Auch das dritte Rennen der Formel-1-Saison 2026 steht ganz im Zeichen des neuen Reglements. Suzuka ist für viele Fahrer die Strecke schlechthin. Aber gilt das auch noch für die neue Fahrzeuggeneration? Oder muss das Energiemanagement so exzessiv betrieben werden, dass aus legendären Kurven wie den Esses, Degner oder Spoon durch die neuen F1-Motoren langweilige Streckenabschnitte werden?
Um das zu verhindern, hat die FIA am Strecken-spezifischen Reglement für das Energiemanagement leicht nachjustiert. Im Qualifying dürfen pro Runde jetzt nur noch 8,0 statt wie ursprünglich angedacht 9,0 Megajoule rekuperiert werden.
| Recharge-Grenzen | Max |
|---|---|
| Rennen | 8,5 MJ |
| Qualifying-Outlaps | 9,0 MJ |
| Trainings | 9,0 MJ |
Die Änderung wirkt auf den ersten Blick eigenartig. Tatsächlich aber soll sie dafür sorgen, dass die Piloten mehr Vollgas fahren können. Laut Brembo, dem italienischen Bremsenhersteller, auf dessen Produkte alle elf Teams zurückgreifen, zählt Suzuka zu den einfachsten Rennstrecken für die Karbon-Bremsen.
Nur 10 Prozent der gesamten Rundenzeit verbringen die Piloten auf der Bremse. Auf den 5,807 Kilometern gibt es lediglich einen wirklich harten Bremspunkt. Vor der Schikane verzögern die Autos von knapp 300 km/h auf rund 100 km/h. Alle anderen Bremspunkte sind fast schon vernachlässigbar.
Das führt dazu, dass auf der Bremse wenig Energie über die MGU-K rekuperiert werden kann. Die wäre aber nötig, weil laut FIA-Berechnungen 3.472 Meter theoretisch mit Vollgas gefahren werden. Ab 3.500 Meter zählt eine Strecke auch per F1-Reglement als besonders Energie-hungrig.
| Streckenlänge | 5,807 km |
|---|---|
| Vollgas-Anteil (ohne Energie-Probleme) | 3,472 km |
| Overtake-Abstand | 1,0 s |
| Sektoren ohne 200kW-Pflicht | T3-T6, T8-T9, T13-T14 |
| MGU-K Leistungs-Reset erlaubt | - |
Melbourne liegt leicht über dem Grenzwert. Deshalb durfte die Elektro-Leistung dort nur um 50 Kilowatt pro Sekunde zurückgefahren werden. Weil Suzuka darunter liegt, darf ganz regulär um 100 kW pro Sekunde zurückgefahren werden. Das verstärkt die Energie-Problematik.
Um diesem Effekt entgegenzuwirken, wurde das Rekuperationslimit im Qualifying herabgesetzt. Die Teams versuchen immer, das Maximum auszuschöpfen. Denn die Energie wird am Ende der Geraden eingesammelt und am Anfang der Geraden ausgegeben. Beschleunigungsphasen sind besonders Rundenzeit-sensitiv.
Deshalb bremsen die Ingenieure die Autos in der modernen Formel 1 auf längeren Geraden schon weit vor den Bremspunkten ab. Die Leistung der MGU-K wird nicht nur gedrosselt, der Motor wird sogar zum Generator und zapft die Leistung des Verbrenners ab, um die Batterie zu laden. Weil das bei Vollgas nur bis 250 kW erlaubt ist, sind die Fahrer an manchen Stellen sogar dazu gezwungen, vom Gas zu gehen, um mit den maximalen 350 kW zu rekuperieren.
Um genau diese Techniken zu verhindern, wurde das Rekuperationslimit herabgesetzt. Bei der FIA geht man davon aus, dass die 8,0 Megajoule auf natürlichere Art und Weise in den Bremszonen und im Teillastbereich rekuperiert werden können.
Die FIA bestimmte die Änderung nicht im Alleingang. Eigentlich veröffentlicht man schon vier Wochen im Voraus die genauen Energie-Regeln für die jeweilige Rennstrecke. Eine Reduktion des Standard-Werts von 9,0 Megajoule ist für Strecken, auf denen die Rekuperation schwierig ist, sogar vorgesehen.
In Japan entschloss man sich jedoch recht kurzfristig für die Änderung. Deshalb holte man sich die Zustimmung aller Motorenhersteller ein, die einstimmig für die Änderung waren.
Wichtig: Die Änderung gilt nur für das Qualifying. Im Renntrimm bleibt das Limit bei 8,5 Megajoule, respektive bei 9,0 Megajoule im Overtake-Modus. Kurios: Auch wenn sich für die Piloten das Fahren nun 'normaler' anfühlt, werden die Rundenzeiten langsamer.
Wie groß die Auswirkungen der Änderung sind, wird sich erst in den Trainings zeigen. Die Piloten trainierten im Simulator noch mit dem alten Limit von 9,0 Megajoule. Die minimal wirkende Anpassung hat tatsächlich weitreichendere Konsequenzen, als das auf den ersten Blick den Anschein macht. Bremspunkte verschieben sich, Geschwindigkeitsprofile sehen anders aus.
Die FIA hat mit dem neuen Reglement reichlich zu tun. In China schien der Automobilweltverband den Geschehnissen etwas hinterherzuhinken. Bei Mercedes übersah man offenbar einen klaren Regelverstoß:



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