Die Formel 1 kann sich im Moment gar nicht von Anwärtern auf einen Grand Prix erwehren. Trotz eines 2026 geplanten Rekordkalenders von 24 Rennen stehen die Interessenten Schlange. Am Freitag warf eine weitere Stadt offiziell ihren Hut in den Ring, um ein Rennen an Land ziehen zu können.
Dabei handelt es sich um Incheon in Südkorea. Eine Stadt, die in Europa den wenigsten ein Begriff ist, aber mehr als drei Millionen Einwohner zählt. Die Ambition, ein Formel-1-Rennen abzuhalten, gibt es in der drittgrößten Stadt des ostasiatischen Landes bereits seit April 2024. Damals ließ Incheons Bürgermeister Yoo Jeong-bok der Königsklasse im Rahmen des Japan-GPs eine Absichtserklärung zukommen, allerdings scheiterte er daran, private Investoren zu finden.
Jetzt gibt es also den zweiten Vorstoß. Die Pläne lesen sich ähnlich wie vor zwei Jahren. Geplant ist es, das Rennen auf einem Stadtkurs abzuhalten. In einer Pressekonferenz verkündete der Bürgermeister das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie zu einem Grand Prix in seiner Stadt und zeigte gleichzeitig auch schon einen Entwurf für das Streckenlayout.
Die Studie wurde gemeinsam mit dem Architekturbüro Tilke und einem nationalen Entwicklungsinstitut durchgeführt. Das berühmte Streckendesign-Büro ist die bekannteste Anlaufstelle für neue Formel-1-Kurse. Hermann Tilke baute zahlreiche moderne Rennstrecken, inzwischen leitet sein Sohn Carsten das Unternehmen.
Wo hätte Südkorea im F1-Kalender überhaupt Platz? Im Moment sieht dieser so aus:
Formel 1 Kalender 2026 - Rennen, Startzeit, Strecken
Neuer Formel-1-Stadtkurs? Das wären die Eckdaten der Incheon-Strecke
Wenn es nach den Plänen des Bürgermeisters geht, dann sollte schon 2028 ein Formel-1-Rennen nach Incheon kommen, das im dicht besiedelten Nordwesten des Landes liegt und geographisch beinahe mit der Hauptstadt Seoul zusammengewachsen ist. Ein Hauptaugenmerk der Studie liegt auf der Finanzierbarkeit des Kurses. Demnach kommt die Studie zum Schluss, dass der Grand Prix im Laufe von fünf Jahren sogar schwarze Zahlen schreiben würde. Dabei wird mit einer Zuschauerzahl von etwa 120.000 Besuchern gerechnet.
Als Austragungsstätte wurde der Songdo Moonlight Festival Park im Südwesten der Stadt nahe der Küste auserkoren. Dort sollen bereits bestehende Straßen und Verbindungswege im und um den Park für das Rennen genutzt werden. Der Entwurf rechnet mit einer Streckenlänge von 4,96 Kilometern, verteilt auf 15 Kurven und mit einer prognostizierten Rundenzeit von 1:17 Minuten.
Das würde einer ungefähren Durchschnittsgeschwindigkeit von 231 km/h entsprechen, womit die Strecke verglichen mit den aktuellen F1-Austragungsstätten im oberen Mittelfeld liegen würde. Die Top-Geschwindigkeit der Stadtstrecke von Incheon soll bei 337 km/h liegen.
Formel 1 bestätigt Beginn des Bewerbungsprozesses
Auch wenn sich diese Pläne schon sehr konkret lesen, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Stadt nach wie vor am Anfang des Prozesses für eine Aufnahme in den Formel-1-Kalender befindet. Denn zunächst muss das zuständige Ministerium konsultiert werden, um eine Genehmigung für die Abhaltung zu erhalten. Sollte sich der Staat querlegen, könnte das das Projekt schon auf den ersten Metern zum Scheitern bringen.
Die Formel 1 bestätigte gegenüber dem englischsprachigen Medium Crash.net, dass der formale Prozess für die Aufnahme in den Kalender eingeleitet wurde. Allerdings betonte auch sie, dass im Moment noch die nationale Regierung am Zug ist, bevor die Bewerbung überhaupt von der Königsklasse geprüft wird.
Südkorea ist für die Formel 1 kein komplettes Neuland. Der Staat auf der Pazifik-Halbinsel hielt bereits von 2010 bis 2013 vier Grands Prix auf einer damals neu errichteten Strecke im Süden des Landes ab. Der Korea International Circuit in Yeongam scheiterte aber letztendlich als Grand-Prix-Kurs.
Die Zuschauerzahlen waren geringer ausgefallen als erwartet und Pläne, rund um Teile der Strecke eine Stadt zu errichten, welche diesen Abschnitt zu einem Stadtkurs hätten verwandeln sollen, materialisierten sich nie. Der Kurs in Yeongam existiert zwar noch, wird allerdings von keinen bedeutenden internationalen Rennserien angesteuert.
Südkorea ist derzeit bei Weitem nicht der einzige Bewerber, das sich um eine Aufnahme in den F1-Rennkalender bemüht, es ist nicht einmal der einzige Bewerber mit einem Stadtkurs in Ostasien.



diese Formel 1 Nachricht