Normalerweise ist das Muster bei Red Bull an jedem Formel-1-Wochenende gleich: ein schlechter Freitag, eine starke Leistungskurve am Samstag und eine Wundertüte am Sonntag. Dass alle Sessions des Aserbaidschan-GP schon einen Tag früher stattfinden, dürfte dieses Schema gestört haben, denn das Team beeindruckte in den ersten beiden Trainings als erster Mercedes-Jäger.
Besonders Max Verstappen blieb den Silberpfeilen dicht auf den Fersen – so dicht wie möglich. George Russell und Kimi Antonelli legten besonders im FP2 ordentlich vor. Dem Trainingsdritten fehlten 0,827 Sekunden auf Russells Bestzeit. Obwohl er sich wie gewohnt konstant am Funk beschwerte, zieht Verstappen am Donnerstagabend eine positive Bilanz.
"Heute war es ganz gut und ich war ziemlich zufrieden mit dem Auto", so Verstappen, der das Fahrgefühl im zweiten Training noch als "komplett beschissen" bezeichnet hatte. "Wir haben ein bisschen Feinarbeit geleistet und versucht, mehr Performance zu finden. Es war ein guter Start für das Team. Es sieht so aus, als könnten wir um ein Podium mitkämpfen. Wir müssen nur ein bisschen mehr Pace finden."
Sollte der vierfache Weltmeister es im Rennen am Samstag tatsächlich unter die Top 3 schaffen, wäre es sein siebtes Podium des Jahres und der sechste Podestplatz in den letzten acht Grands Prix. Der Aufwärtstrend bei Red Bull ist also eindeutig.
Fazit zum letzten Red-Bull-Update: Funktioniert das Paket?
In Baku brachte das Team das letzte große Update der Saison an den RB22. Ein neu geformter Seitenkasten und ein neuer Unterboden sollen den ersten Sieg von 2026 in Reichweite rücken. "Es ist ziemlich positiv", bewertet Technikdirektor Pierre Waché das Paket nach den Trainings. "Wir haben mehr oder weniger das erreicht, was wir erwartet hatten. Die Korrelation mit den Simulationen ist sehr gut."
Dem stimmt Verstappen zu: "Die Upgrades funktionieren gut, was positiv ist. Wir werden sehen, wie wir uns morgen schlagen." Dennoch tauchten im Training immer wieder Probleme auf. Verstappen meinte einmal, dass seine Hinterachse so lose sei, dass sie in den Kurven beinahe abhebe und er konstant gegenlenken müsse.
"Wir haben noch immer Probleme mit dem Fahrgefühl, das ist der Hauptkritikpunkt", gesteht Waché. "Für ihn [Verstappen, Anm. d. Red.] müssen wir noch versuchen, das Auto vor allem auf der Hinterachse zu beruhigen, damit er das maximale Potenzial herausholen kann."
Mercedes auf den Fersen: Das fehlt Verstappen noch
Eine ruhige Hinterachse ist aber nicht alles, was Red Bull bräuchte, um Mercedes einzuholen. Auf dem 6,003 Kilometer langen Stadtkurs fehlt es dem RB22 auch an Power. Das wurde vor allem im FP1 auffällig: Während Russell nach 2,2 Kilometern Vollgas am Ende der Geraden mit 332 km/h ankam, hatte Verstappen hier nur 305 km/h drauf.
Das hat sich im FP2 angeglichen, auch weil sich die Teams beim Energiemanagement mit jeder Session aneinander angleichen. Außerdem hatte Russell im ersten Training auf seiner schnellsten Runde einen hervorragenden Windschatten abgegriffen. Im FP2 vergrößerte sich die Lücke trotzdem auf über acht Zehntel.
"Ich hoffe, wir sind näher dran", meint Red Bulls Technikdirektor. Er ist vor allem überrascht vom großen Mercedes-Vorsprung auf der Geraden. "So wie es jetzt aussieht, sind sie um einiges schneller als wir. Wir werden versuchen, das Auto schneller zu machen. Es liegt viel Arbeit vor uns, um zu erreichen, was sie erreicht haben. Aber wenn der Abstand wirklich so groß ist, dann wird es schwierig für uns."
Motorprobleme und rote Flagge: So lief Isack Hadjars Formel-1-Comeback
Isack Hadjar war am Baku-Donnerstag nie an Mercedes oder seinem Teamkollegen dran. Es waren seine ersten Formel-1-Sessions seit dem Ungarn-GP. Wie war das Comeback nach der Verletzungspause? "Ich denke beim Fahren gar nicht an meine Verletzung. Ich fühle mich zu 100 Prozent fit, das freut mich. Es war die richtige Entscheidung, zurückzukommen", lautet Hadjars erstes Fazit.
Er hatte sich schon am Medientag damit abgefunden, dass sein angeknackstes Handgelenk im Cockpit wohl noch länger schmerzen wird. Viel wichtiger war es ihm, zurück auf die Strecke zu kommen. Das wurde ihm heute aber zumindest teilweise verwehrt: Ein Motordefekt beendete seine erste Trainingssession nach acht Runden und 20 Minuten.
Das FP2 wurde dann wegen des Einschlags von Arvid Lindblad unterbrochen, was Hadjar weitere Streckenzeit kostete. Am Ende fehlten ihm 1,521 Sekunden auf Russells Bestzeit. Trotzdem stimmt ihn das Ergebnis optimistisch: "Für die drei Runden, die ich gefahren bin, war ich in FP1 sehr zufrieden mit dem Auto. Es ist schwer, ein Gefühl zu bekommen. Aber ich bin jetzt definitiv glücklicher mit dem Auto als beim letzten Mal, als ich gefahren bin."
Jetzt will er im morgigen dritten Freien Training keine weitere Zeit verstreichen lassen. "Ich hatte heute nur sieben schnelle Runden", unterstrich Hadjar. Er sieht Red Bulls Chancen im Kampf mit McLaren und Ferrari um den ersten Platz – hinter Mercedes. "Sie sind außer Reichweite", ist sich der junge Franzose sicher.
Haben Max Verstappen, Isack Hadjar und Pierre Waché recht? Ist Mercedes uneinholbar? Oder müssen sich die Silberpfeile doch vor einem Gegner fürchten, der sich bisher bedeckt gehalten hat? Das haben wir uns in der Trainingsanalyse angesehen:



diese Formel 1 Nachricht