Nur Technik-Pech konnte Andrea Kimi Antonelli in der Formel-1-Saison 2026 davon abhalten, dem restlichen Feld noch weiter zu enteilen, als er es ohnehin getan hat. Abgesehen von seinen beiden unglücklichen Nullern in Barcelona und in Silverstone drückte der Mercedes-Pilot in den letzten Monaten beinahe jedem Rennwochenende seinen Stempel auf und führt die Meisterschaft folgerichtig mit 45 Punkten Vorsprung an.

Formel-1-Experte Christian Danner macht in der Bonusfolge des AvD Motorsport-Magazins deutlich, dass er den Mercedes aktuell nach wie vor für den klar besten Boliden hält, aber eben in Form von Kimi Antonelli auch der richtige Fahrer am Steuer sitzt, um diese Überlegenheit in Siege am laufenden Band umzumünzen. "Hier und heute ist [der Mercedes] im Moment das überlegene Auto und in der Kombination mit Antonelli eigentlich nicht zu schlagen", ist Danner sicher.

Christian Danner: Mercedes aufgrund dieser zwei Punkte überlegen

Der ehemalige F1-Fahrer macht die Vorteile des Mercedes an zwei konkreten Punkten aus. "Ich glaube, das Auto hat ein gutes Fenster, um es abzustimmen", streicht er hervor. "Das heißt, es tut, was der Fahrer möchte, zumindest was Lenken und Bremsen angeht." Das würde bedeuten, dass der Bolide aus Brackley schnell in sein Arbeitsfenster gebracht werden kann. Dafür spricht, dass der Silberpfeil bislang in der Formel-1-Saison 2026 auf jedem Streckentyp funktioniert hat. Sowohl auf den Power-Strecken wie Silverstone oder Spa als auch in den engen Straßenschluchten von Monaco war Antonelli der schnellste Pilot.

Von der Konkurrenz lässt sich das nicht behaupten. McLaren tappt noch im Dunkeln, warum Lando Norris in Spa so schnell war, das Team in Silverstone allerdings keine Chance hatte. Ferrari hingegen unterlag in Monaco auf einem Kurs, der ihnen auf den Leib geschneidert zu sein schien, überzeugte dafür aber in Silverstone und Spa auf vermeintlichen Problemstrecken. Mercedes hatte keine derartigen Schwierigkeiten und war seit Saisonstart konstant die Messlatte.

Der zweite Grund, den Danner für die Mercedes-Überlegenheit ausmacht, ist ein zentraler Bestandteil des 2026er-Regelwerks. "Das ganze Energiemanagement ist das andere Thema", hebt er hervor. "Das gehört auch zur Fahrbarkeit eines modernen Formel-1-Autos und ich glaube, auch da hat Mercedes Vorteile."

Christian Danner denkt, dass das aus folgendem Grund der Fall ist: "Ich glaube, das liegt an der Art und Weise, wie man die Software-Ingenieure einbeziehen kann, was das Programmieren und das Verändern angeht. Das wird permanent verändert und den Wünschen des Fahrers angepasst. Da hat Mercedes schon Vorteile."

Diese sind phasenweise deutlicher, als die letzten Rennen den Anschein gemacht haben, ist der TV-Experte überzeugt: "Ich glaube, der Umgang mit der wahren Pace des Autos bei Mercedes ist sehr vorsichtig. Man fährt nicht die Gegner einfach an die Wand." Als Beispiel führt er den Großen Preis von Belgien an: "Kimi fuhr vor sich hin mit denselben Zeiten wie Leclerc und irgendwann hat er gesagt: 'Jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt fahren wir mal ein bisschen schneller.' Und dann hat er in relativ kurzer Zeit Leclerc eingeholt und überholt."

Doch auch wenn das Team der WM-Führenden nach wie vor auf Kurs liegt, beide Weltmeister-Titel einzufahren, dürfen sich die Silberpfeile nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, denn Ferrari macht zunehmend Druck. "Man merkt, dass der Ferrari da schon dran kratzt. Wenn nicht alles glatt läuft und es ein paar Problemchen gibt, egal ob das moderne Softwareprobleme sind oder auch nur ganz normale Balanceprobleme, dann steht der Ferrari schon verdammt nah hinter dem Mercedes", warnt Danner. Für das Rennen an diesem Wochenende in Budapest könnte das umso mehr gelten, denn dort haben viele im Formel-1-Paddock die Scuderia ganz groß auf dem Zettel.

Mehr von Christian Danner gibt es in der Hauptfolge des AvD Motorsport-Magazins nach dem Belgien-GP. Dort spricht er neben Mercedes beispielsweise auch über Aston Martin und über Lewis Hamiltons umstrittene Strafe.

Software statt Gasfuß? Energie-Chaos! Danner: Widerspricht dem Motorsport! (29:31 Min.)