Die neue Ära der Formel 1 ist erst drei Rennen alt, doch es wird bereits intensiv darüber diskutiert, welche Stellschrauben am noch jungen Reglement justiert werden müssen. Am Montag steht ein entscheidendes Meeting an. Tatsächlich könnte an der vielleicht größten Stellschraube im Werkzeugkasten der Formel 1 gedreht werden: die Senkung des Rekuperationslimits.
"Wenn man weniger Energie zurückgewinnt, reduziert das zwangsläufig auch die Menge, die man einsetzen, also deployen, kann", erklärt Hoagy Nidd, Head of Car Engineering bei Haas. Der Gedankengang: Muss weniger Energie "geerntet" werden, verschieben sich die Rekuperationsphasen. "Man kann einen größeren Anteil dessen, was man benötigt, während der Bremsphasen oder unter Teillast am Kurvenausgang zurückgewinnen, also in den ohnehin grip-limitierten Bereichen der Strecke."
Clipping als neues Schreckgespenst?
Für die Piloten würde sich das Fahren dadurch wieder normaler anfühlen, weil sie nicht gezwungen wären, am Kurvenausgang künstlich mit Teillast zu fahren, um das Deployment für strategisch wichtigere Streckenabschnitte aufzusparen. Aktuell dürfen pro Runde 9 Megajoule (MJ) rekuperiert werden, im Rennen maximal 8,5 MJ. Beim Japan-GP wurde dieses Limit im Qualifying bereits auf 8 MJ gesenkt.
Wie weit die FIA runtergehen will, ist unklar - im Fahrerlager kursieren Zahlen zwischen 4 und 7 MJ. Klar ist jedoch: Sinkt das Rekuperationslimit, sinkt die Gesamtleistung der Autos. Die Rundenzeiten werden langsamer. Zudem droht vermehrt Clipping. Von Clipping spricht man, wenn die Elektro-Power zurückgefahren wird oder sogar auf null geht. "Es ist gewissermaßen so, dass man ein neues Problem einführt, um ein anderes zu lösen. Das ist vielleicht nicht ideal, aber an diesem Punkt stehen wir wohl gerade mit der aktuellen Hardware im gesamten Grid", räumt Nidd ein.
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Kundenteams haben nie oberste Priorität
Die Komplexität des Energiemanagements zementiert derzeit auch die Vormachtstellung der Werksteams. Einige Kundenteams monierten, dass sie zu stark an die Software-Vorgaben der Motorenlieferanten gebunden sind, da ihnen das tiefgreifende Verständnis für die komplexen Algorithmen fehlt.
Laut Nidd ist dies jedoch die "Natur der Sache" in der modernen Formel 1: "Wir können zwar Feedback geben, aber wir werden für den Hersteller niemals die oberste Priorität sein. Das ist die Realität eines Kundenteams. Am Ende des Tages muss man mit dem Rennen fahren, was man bereitgestellt bekommt."



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