Kimi Antonellis Pole Position für das Formel-1-Rennen in Monaco gleicht einem Meilenstein in der Karriere des jungen Italieners. Unter maximalem Druck hielt der Mercedes-Star stand und hatte auf dem schwierigsten aller F1-Kurse gegen den wohl besten aller F1-Fahrer jedes Mal die richtige Antwort. Das Duell mit Max Verstappen verlangte ihm am Samstag alles ab - dabei hatte er mit diesem Gegner so gar nicht gerechnet.
"Ich zittere immer noch! Es war super intensiv. Hier gibt es keinen Platz für Fehler. Wenn es darum geht, die letzten zwei, drei Zehntel abzufeilen, das ist nie einfach", erklärt der 19-Jährige, für den es die vierte Pole in der laufenden Saison sowie seiner Formel-1-Laufbahn ist. Im FP3 hatte er mit einer deutlichen Bestzeit bereits die Favoritenrolle von Ferrari übernommen, die am Freitag noch den Ton angegeben hatten.
"Das Team hat seit gestern einen unglaublichen Turnaround hingelegt, was das Setup angeht. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass wir wirklich gekämpft haben", so Antonelli, der im dritten Training drei Zehntelsekunden schneller als der zweitplatzierte Charles Leclerc war. "Das Auto fühlte sich am Morgen gleich viel lebendiger an. Es war über die Kerbs und die Bodenwellen ruhiger. Das Team hat mit dem Setup tolle Arbeit geleistet. Das hat uns so viel Performance gegenüber gestern gebracht und in den Kampf um die Pole."
Überraschender Verstappen-Showdown verlangt Antonelli alles ab
Der Kampf um die Pole war dann aber doch ein anderer als erwartet. Im Qualifying kristallisierte sich dann ein ganz anderer Endgegner heraus. "Ehrlich gesagt habe ich Max und Red Bull gar nicht erwartet. Sie hatten im FP3 noch ihre Schwierigkeiten", sagt Antonelli, der die Pole im Q3 alleine mit dem vierfachen Weltmeister ausmachte. Charles Leclerc war der Dritte im Bunde, doch er veranschiedete sich aus dem Kreis der Favoriten gleich mehrfach. Den ersten Run musste er nach einem Rutscher abbrechen, bei der letzten Attacke knallte er an die Leitplanke.
Im ersten Run des Q3 war Antonelli nur eine Tausendstelsekunde schneller als Verstappen. Beim letzten Versuch legte der Niederländer mit 1:12.094 Minuten vor, doch der Teenager hatte wieder die richtige Antwort. "Ich wusste nicht, wie viel ich mich verbessere. Ich habe das Delta nur vor dem Tunnel und auf der Ziellinie gesehen. Ich wusste auch die Zeit von Max während meiner Runde nicht", erklärt der Pole-Setter.
Am Ende reichte ihm auch diesmal der Hauch von 0,043 Sekunden, um die erste Verstappen-Pole des Jahres zu vereiteln: "Es fühlte sich einfach nach einer guten Runde an. Alles passte zusammen, ich wusste nicht wo ich war. Besonders der zweite Sektor war toll, aber dann kam die Bestätigung über den Funk. Das ist hier alles so intensiv. Du denkst nur daran, so schnell wie möglich zu fahren, ohne einen Fehler zu machen. Du weißt erst nach der Linie, wo du stehst."
Monaco-Pole in der Formel 1 diesmal keine Sieg-Garantie?
Normalerweise hat der Fahrer auf der Pole Position in Monaco schon eine Hand am Siegerpokal - sofern er diese am Start in eine Führung verwandelt. Doch mit den Autos der Generation 2026 ist das alles andere als klar, schon gar nicht mit dem Mercedes. Dementsprechend skeptisch ist Antonelli.
"In Montreal war es das erste Mal, dass wir nicht sechs oder sieben Plätze sondern nur einen verloren haben", mahnt der WM-Leader, der in Monaco morgen den kurzen Weg bis zur ersten Kurve überstehen muss. "Ich muss einfach einen sauberen Start hinlegen, ich muss nicht zaubern. Dann sehen wir."
Doch auch wenn ihm das gelingen sollte, weiß er, dass es auf dem Stadtkurs wie immer ein langer Nachmittag wird. "Du kannst immer einen großen Fehler machen, denn es ist hier sehr schwierig. Es ist immer noch Monaco", sagt er. "Mir ist klar, wen ich hinter mir habe und wie gut sie sind. Sie werden mich unter Druck setzen. [...] Ich brauche eine gute Pace, der Reifenverschleiß wird wohl etwas höher als erwartet. Ich habe nicht wirklich einen Longrun versucht, also haben wir nicht viele Daten."
Mit Blick auf die Gesamtwertung hat er am Sonntag aber wohl wenig zu befürchten. Mercedes-Teamkollege George Russell kam im Qualifying nicht über Platz sechs hinaus. Dem Briten raucht nach der nächsten Klatsche gegen Antonelli der Kopf. Wie er die Misere erklärt, könnt ihr hier nachlesen:


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