Audi war mit großen Hoffnungen in den Qualifying-Tag von Monaco gestartet, doch schon am Ende von Q2 musste man schwer enttäuscht einpacken. Nichts wurde es mit dem angepeilten doppelten Top-10-Start, den die Formel-1-Trainings zu versprechen schienen. Stattdessen flirteten beide Fahrer mit den Leitplanken, mindestens einer mit bösen Folgen.

Davor hatte ein Audi in allen drei Trainings das Mittelfeld angeführt und sogar zeitweise den Anschluss an die strauchelnden McLaren hergestellt. Q1 begann genauso vielversprechend. Besonders für Nico Hülkenberg, der mit einer 1:13,923 kurz vor der roten Flagge gar auf den sechsten Zwischenrang fuhr.

Gabriel Bortoleto crasht, Nico Hülkenberg kann plötzlich nicht schneller

Diese folgende rote Flagge war auf der anderen Garagenseite jedoch der erste Tiefschlag. Gabriel Bortoleto hatte eingangs der Hafenschikane zu aggressiv gezielt und mit dem linken Vorderreifen die Leitplanke getroffen. Die Aufhängung brach, und Bortoletos Qualifying war vorbei.

"Ich habe keinen guten Job gemacht", verflucht sich Bortoleto für einen offensichtlich unnötigen Fehler. "Kein Grund, so viele Risiken in Q1 zu nehmen. Wir wussten seit FP1, dass wir Top-10-Pace hatten." Der Audi war so stark, dass ein Q1-Aus keine besonders große Gefahr darstellte. Tatsächlich reichte Bortoletos beste Zeit vor dem Unfall sogar für einen Q2-Einzug, nur teilnehmen konnte er eben nicht und wird daher von P16 losfahren.

Gabriel Bortoleto am Samstag bei der Formel 1 in Monaco nach seinem Crash
Bortoleto direkt nach dem Mauerkuss, Foto: IMAGO / kolbert-press
Gabriel Bortoleto am Samstag bei der Formel 1 in Monaco nach seinem Crash
Bortoleto konnte mit verbogener Aufhängung nicht mehr weiterfahren, Foto: IMAGO / kolbert-press

"Schade, das Auto nicht dort hinzustellen, wo es das Team verdient hat", so Bortoleto. Die nun allein auf Nico Hülkenberg ruhenden Hoffnungen verpufften nur wenige Minuten später in Q2. Hülkenberg war im zweiten Segment nicht und nicht in der Lage, den nötigen nächsten Schritt zu machen und seine Q1-Pace zu verbessern. Es folgte eine magere 1:39,902, dann eine 1:14,091. Tatsächlich ist Audis beste Zeit des Wochenendes eine 1:13,820 von Bortoleto - in FP3.

Bei näherer Betrachtung konnte sich Audi seit Freitagabend - in FP2 fuhr Hülkenberg 1:14,094 - nicht mehr wirklich verbessern. "Ich weiß nicht, wir konnten keine Zeit oder keinen Grip finden", wundert sich Hülkenberg, der schließlich auf P13 hängenblieb. "Während die anderen einen weiteren Schritt machten und etwas mehr lieferten, konnten wir das nicht, oder ich konnte es nicht finden. Da raufen wir uns jedenfalls etwas die Haare, das ist definitiv enttäuschend und sah deutlich vielversprechender aus."

Warum stagnierte Nico Hülkenberg im Qualifying von Monaco?

Die Ursachenforschung gestaltet sich schwierig. Definitiv fand Audi nach dem Qualifying einen kleinen Schaden am Unterboden. Woher kam der? Tatsächlich touchierte auch Hülkenberg in Q1 einmal die Leitplanken. Am Einlenkpunkt von Rascasse war er auf seiner ersten schnellen Runde schon zu aggressiv.

Die Berührung mit dem rechten Hinterrad sah zwar ordentlich aus, schien Hülkenberg aber wenige Minuten später nicht davon abzuhalten, die sechstschnellste Q1-Zeit zu fahren, was ihre Auswirkungen in Sachen dauerhaftem Schaden in Zweifel zieht. Hülkenbergs letzte Runde - die 1:14,091, langsamer als seine zwei Runden davor - war dafür auch von einer Reihe an Kleinigkeiten untergraben worden.

Erst hatte Hülkenberg im letzten Sektor rausnehmen müssen, weil zu viel Verkehr vor ihm war. Dann wurde er in Rascasse kurz vor Beginn seiner schnellen Runde von einem Ferrari überholt, der eine Laderunde anhängte - den Hülkenberg also kurz darauf wieder überholen musste. Etwas aus dem Rhythmus, und mit dem Schaden am Heck, schien Hülkenberg immer mehr mit der Traktion zu hadern, bis zu einem sichtlichen Quersteher raus aus der Hafenschikane.

Den Abschluss bildete Arvid Lindblads Racing Bull, der ihm zu Rundenende in Rascasse erst in letzter Sekunde auswich. Wie dem auch sei, letztendlich reichte es nicht. Diese Enttäuschung muss Audi jetzt wegstecken. "Das Rennen wird morgen schwierig mit den Startplätzen, die wir haben", akzeptiert Audi-Renndirektor Allan McNish, "anstatt den Startplätzen, die wir haben hätten können, wenn wir das meiste aus unserer Pace gemacht hätten."

Ähnlich wie Audi blieb auch Ferrari am Samstag in Monaco hinter den Erwartungen zurück. Woran es hier lag, erklären Lewis Hamilton und Charles Leclerc im folgenden Artikel: