Die Hoffnungen waren groß, dass Ferrari bei der Formel 1 in Monaco nach starken Freitags-Trainings um die Pole kämpfen würde. Dann verpuffte die Challenge von Lewis Hamilton und Charles Leclerc am Samstagnachmittag im Qualifying. Leclerc beendete eine Fehlerserie in Q3 schließlich in der Wand, und Hamilton verzweifelt an einem mysteriösen Formumschwung im SF-26.

"Die Pace sah gut aus", blickt Hamilton verwundert auf den Freitag zurück. Mit Bestzeit hatte er das 2. Freie Training beendet, doch am Samstag wandelte sich das Bild. 0,228 Sekunden fehlten Hamilton auf die Pole. Als Drittplatzierter war er im Showdown um den ersten Startplatz zwischen Kimi Antonelli und Max Verstappen nie richtig dabei gewesen.

"Wir haben heute einen Schritt zurück gemacht, viel Performance über Nacht verloren, und zu Beginn des Qualifyings war das Auto richtig schlecht", ärgert sich Hamilton. In Q1 war seine beste Zeit sieben Zehntel langsamer als seine FP2-Bestzeit vom Freitag. Und auch wenn er den Grund nicht kennt, so kann Hamilton zumindest die Symptome verraten.

Ferrari-Balance kippt für Monaco-Qualifying komplett

Am Freitag hatte der Ferrari mit guter Traktion bestochen. Wenn, dann hatten die Fahrer eine etwas schwache Vorderachse beklagt. Doch als Hamilton in Q1 loslegte, fand er eine völlig gekippte Balance vor: "Wir hatten eine viel zu starke Vorderachse. Ich musste gut 10 Löcher zurückgehen, aus irgendeinem Grund."

Damit bezieht er sich auf Änderungen am Anstellwinkel des Frontflügel-Flaps - eine der wenigen Anpassungen, die nach Beginn eines Qualifyings unter Parc ferme noch erlaubt sind. Den Winkel hier gleich zehn Positionen zu ändern, ist während eines Qualifyings, wo das Setup eigentlich schon aussortiert sein sollte, eine gigantische Anpassung. "Das Auto war am Limit, und ich auch, so gut es ging."

"Bis zur letzten Runde in Q3 war das Auto etwas vernünftiger, aber ich hätte den Rhythmus aufbauen müssen, und der war in Q1 komplett weg", ärgert sich Hamilton. Nichts ist in Monaco wichtiger, als den Rhythmus zu finden. Wer permanent am Frontflügel-Winkel schraubt, der macht sich das unnötig schwer. "Ich versuchte zurückzuholen, was ich konnte, da bin ich mit P3 relativ happy."

Was lief schief beim Ferrari-Setup in Monaco?

"Wir müssen uns wirklich anschauen, was sich geändert hat", fordert Hamilton entsprechend. Groß umgebaut will er das Setup seit dem Freitag nicht haben: "Ich glaube nicht, dass wir in die falsche Richtung gegangen sind. Es waren die kleinsten Anpassungen. Ein Millimeter hier und da."

Natürlich ist es in Monaco traditionell schwierig, das Setup für das Qualifying zu perfektionieren. Der Asphalt hier baut mit laufendem Fahrbetrieb über das Wochenende hinweg massiv Grip auf, was man bei der Setup-Arbeit auch bis zu einem gewissen Grad vorausahnen muss. Außerdem war der Asphalt zu Beginn des Qualifyings fast 50 Grad heiß - weit über 10 Grad heißer als im 2. Training.

Hat sich Ferrari also vielleicht zu sehr auf dem guten Freitags-Ergebnis ausgeruht? Eine Frage, die erst die Rückschau in Maranello beantworten wird. Ohne Pole wird der Sieg jetzt aber aus der zweiten Reihe sehr schwierig: "Ihr wisst, wie diese Rennen hier laufen. Es ist sehr schwer, ich denke, Überholen wird nicht gehen."

Charles Leclerc arbeitet sich im Monaco-Qualifying bis zum Crash

Charles Leclerc kann indessen froh sein, immerhin noch neben Hamilton zu stehen. Seit Kanada plagt ihn ein unerklärbares Problem einer unberechenbaren Bremse. Das ging im Monaco-Qualifying weiter. "Keine große Überraschung", beurteilt Leclerc nach dem Qualifying die Tatsache, dass er auf dem letzten Q3-Schuss mit dem rechten Hinterrad in Tabac dann die Bande küsste.

"Ich tue mir schwer zu wissen, wie es sich anfühlen wird, und mir fehlen die richtigen Referenzen", erklärt Leclerc. Auf seiner ersten Q3-Runde hatte er schon einen heftigen Quersteher in Massenet abfangen müssen. Danach stellte er seinen Fahrplan für den zweiten Reifensatz um. Eine Sicherheitsrunde, gefolgt von einer Kühlrunde, dann eine letzte Runde volle Attacke. Die Sicherheitsrunde brachte ihm P4 mit 3 Zehnteln Rückstand ein. Die Attacke den Mauerkuss: "Ich habe da etwas anderes probiert. Es war gut, aber am Ende hat es sich nicht ausgezahlt."

"Ich wusste von Anfang an, heute würde es sehr schwierig sein, irgendwas hinzubekommen", räumt Leclerc am Ende ein. "Ich bin recht zuversichtlich, dass wir für das nächste Rennen eine Lösung haben werden, aber bislang ist es sehr schwierig."