Für Max Verstappen war der Monaco GP vorbei, bevor das Formel-1-Rennen überhaupt richtig begonnen hatte. Als die Lichter am Start ausgingen, fuhren alle Autos los – außer sein RB22. Verstappen kam auf Platz zwei nicht vom Fleck und fiel nach hinten zurück. Schnell war klar: Es gab ein Motorproblem. Er musste sich zurück an die Box schleppen und abstellen. Was war los?

"Ja, großartig. Komplett *******. Jungs, was zum ****?", lautete Verstappens erste, explizite Meldung am Funk, als er im Schneckentempo von der Startlinie wegrollte. Erst als das Feld und selbst der aus der Boxengasse startende Gabriel Bortoleto bereits meilenweit entfleucht waren - wie ein Wunder ohne Kollision -, kam der RB22 etwas in Schwung. Doch schon vor Massenet war Verstappen klar: "Der Motor ist kaputt. Der Motor ist kaputt. Leute, kommt schon. Gebt mir Feedback! Was soll ich machen?" Die Antwort seines Renningenieurs GP Lambiase beendete sein Rennen: "Bring es nach Hause, Max. Wir stellen ab."

"Meine Formationsrunde war schon nicht besonders gut, da habe ich es schon gemerkt", erklärte ein gefassterer Verstappen nach seinem frühzeitigen Ausfall. "Dann hat der Motor beim Pre-Start sehr komisch angesprochen. Normalerweise findest du an einem Punkt dein Drehzahlfenster, aber das hat mein Antrieb nicht gemacht. Als ich die Kupplung losgelassen habe, ist er praktisch abgestorben."

Auf Onboard-Aufnahmen sieht man, dass Verstappens Motor nie auf Touren kommt, als die Lichter auf der Startampel angehen. Anstatt ein konstantes hochtouriges Motorgeräusch hörte man beim Ford-Antrieb, dass er immer wieder abfiel. Nachdem der Niederländer die Kupplung loslässt, braucht es fast 20 Sekunden, bis der Motor richtig anspringt. "Ich hatte nur die Batterie, um mich vorwärtszubewegen. Ich bekam erst bei der ersten Kurve ein bisschen Leistung zurück", so Verstappen.

Warum ging Verstappens Ford-Motor kaputt?

Doch das Rennen wieder aufzunehmen, war keine Option für den vierfachen Weltmeister. Der Motor hörte sich auf dem Weg zur Box gar nicht gut an. Ein schleifendes Krächzen ist zu hören, während sich Verstappen vorsichtig um den Circuit de Monaco bewegt. "Der Motor hat sich wirklich schlimm angehört, als ich wieder Leistung hatte", bestätigte Verstappen. "Wir wussten sofort, dass wir abstellen mussten. Ich bin mir sicher, wäre ich die ganze Runde [zurück zur Box] Vollgas gefahren, hätte ich ihn komplett zerstört."

Aber warum ging der Ford-Antrieb kaputt? Verstappen selbst vermutete bei Sky Deutschland, dass der Motor möglicherweise am Ende seines Lebenszyklus angekommen ist. Jeder Fahrer darf über die Saison vier ICEs (Internal Combustion Engine) verwenden, ohne eine Strafe zu bekommen. Verstappen war noch auf seiner ersten Power Unit.

Red Bulls Teamchef Laurent Mekies unterstützt diese These: "Wir hatten geplant, die PU nach Monaco zu wechseln." Über den genauen Grund schwieg der Franzose aber: "Es war ein Motorproblem. Wir haben das Problem auch identifiziert. Es hat sich über die Formationsrunde hinweg entwickelt und hat weder uns noch ihm [Verstappen] eine Chance gegeben. Es ist noch zu früh, um Lösungsansätze zu diskutieren."

Verstappen nach Monaco-Ausfall: Noch schmerzhafter als sonst

Bei Red Bull und Verstappen macht sich nach dem Aus große Enttäuschung breit. "Das wollten wir so nicht. Wir müssen uns bei Max entschuldigen, denn die Pace, die er hier in Monaco gefunden hat, war herausragend", so Mekies. Auch der Niederländer ist nach seinem bitteren Aus, nachdem er bis dahin sein wohl bestes Wochenende der aktuellen Saison hatte, ernüchtert: "Es ist nicht notwendig, sich aufzuregen. Jeder ist schon enttäuscht genug."

Dennoch stellt sich gerade bei dem chaotischen Rennverlauf die Frage, was hätte sein können. "Nach so einem guten Wochenende hoffst du mindestens auf ein Podium, nicht? Ich hatte zumindest auf ein spannendes Rennen gehofft. Etwas Druck machen, weil ich mich das ganze Wochenende gut gefühlt hatte", beschrieb Verstappen die verflossenen Möglichkeiten. "Würde ich die Weltmeisterschaft anführen, wäre es sehr schmerzhaft. So ist es etwas weniger schmerzhaft, aber ohne Punkte nach Hause zu gehen, ist nervig." Wenigstens hatte es der Wahl-Monegasse nicht weit bis nach Hause. Wie er bei Sky Deutschland verriet, ging es für ihn direkt nach seinem Ausfall ins traute Heim zu seiner Familie.