Viermal hat Max Verstappen bereits auf dem Circuit Gilles Villeneuve gewonnen, doch sein dritter Platz im Kanada GP 2026 fühlte sich womöglich noch etwas besser an. Nach einer frustrierenden Formel-1-Saison mit Pech und einem schwierigen Auto holt der Red-Bull-Fahrer endlich sein erstes Podium und dabei auch den ersten Podestplatz für Ford seit 2003.
"Ich bin etwas überrascht, dass ich auf dem Podium bin", gestand Verstappen in der Top-3-Pressekonferenz nach dem Rennen. "Ich habe mich in Miami im Auto besser gefühlt. Aber wenn man es sich ansieht: George [Russell] fiel aus, die McLarens haben die Strategie verpatzt. Ich bin sehr glücklich. Für mich war es das erste normale Rennen ohne verrückte Vorkommnisse. Das war auch gut."
Nach einem problemreichen Qualifying sah es eigentlich so aus, als würde der Große Preis von Kanada ein weiteres Stück harte Arbeit für Verstappen werden. Doch dann sah er, dass Oscar Piastri und Lando Norris vor ihm auf trockener Strecke Intermediate-Reifen aufgezogen hatten. "Das war großartig. Tolle Entscheidung. Als ich das gesehen habe, dachte ich mir: Danke!", konnte sich Verstappen einen sarkastischen Seitenhieb nicht verkneifen. Durch den Strategiefehler kam er schon früh von Platz sechs auf Platz vier vor. Wie McLaren die Reifenwahl rechtfertigt, lest ihr hier:
Verstappen vs. Hamilton imponieren einander in Kanada
Damit befand er sich direkt hinter seinem alten WM-Rivalen Lewis Hamilton. In einem entscheidenden Manöver stach er von weit hinten in Kurve eins innen rein und setzte sich vor den Ferrari. "Wir haben hier sehr wenig Energie, aber wenn du innerhalb einer Sekunde bist, darfst du mehr einsetzen. Auf der Geraden bekommst du dadurch mehr Speed, was gerade hier sehr effizient ist", erklärte Verstappen.
Über mehrere Virtual-Safety-Car-Phasen und gelbe Flaggen hielt Verstappen den Rekordweltmeister hinter sich. Das Spiel kannten die beiden. Mit George Russells Ausfall wurden sie beide auf die Podiumsplätze vorgespült. In den letzten 15 Runden fiel dann die Temperatur von Verstappens Medium-Reifen ab.
"Auf dem Soft waren wir konkurrenzfähiger. Auf dem Medium hatte ich das Gefühl, dass ich sie nie anheizen konnte. Also war der Reifen einfach nicht im richtigen Fenster und das hat es in dem Stint etwas schwieriger gemacht, den Grip zu spüren", so der Red-Bull-Fahrer. Hamilton robbte sich heran und ging sechs Runden vor Schluss außen in Kurve eins an Verstappen vorbei.
Der ließ ihn aber nicht abreißen. Bis zur schwarz-weiß karierten Flagge hielt er sich weniger als eine Sekunde hinter Hamilton auf. Jeglicher Angriff war jedoch erfolglos und Verstappen ging 0,508 Sekunden hinter dem Ferrari über die Ziellinie. Nach dem Rennen schwärmten er und Hamilton von ihrem Duell. "Es war sehr gut, ich habe es sehr genossen", meinte Verstappen. "Wir haben Vollgas gegeben, das war großartig." Hamilton zollte seinen Respekt: "Es war absolut fantastisch, mit einem der Großen zu kämpfen."
Mekies mindert Red-Bull-Aufwärtstrend: "Kein Grund, sich zu sehr zu freuen"
"Wir haben gute Arbeit geleistet. Unser erstes Podium einzufahren, ist sehr positiv. Damit bin ich sehr zufrieden, vor allem in diesen schwierigen Bedingungen", fasste Verstappen zusammen. Die Red-Bull-Updates von Miami und Montreal haben sich also als wirksam herausgestellt. Dieser Meinung ist zumindest Teamchef Laurent Mekies.
Er warnt aber vor verfrühtem Übermut: "Es gibt wahrscheinlich keinen Grund, sich zu sehr zu freuen. Es könnte auch sein, dass uns die Streckencharakteristika entgegengekommen sind. Vielleicht hat die Strecke einige Aspekte des Autos verziehen." Dennoch sei es ein Erfolg, dass man näher an der Konkurrenz ist, wenn man bedenkt, dass die anderen Teams ebenfalls teils große Update-Pakete nach Kanada brachten. "Wir sind auf dem richtigen Weg", bestätigte der Teamchef.
Alle Falten sind aber noch nicht ausgebügelt. Verstappen schimpfte über das Wochenende hinweg über heftiges Bouncing, dann über die Reifen und den Topspeed. In der Fabrik in Milton Keynes wird bereits fleißig an den Problemen gearbeitet, so Mekies: "Die Jungs machen alle Analysen der Welt, um Lösungen für die Probleme zu finden und dabei noch Rundenzeit rauszuschlagen. Es sind komplexe Probleme, davon haben wir viele. Aber nichts, was 2026 nicht repariert werden kann."



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