Audi reist auch aus Kanada ohne Zählbares ab. Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto blieben beim fünften Rennen der Formel-1-Saison 2026 zum vierten Mal in Folge ohne Punkte - dabei wurden die Zähler in Montreal beinahe auf dem Silbertablett serviert. Falsche Reifenwahl, Strafen, ein Dreher und vor allem mangelnde Pace verhinderten aber ein besseres Ergebnis. So kamen Hülkenberg und Bortoleto nicht über die Positionen 12 und 13 hinaus.

Audi-Misere beginnt schon vor Kanada-Rennstart

Die Audi-Misere begann schon vor dem Start: Beide Piloten entschieden sich, auf den Intermediates zu starten. Allerdings hörte der leichte Nieselregen noch vor dem Rennstart der Formel-1 auf. Dass es zwei Extra-Formationsrunden gab, machte die Entscheidung noch ärgerlicher. So konnte man kaum von den suboptimalen Bedingungen profitieren, weil die Strecke weiter auftrocknete. Genau wie die beiden McLaren verloren die beiden Audi massiv Zeit.

Wie die anderen fünf Intermediates-Starter mussten die beiden Audi-Piloten deshalb früh einen Extra-Stopp einlegen. In Runde zwei kamen Hülkenberg und Bortoleto direkt hintereinander. "Unser Auto ist sehr reifenschonend, aber auf der anderen Seite bekommen wir sie dadurch nur schwer auf Temperatur", erklärte Hülkenberg die Entscheidung, auf Intermediates zu starten. "Schon die Sichtungsrunden waren sehr grenzwertig."

"Wir haben am Start sowieso Probleme, also sind wir lieber auf Intermediates gegangen", fügt Bortoleto an. Die Audi-Piloten lagen nach der Start-Lotterie und den frühen Stopps auf den Rängen 17 und 19. Aus den zahlreichen Ausfällen in Kanada konnte man aber nur bedingt Kapital schlagen.

"Es war nicht nur die Strategie, auch die Pace hat gefehlt", meint Hülkenberg. Sainz, der ebenfalls den falschen Startreifen wählte, schaffte es im Williams noch auf Platz neun. Ollie Bearman, der mit dem Haas-Update und einem 25-Sekunden-Boxenstopp kämpfte, holte Platz zehn.

Aber warum kam Audi auf der Île Notre-Dame nicht in Fahrt? Die niedrigen Temperaturen bereiteten dem Auto mit den vier Ringen große Probleme. "Es war noch schlechter als erwartet", erklärt Bortoleto. "Es war wie auf Eis." Bei 12 Grad Umgebungs- und 17 Grad Asphalttemperatur bekam man die Pirelli-Pneus nicht auf Temperatur.

Neben den kühlen Temperaturen kommt der Charakter des Circuit Gilles Villeneuve Audi nicht entgegen. Weil es keine schnellen Kurven gibt, werden die Reifen strukturell nicht gefordert und entsprechend nicht erwärmt. Die zahlreichen Beschleunigungszonen sind Gift für den V6 aus Neuburg an der Donau, der bekanntermaßen über ein nicht unerhebliches PS-Defizit verfügt.

Hülkenberg und Bortoleto beschäfigten Formel-1-Stewards

Dazu leisteten sich beide Fahrer Fehler. Nico Hülkenberg kassierte eine 5-Sekunden-Strafe, weil er in der Boxengasse mit 80,3 km/h statt der erlaubten 80,0 Stundenkilometer geblitzt wurde. Sechs Runden vor Rennende kam er beim Anbremsen auf Kurve 1 leicht aufs Gras und drehte sich. Am Ergebnis änderten die Fehler genauso wenig wie die 5-Sekunden-Strafe für Bortoleto. Der Brasilianer war in einer VSC-Phase zu schnell gefahren.

Die Stewards bekamen es aber noch einmal mit Audi und Hülkenberg zu tun. Nach Rennende wurde eine Szene untersucht, die sich bereits vor dem Start abgespielt hatte. Beim Vorstart ging Liam Lawson am Deutschen vorbei, soweit so gut. Hülkenberg verpasste es aber, die Position bis zur zweiten Safety-Car-Linie zurückzuholen.

Laut Reglement hätte Hülkenberg deshalb am Ende der Formationsrunde in die Boxengasse abbiegen müssen, tat das aber nicht. Die Stewards hatten Erbarmen und sprachen die eigentlich fällige Stop-and-Go-Strafe nur auf Bewährung aus. Dazu gab es eine Verwarnung. Immerhin hatte Hülkenberg die richtige Startposition eingenommen und den Start nicht verzögert.

Licht am Ende des Audi-Tunnels

Immerhin: Nach großen Zuverlässigkeitsproblemen bei den letzten Rennen hatte Audi zumindest diesbezüglich ein sauberes Wochenende. Und die Ingolstädter dürften sich auf die nächsten Rennen freuen: In Monaco dürfte das Power-Defizit weniger schwer wiegen. Bei der Fahrbarkeit muss Neuburg aber für das Fürstentum nachbessern. Apropos nachbessern: Mit Kanada endet die erste Phase der ADUO-Beurteilung. Audi dürfte nun offiziell die Erlaubnis erhalten, am Motor nachzulegen.

Die restlichen großen Themen des Rennens rund um Mercedes, McLaren und das Duell zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen haben wir im folgenden Video gesprochen. Jetzt anschauen!

Falsche Reifenwahl! Strategie-Fail von McLaren nicht schlimm? (17:47 Min.)