Es hatte sich am Freitag der Formel 1 in Monaco schon angekündigt, aber dass es so knapp werden würde, hat selbst Max Verstappen überrascht. Nur 0,043 Sekunden trennten ihn nach einem wahren Qualifying-Krimi mit Kimi Antonelli von der so wichtigen Pole Position. Und das nach einem dritten Freien Training, das jegliche Hoffnung der vorherigen Sessions ausgemerzt hatte. Der Umschwung kam überraschend für alle.
Überraschender Pole-Kampf für Verstappen: Top-5 war Ziel
"Ich hatte Max und Red Bull nicht so weit vorne erwartet, weil sie in FP3 Probleme hatten", gab Pole-Setter Antonelli zu. "Aber sie haben unglaubliche Arbeit geleistet, um sich wieder zu fangen." Am Freitag war Verstappen noch der erste Ferrari-Jäger, am Samstagmittag riss er plötzlich einen Rückstand von über neun Zehntel auf die Bestzeit von Antonelli auf. Hätte er die gleiche Lücke in die Zeitenjagd mitgenommen, wäre er nicht höher als Rang neun gewesen.
Dementsprechend überrascht ist der vierfache Weltmeister von seinem zweiten Startplatz. "Ich wusste, wir würden vor dem Qualifying ein paar Verbesserungen machen, aber nicht, dass wir um die Pole kämpfen. Als ich ins Auto eingestiegen bin, dachte ich, dass wir vielleicht die Top-5 angreifen. Das war das Ziel", gestand ein verblüffter Verstappen.
Aber dann war das Gefühl im Auto viel besser als erwartet. Die bekannten Problemchen seien noch da, besonders im kurvigen Mittelsektor. In der engen Leitplankenschlucht tut sich der tiefgelegene RB22 schwer, über die Kerbs zu fahren. "Das ist mit unserem Auto gerade etwas komplizierter", meinte der Red-Bull-Pilot. Dort lässt sich auch Verstappens Rückstand auf Antonelli finden. Im ersten und dritten Streckenabschnitt fuhr er die schnellste Zeit des Wochenendes, von Kurve fünf bis zwölf war er hingegen zwei Zehntel langsamer als der Mercedes.
| Fahrer - Finale Runde Q3 | Sektor 1 | Sektor 2 | Sektor 3 | Rundenzeit |
|---|---|---|---|---|
| Antonelli | 18.934 | 33.989 | 19.128 | 1:12.051 |
| Verstappen | 18.827 | 34.184 | 19.083 | 1:12.094 |
| Unterschied v. Verstappen | -0.107 | +0.198 | -0.045 | +0.043 |
Monaco als Wechselbad der Gefühle für Verstappen: Wegen 0,043 Sekunden sauer?
Am Ende ist es nur der Hauch eines Wimpernschlags, der Verstappen auf seine zweite Pole in Monaco fehlt. Ein so kleines Quäntchen ist für Normalsterbliche schwer zu visualisieren. "Ich mache das nie", meinte auch der Niederländer auf seine gewohnt direkte Art. "Es ist knapp. Manchmal bist du davor, manchmal dahinter. So ist das Leben. Ich war glücklich mit meiner Runde und als ich über die Linie gefahren bin, habe ich mir gedacht: Wenn jemand das unterbieten kann, dann hat er das verdient."
Die Frustration über den geringen Abstand war vor allem seinem Renningenieur GianPiero Lambiase am Funk anzuhören. "Ach, Pech. Vier Zehntel, aber erste Startreihe", sagte dieser, als Antonelli die Ziellinie überquerte.
"Ich denke, es war im Allgemeinen ein sehr gutes Qualifying", lautete Verstappens Resümee. "Wenn du mir gestern erzählt hättest, als wir ganz in Ordnung waren, dass wir morgen in der ersten Reihe stehen, hätte ich es nicht geglaubt. Nach dem schwierigen FP3 so im Kampf zu sein, war ein großartiger Erfolg des Teams. Es war ein sehr guter Umschwung. Gestern war ich ziemlich happy, heute Morgen war ich gar nicht happy und jetzt bin ich wieder happy. Wir waren gut, als es drauf ankam."
Unsicherheitsfaktor Start? Verstappen bereitet sich vor
Das Qualifying ist in Monaco bekanntlich die wichtigste Session, doch im Rennen kann noch viel passieren. Nicht an Überholmanövern, aber an Kollisionen und Ausfällen. Dazu hat sich der Start in diesem Jahr ebenfalls als noch größere Krux als sonst herausgestellt – gerade bei den zwei Piloten in der ersten Startreihe.
"Morgen ist noch der Start, der in diesem Jahr kritischer zu sein scheint als die Jahre davor. Damals war es nicht so ein großes Ding, würde ich sagen. Das ist noch immer etwas, das wir uns anschauen müssen", weiß auch Verstappen. Red Bull hat 2026 keine gute Bilanz in diesem Departement. Der Niederländer verlor bisher insgesamt 31 Plätze auf den ersten Metern. Antonelli erging es ähnlich. Mercedes änderte für ihn sogar die Kupplung.
Ferrari ist hingegen bekannt für ihre Raketenstarts. Mit Lewis Hamilton auf P3, der seinen ersten Sieg in Rot jagt, und Lokalmatador Charles Leclerc auf P4, für den ein Monaco-Sieg alles und mehr ist, muss sich Verstappen auf zwei sehr schwierige Gegner gefasst machen.
"Ich hoffe auf einen guten Start", meinte Hamilton in Hinblick auf den Grand Prix. "Vielleicht die beiden vor mir etwas unter Druck setzen. Ich werde versuchen, sie dazu zu drängen, einige Kurven nicht richtig zu kriegen." Doch auch er weiß, wie schwer das Überholen in Monaco mit den überhitzenden Autos und Bremsen ist. Und Hamilton weiß auch, dass er mit Verstappen und Antonelli zwei Spitzenpiloten vor sich hat.
Beim letzten Rennen in Montreal kamen beide gut vom Fleck und bis zu St. Devote sind es in Monaco weniger als 150 Meter, die kürzeste Anfahrt zu Kurve eins im F1-Kalender. Das und die engen Wände selbst auf der Start-Ziel-Geraden kommen ihnen entgegen. Solange es beide heil durch die erste Kurve schaffen, was auch keine Garantie ist.



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