George Russell und Kimi Antonelli brannten bei der Formel 1 in Kanada eine wahre Show ab. Nachdem sich die beiden Mercedes-Fahrer am Samstag im Sprint ein hartes Duell geliefert hatten, machten sie am Renntag gleich dort weiter, wo sie tags zuvor aufgehört hatten. Erneut lieferten sie sich ein kompromissloses Duell, bei dem die Führung mehrfach wechselte.

Der Krieg der Sterne an der Spitze des Feldes lief bis Runde 30. Und er wäre höchstwahrscheinlich fortgesetzt worden, hätte ein Motorschaden am Auto von Russell das Sieg-Duell nicht jäh entschieden. "Sonst wäre das bis ganz zum Ende weitergegangen", ist sich Andrea Kimi Antonelli sicher. Obwohl Russell nach seinem Aus schwer enttäuscht über die Fortsetzung seiner Pechsträhne war, fand er nach dem Rennen ausschließlich gute Worte zu dem harten Duell mit seinem Rivalen in der Formel-1-WM.

George Russell feierte Duell mit Kimi Antonelli

"Ich habe es geliebt. Es war großartig. Ich hatte seit Jahren keinen derartigen Kampf mehr", betonte Russell und stellte einen historisch ziemlich gewagten Vergleich an: "Ich habe einen solchen Zweikampf wahrscheinlich nicht mehr gesehen seit Lewis gegen Nico in Bahrain 2014." Damals war die Ausgangslage ähnlich. Nico Rosberg und Lewis Hamilton duellierten sich mit ihren drückend überlegenen Mercedes in der 'Wüstenschlacht' fernab jeglicher Verfolger um den Rennsieg.

Der Unterschied zu 2026: Damals befand sich das persönliche Verhältnis zwischen den beiden einstigen Freunden auf einer Talfahrt. Zwischen Antonelli und Russell ist man derzeit noch nicht so weit - obwohl es während dem Rennen zu einigen hitzigen Funksprüchen kam. Vor allem Antonelli wollte in Runde 24 nicht einsehen, warum er, nachdem er die Schikane im Duell abkürzte, seine Position an Russell zurückgeben müsste. Doch er gehorchte dem Team schließlich.

Nach dem Rennen war von diesem Unmut beim siegreichen Italiener natürlich nicht mehr viel übrig. Stattdessen lobte auch er den Zweikampf mit Russell in vollsten Zügen: "Es war ein ziemlich spaßiger Kampf, um ehrlich zu sein. Wir waren so ziemlich am Limit."

Über dem Limit? Toto Wolff: "Hätte in einem Doppel-Ausfall enden können"

Wie schon im Sprint traf man bei Mercedes die Entscheidung, beide Fahrer frei gegeneinander kämpfen zu lassen. Nur einmal gab es eine kurze Ermahnung von der Boxenmauer, dass man es vorsichtiger angehen möge. Allerdings sei das alles andere als ein Kampfverbot gewesen, betont Teamchef Toto Wolff: "Das bedeutete nicht, dass sie aufhören sollten. Es bedeutete nur, dass sie unter Beobachtung stehen."

Denn auch wenn der Österreicher grundsätzlich keinen Verstoß gegen die teaminternen Zweikampf-Regeln ausgemacht hatte, war er nicht über alle Aktionen glücklich: "Wir hatten einige Situationen, die in einem Doppel-Ausfall hätten enden können. Und als Fahrer ist man sich sehr wohl darüber im Klaren, wo man sein Auto platziert und wie viele Risiken man nimmt", weiß der ehemalige Sportwagen-Pilot.

Er kündigte nach dem Formel-1-Rennen eine eingehende Analyse zusammen mit den Fahrern an: "Ich denke, wir werden uns die Bilder von heute anschauen und wollen sie zu ihren eigenen Schlussfolgerungen kommen lassen." Über welche Zwischenfälle Wolff redet, lässt sich leicht mutmaßen. Einmal fuhr Antonelli Russell beinahe ins Heck, als er bei einer Attacke zurücksteckte, später gab es in der letzten Schikane eine leichte Berührung zwischen dem Duo.

Die Entscheidung, dem Duell keinen Riegel vorzuschieben, ist laut Wolff auch vor dem Hintergrund erfolgt, dass es keine Bedrohungen für den Mercedes gab. Auch wenn während des Zweikampfes zwischendurch Max Verstappen als erster Verfolger mal eine halbe Sekunde pro Runde aufschließen konnte, war es für den W17 nie ein Problem, die Pace bei Bedarf – und nach Einstellung der Zweikampf-Handlungen – wieder anzuziehen.

Unter anderen Voraussetzungen wäre das Team möglicherweise eingeschritten. "Falls es eine Situation geben würde, wo wir glauben, dass Teampunkte in Gefahr sind, oder wir zu viel Zeit auf die Konkurrenten verlieren, dann hätten wir keine Scheu, die Handbremse einzulegen", erklärte Wolff. Doch in Montreal sah er offenbar keine derartige Situation. So wurden die Formel-1-Fans mit einem spannenden Zweikampf verwöhnt.