte Monaco-Wochenende an Bremsproblemen. In Monte Carlo ein gängiges Problemfeld, da die geringen Geschwindigkeiten die Kühlung erschweren und es kaum lange Geraden gibt. Konkret überhitzten am MAC-26 die Vorderradbremsen andauernd. Das war auch im Rennen der Fall. Valtteri Bottas und Sergio Perez waren schon vom Start an gezwungen, viel Lift and Coast zu betreiben. Während Perez die Bremsen mit diesem Management über die Renndistanz bringen konnte, klagte Bottas früh über eine zunehmende Rauchentwicklung an seinen Bremsen und musste schließlich in Runde 16 auch deshalb aufgeben. "Wir konnten die Temperaturen einfach nicht kontrollieren", erklärte Bottas das Hauptproblem. Auch bei Perez dachte man zwischenzeitlich darüber nach, aufzugeben, entschied sich aber schließlich dagegen.

5. Warum gab es so viele Strafen für Speeding?

Einer der großen Aufreger des Rennens war die schier nicht enden wollende Flut an Zeitstrafen für zu schnelles Fahren in der Boxengasse. Insgesamt sechsmal wurde eine 5-Sekunden-Strafe dafür verteilt. Oscar Piastri, Franco Colapinto, George Russell, Lewis Hamilton und zweimal Pierre Gasly erwischte es. Alle Verstöße haben gemeinsam, dass die Übertretung nur 0,1 km/h betrug, und dass die betroffenen Piloten sich sicher sind, den Pit-Limiter früh genug aktiviert zu haben. Eine finale Antwort, wie es zu den Strafen kam, gibt es noch nicht.

Grundsätzlich gibt es zwei Theorien zu der Ursache. Einerseits, dass die betroffenen Fahrer möglicherweise am Boxeneingang der leicht gebogenen Boxengasse die Fastlane innen über die erste Pitbox abkürzten und somit den Weg verkürzten. Vor und nach dieser leichten Kurve ist tatsächlich ein Timing-Loop im Boden verbaut. Franco Colapinto vermutete, dass Vibrationen aufgrund der Unebenheiten in der Boxengasse zu kleinen Geschwindigkeitssprüngen führten und dabei den Limiter ausgetrickst hätten. Wenn man sich die Videoaufnahmen ansieht, dann scheint allerdings die erste Theorie zutreffend zu sein, denn die bestraften Fahrer schnitten in der Boxengasse deutlicher die Fastlane ab als andere.

6. Wieso wurde das Rennen unterbrochen?

In der 68. Runde wurde nach dem zweiten Unfall innerhalb kurzer Zeit in der Kurve Antony Noghes das Rennen mit einer roten Flagge unterbrochen. Der Grund für den Abbruch war, dass vor jener Kurve der Asphalt aufgerissen war, und das direkt auf der Ideallinie. Anschließend inspizierte die Rennleitung die Stelle und mit einem Streckenfahrzeug wurden die Bruchstücke und die Marbles weggekehrt. In der Folge wurde das Rennen fortgesetzt. Innerhalb der kurzen Unterbrechung die Löcher zu füllen, war natürlich unmöglich. Die Fahrer hatten schon früh bemerkt, dass der Asphalt an jener Stelle brüchig war. Laut Nico Hülkenberg habe man das schon in der Fahrerparade gesehen. Sergio Perez erklärte, dass er seit Runde 10 schon davor gewarnt habe, zahlreiche Fahrer passten ihre Linienwahl an. Esteban Ocon erklärte beispielsweise, dass er den Schaden bemerkt hatte, aber aus renntaktischen Gründen nicht Alarm schlug.

7. War die Strecke an den Unfällen von Stroll & Leclerc schuld?

Die Schlussfolgerung liegt eigentlich nahe, dass ein Zusammenhang zwischen den beiden Unfällen von Lance Stroll und Charles Leclerc und dem aufgerissenen Asphalt besteht, zumal sich diese direkt im Anschluss an das Überfahren an ebenjener Stelle ereigneten. Auch aus den Onboard-Aufnahmen sieht es so aus, als ob ihnen aufgrund der Bruchstücke jeweils der Grip fehlt und sie deshalb geradeaus fahren. Kurioserweise suchten aber sowohl Stroll als auch Leclerc die Verantwortung nicht bei der Strecke, sondern machten ihren Boliden beziehungsweise Motor dafür verantwortlich. Stroll gab an, dass seiner Ansicht nach ein Problem mit der Motorbremse für den Unfall verantwortlich sei. Leclerc gab den Bremsen die Schuld, von denen laut eigener Aussage unter dem Safety Car nur eine funktionierte. Die Aussagen des Ferrari-Mannes hatten eine Gegendarstellung von Ferraris Bremsenhersteller Brembo zur Folge. Hier mehr dazu:

8. Was ging bei George Russell schief?

George Russell war einer von den fünf Fahrern, der für zu schnelles Fahren an der Boxengasse eine 5-Sekunden-Strafe erhielt. Doch das war nicht der Grund, warum er komplett aus den Punkten fiel. Die Strafe wäre theoretisch sogar größtenteils wirkungslos geblieben, da man sie in der Safety-Car-Phase beim nächsten Boxenstopp absitzen konnte. Doch genau da passierte der entscheidende Fehler an der Mercedes-Box. Beim Double-Stack hinter Kimi Antonelli wurde diese Strafe nicht abgesessen und einige Mechaniker machten sich direkt an die Arbeit. Ein Regelverstoß, denn es ist nicht optional, sondern verpflichtend, Strafen beim nächsten Stopp abzugelten. Also erhielt Russell in der Folge eine Durchfahrtsstrafe, die er innerhalb von drei Runden nach dem Restart absitzen musste. Diese warf ihn aus den Punkten.

9. Warum wurde Nico Hülkenberg bestraft, Franco Colapinto aber nicht?

Ebenfalls aufgrund einer Strafe aus den Punkten fiel Nico Hülkenberg. Der Deutsche erhielt eine Rückversetzung von zehn Sekunden, da er auf der ersten Runde nach dem Restart in der Haarnadel Carlos Sainz am Hinterrad traf und den Williams dadurch aus dem Rennen warf. Hülkenberg und auch Audi-Rennleiter Allan McNish zeigten Unverständnis für die Strafe. Denn im Moment des Zusammenstoßes war Hülkenberg mit vollem Lenkeinschlag auf der Innenbahn neben Ocon und konnte die Kollision gar nicht mehr vermeiden. Die Stewards argumentierten aber, dass es dennoch Hülkenberg gewesen sei, der in die Linie von Sainz gelenkt hatte. Zuvor hatte sich Hülkenberg innen neben Ocon gebremst.

Der waidwunde Williams von Sainz wurde anschließend zwei Kurven später nochmal von Franco Colapinto umgedreht. Im Gegensatz zu Hülkenberg bekam Colapinto keine Strafe, obwohl er den Williams ebenfalls am Hinterrad traf und umdrehte. Hier machten die Rennkommissare geltend, dass Sainz aufgrund seines Schadens eine Reihe an Fahrzeugen vorbeigelassen hatte und es für Colapinto deshalb nicht erwartbar gewesen sei, dass der Williams in der Kurve wieder innen auf die Ideallinie geht. Dass Colapinto nur auf Höhe des Hinterrads des Spaniers war, spielte für sie offenbar keine Rolle.

10. Wie vergab Sergio Perez den ersten Cadillac-Punkt?

Nach der Strafe von Hülkenberg erbte eigentlich Sergio Perez die zehnte Position und fuhr damit den ersten Formel-1-Punkt für das neue Cadillac-Team ein. Der ehemalige Monaco-Sieger war dank eines Überholmanövers gegen Colapinto und der Kollision von Sainz und Hülkenberg, bei der Alonso ausgebremst wurde, nach dem Restart nach vorne gekommen. Doch P10 erwies sich nur als temporär, denn weniger als zwei Stunden nach Rennende erhielt der Mexikaner eine Zeitstrafe. Der Grund: Beim stehenden Restart war er außerhalb seiner Box gestanden. Die Wiederholung zeigt, dass die Vorderräder von Perez leicht nach vorne rollen, als er den Gang einlegt. Aus der Onboard ließ sich aber trotzdem nicht zu 100 Prozent sagen, ob der Cadillac in seiner Box stand. Aber den Renn-Stewards stehen deutlich mehr Kamera-Perspektiven zur Verfügung, um zu solch einer Entscheidung zu gelangen. Sie waren der Ansicht, dass sich der rechte Vorderreifen außerhalb der Box befand.

Die Strafe warf Perez von P10 auf P15 zurück. Es war tatsächlich sogar schon sein drittes Start-Vergehen am Rennsonntag gewesen. Beim Rennstart hatte er sich anstatt auf seinen eigenen Startplatz auf jenen von Gabriel Bortoleto eine Reihe weiter vorne gestellt. Bortoleto startete ja aus der Box, weshalb die Box des Audi-Fahrers leer hätte bleiben sollen. Dafür hatte Perez eine Durchfahrtsstrafe kassiert. Außerdem hatte Perez einen Probestart vor dem Rennen außerhalb der dafür vorgesehenen Zone durchgeführt. Dafür bekam er eine Verwarnung.

11. Warum durfte Isack Hadjar sein Podium behalten?

Gegen Isack Hadjar liefen gleich zweimal Untersuchungen, beide Male wurde er jedoch freigesprochen. Einmal, da er während der Safety-Car-Phase mehr als zehn Fahrzeuglängen Abstand zum Vordermann gelassen hatte und ein weiteres Mal für unerlaubte Arbeiten seiner Crew unter Rot. Zunächst zum SC-Vergehen: Bei diesem stellten die Rennkommissare fest, dass Hadjar zwar tatsächlich mehr als zehn Längen Platz gelassen hatte. 2025 in Kanada war die Rennleitung aber zum Schluss gekommen, dass es in solchen Fällen aus Sicherheitsgründen ein gewisses Maß an Toleranz geben solle.

Bis zwei Stunden nach dem Rennen war die Entscheidung beim Rot-Vergehen unklar. Dabei hatten Mechaniker des Franzosen an seinem Auto Komponenten an der Vorderrad-Aufhängung austauschen wollen, wurden dabei aber von einem FIA-Mann darauf hingewiesen, dies zu unterlassen. Derartige Wechsel unter Rot wären illegal. Anschließend setzte Hadjar das Rennen aber mit der alten Konfiguration fort. Es ist unklar, ob die Mechaniker bereits den Tausch durchgeführt hatten, und diesen anschließend wieder rückgängig machten, oder ob sie den Tausch gar nicht durchführten. Die Stewards zeigten sich jedenfalls damit zufrieden, dass technisch am Auto kein Unterschied zur Konfiguration vor der Rot-Phase bestand.

12. Warum bekam Lewis Hamilton keine (weitere) Strafe?

Lewis Hamilton wurde für dasselbe Safety-Car-Vergehen untersucht wie Isack Hadjar. Sein Freispruch erfolgte mit derselben Begründung wie jener des Drittplatzierten. Früher im Rennen hatte Hamilton bereits einmal eine Bestrafung ausgefasst, er war nämlich einer der Speeding-Sünder gewesen. Doch Ferrari konnte die 5-Sekunden-Strafe günstig beim Boxenstopp während der Safety-Car-Phase absitzen.

13. Was ging beim Williams' Blockade-Taktik schief?

Am Boxenfunk von Alex Albon ging es zwischenzeitlich heiß her. Der Thailänder äußerte sein Unverständnis darüber, warum er Carlos Sainz vorbeiziehen lassen musste. Dieses Wechselspiel war vom Team so geplant gewesen, um beiden Fahrern einen günstigen Boxenstopp zu ermöglichen und somit - zu diesem Zeitpunkt - P9 und P10 abzusichern. Albon erklärte nach dem Rennen, dass er diese Taktik sehr wohl verstanden habe. Da ihm aufgrund eines Motorproblems aber ungefähr 50 PS an Leistung fehlten, war er sich unsicher, ob er die Verfolger in Schach halten konnte.

Letztendlich scheiterte die Blockade-Taktik von Williams aber exakt an jenem Punkt. Denn Albon verlor seine Position an Arvid Lindblad, da er in der letzten Kurve (möglicherweise aufgrund der bereits aufbrechenden Strecke) weit ging und der Racing-Bull-Pilot auf Start-Ziel vorbeikam. Ein Positionswechsel, der zu diesem Zeitpunkt irrelevant war, da Lindblad noch stoppen musste. Doch als dieser aufgrund der SC-Phase zu einem günstigen Reifenwechsel kam, kam Lindblad auch netto wieder vor den Williams-Piloten zurück auf die Strecke.

14. Wie geht es mit dem Alpine-'Protest' weiter?

Alpine wurde von den Speeding-Strafen am härtesten erwischt. Beide Fahrer erhielten Strafen, Pierre Gasly verlor durch diese seine zuvor auf der Strecke eingefahrene Podiumsposition. Das Team aus Enstone will diese Bestrafung nicht auf sich sitzen lassen und kündigte nach dem Rennen an, von seinem Recht auf Neubeurteilung (Right of Review) Gebrauch zu machen, und mit diesem gegen das Rennergebnis vorzugehen. Offizielles Dokument dazu wurde noch keines veröffentlicht. Alpine hat nach dem Ende der Veranstaltung 96 Stunden Zeit, um sein Right of Review offiziell bei der FIA einzulegen.

Voraussetzung für eine Neubeurteilungsverhandlung ist, dass Alpine ein signifikantes und relevantes neues Element vorbringen kann, das zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung noch nicht verfügbar war. Was für ein Element Alpine nennen will, ist unklar. Zunächst müssen die FIA-Stewards bei einem Treffen zustimmen, dass ein derartiges Element vorliegt. Erst danach kann überhaupt über eine Neubeurteilung verhandelt werden. Dieser zweistufige Prozess wird frühestens beim nächsten Rennwochenende in Barcelona durchgeführt werden. Dass sich das Ergebnis dadurch tatsächlich ändert, ist aber höchst unwahrscheinlich, denn während dem Rennen verteilte Strafen können grundsätzlich nicht im Nachhinein adaptiert werden.

Monaco-Skandal: Asphalt kaputt! Wurde Gasly das Podium geklaut? (10:07 Min.)