Nach einem halben Jahr des Leidens herrscht plötzlich Aufbruchsstimmung bei Aston Martin und Honda. Beflügelt vom Erfolg des generalüberholten "B-Spec"-Chassis in Ungarn kommt echter Optimismus auf für das direkt nach der Formel-1-Sommerpause kommende lang ersehnte Motor-Update. Von Honda-Seite wird jetzt auch enthüllt, wo mit Verbesserungen angesetzt wurde.

Fundamental war Hondas neuer F1-Motor ein Sorgenkind, das war spätestens seit Winter klar. Als die Ingenieure in der Fabrik im japanischen Sakura im Endstadium der Entwicklung immer größere Probleme entdeckten. Das kulminierte in einem desaströsen Test und genauso desaströsem Saisonauftakt, gezeichnet von schweren Problemen mit der Batterie, üblen Vibrationen und unzähligen Defekten, gepaart mit generellem Leistungs-Defizit.

Besser als Red Bull & Ferrari? Das Geheimnis hinter McLarens Macarena-Flügel (19:37 Min.)

Performance vs. Zuverlässigkeit: Zwei Update-Regeln für Formel-1-Motoren

Der Motor war also von Beginn an eine Großbaustelle für Honda. Hier gilt es nun aber beim Thema Updates zwei separate Aspekte zu bedenken. Einmal die Zuverlässigkeit, und einmal die tatsächliche Leistung. Diese zwei Aspekte werden nämlich vom Technischen Reglement genau so behandelt - separat.

Updates für Zuverlässigkeit, Sicherheit, als Sparmaßnahme oder wegen Lieferengpässen sind von den sonst so strengen Entwicklungsbeschränkungen de facto komplett ausgenommen. Der Motorhersteller muss lediglich gegenüber den FIA-Regelhütern ein Dossier mit allen relevanten Informationen einreichen, zum Beispiel mit Beweisen für Schäden und deren Zusammenhang mit den Änderungen. Dieses Dossier wird auch an alle anderen Hersteller verschickt.

Wenn die FIA die Argumente abnickt, kann das Team ab 14 Tage nach der Einreichung so ein Update bereits homologieren und einsetzen. Diesen Prozess hat Honda dieses Jahr im Batterie-Bereich auch schon durchlaufen, um die katastrophalen Vibrationen loszuwerden, welche die Fahrer zu Saisonbeginn sogar daran hinderten, eine Renndistanz durchgehend zu fahren.

Natürlich bringen solche Verbesserungen unter dem Strich auch mehr Performance, aber das wird als Nebenprodukt angesehen und akzeptiert. In der Theorie sollte nur durch so ein Update kein großer Performance-Sprung möglich sein. Aber erst recht nach dem Lösen der ersten großen Zuverlässigkeitsprobleme wurde eindeutig, dass dem Honda-Motor viel zu viel Leistung fehlt.

Hondas großes Update in Zandvoort: "Spec 2" baut Brennkammer um

Wer nun also ein reines Performance-Update ohne die oben genannten Ausnahme-Aspekte bringen möchte, der hat zwei Optionen. Jeder darf in der Winterpause einen Großteil der Power Unit öffnen, umbauen und neu homologieren. Wer aber - wie Honda - bei der absoluten PS-Zahl weit genug hinter dem von der FIA als besten Verbrenner eingestuften Hersteller zurückliegt, erhält die berüchtigten Additional Development and Update Opportunities, oder ADUO.

Diese erlauben bis zu zwei zusätzliche Performance-Updates (aus einer Liste von 84 Punkten) noch während der Saison. Honda dürfte wegen des großen Rückstandes 2026 noch zwei bringen. Aktuell sieht es so aus, als würde man mit dem großen "Spec 2"-Update in Zandvoort einen dieser Joker ziehen, und zwar im Bereich der Brennkammer des Verbrennungsmotors.

"Wir haben die Vorkammer verändert, um die Verbrennung schneller zu machen", kündigte Hondas F1-Chefingenieur Shintaro Orihara am Rande des Ungarn-Wochenendes an. F1-Motoren vertrauen auf die kreative technische Lösung des Vorkammer-Zündsystems, eine 2014 von Mercedes erstmals eingesetzte revolutionäre Idee, um mit einem vorgelagerten Zündvorgang auch ein mageres Gemisch in der Hauptkammer optimal nutzen zu können.

Änderungen an der Vorkammer sind in einem der umfangreicheren Punkte der vorhin angesprochenen 84-Punkte-Liste der möglichen Änderungen abgehandelt. Dieser Punkt räumt noch zahlreiche weitere Änderungen im Bereich rund um die gesamte Brennkammer ein. Das gedenkt Honda auszunutzen, wie Orihara verrät: "Wir haben auch die Form der Kolben verändert, um bessere Verbrennung zu erreichen. Außerdem haben wir Schmierstoffe angepasst, um weniger Reibung zu haben."

"Es war eine recht große Liste, um die Motor-Performance zu verbessern", meint Orihara. Wie viel Leistung wird das bringen? 30 bis 50 PS geisterten zuletzt schon durch das Fahrerlager: "Ich kann die genaue Zahl nicht verraten. Aber wir haben unsere internen Ziele erreicht, und ich vertraue auf das, was die Fabrik-Jungs von HRC-Sakura mit Spec 2 erreicht haben."

Der Prototyp des Updates wurde am Mittwoch nach dem Ungarn-GP bereits bei einem Filmtag im Aston Martin verbaut, um zumindest einen 200 Kilometer langen Shakedown zu fahren, ehe man sich in Zandvoort in die Hektik eines Sprint-Wochenendes mit nur einem Training stürzt. Die Spannung ist groß, nachdem das Chassis in Ungarn schon die gesteckten Ziele erreicht hatte. Kann sich der AMR26 mit dem neuen Motor dann gar im Bereich Racing Bulls, Audi und Alpine festsetzen?

Am anderen Ende des Power-Unit-Spektrums hat Mercedes definitive keine Probleme mit der Leistung, aber sehr wohl mit der Zuverlässigkeit. Beide Fahrer sind Motorstrafen inzwischen gefährlich nah. Wie es dazu kam und wie es weitergeht, gibt es hier nachzulesen: