George Russell hat im 2. Freien Training der Formel 1 in Baku am Donnerstagnachmittag eine Mercedes-Machtdemonstration abgeliefert. Der Brite gab nach seiner Bestzeit im FP1 auch in der zweiten Session den Ton an und schenkte Red Bull, Ferrari und McLaren dabei kräftig ein. Kimi Antonelli konnte nach einem verspäteten Start in die Session wegen eines Defekts mit einer halben Sekunde Rückstand noch halbwegs den Anschluss an den Teamkollegen herstellen. Alle Reaktionen zur Formel 1 heute in Baku gibt es im Live-Ticker.
Das Ergebnis: Mit 1:43.347 Minuten fuhr George Russell auf dem Soft-Reifen (C5) nochmal eine Sekunde schneller als bei seiner Bestzeit im ersten Training. Kimi Antonelli konnte nach seinem Technik-Ärger im FP1 erst zur Halbzeit ins Geschehen eingreifen. Trotz deutlich weniger Streckenzeit kam er bis auf 0,552 Sekunden an Russell heran. Als erster Verfolger der Silberpfeile büßte Max Verstappen im Red Bull auf Platz drei bereits acht Zehntelsekunden ein.
Dahinter kamen die Gaps einem Erdrutsch gleich. Auf den Plätzen vier und fünf verloren die Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Lewis Hamilton deutlich über eine Sekunde auf Russell. Lando Norris sortierte sich mit 1,484 Sekunden Rückstand als Sechster ein, brachte seine schnellste Runde nach einer absoluten und einer persönlichen Sektorbestzeit jedoch nicht über die Linie. Auf Rang sieben sortierte sich mit Pierre Gasly der Leader aus dem Mittelfeld ein. Er schob sich vor Oscar Piastri und kam dabei fast an die Rundenzeit von Norris heran. Die Top-10 komplettierten Isack Hadjar und Esteban Ocon.
Für Audi ging es am Nachmittag in Baku rückwärts. Nachdem Gabriel Bortoleto und Nico Hülkenberg im FP1 noch die Plätze zehn und elf belegt hatten, reichte es diesmal nur für P14 und P15. Auf die direkte Konkurrenz in Form von Pierre Gasly verloren beide fast eine Sekunde. Selbst Sergio Perez lag im Cadillac als 13. noch vor dem Audi-Duo. Hülkenberg war allerdings im Nachteil. Aufgrund eines Problems am Ende des FP1 konnte er die Updates nur im zweiten Training einsetzen und musste dazu noch auf die Montage der Teile warten. Valtteri Bottas leistete am Ende des Feldes wie üblich den Aston-Martin-Piloten Gesellschaft, die mit Lance Stroll und Fernando Alonso auf den letzten Positionen landeten.
Technik-Teufel sucht Formel-1-Teams in Baku heim
Die Technik-Opfer: Antonelli startete mit 30 Minuten Verspätung in die Session. Bei seinem Auto musste zwischen FP1 und FP2 der Motor gewechselt werden, jedoch nicht wegen eines Schadens. Bei seinem Hydraulikdefekt am Mittag hatten die Marshals rigoros mit dem Feuerlöscher draufgehalten. Mercedes sah sich daraufhin gezwungen, die Power Unit aufgrund der Verunreinigungen durch die Löschmaßnahmen zu tauschen. Der Italiener erhielt eine Einheit aus dem bestehenden Pool, muss also keine Strafe fürchten.
Am Red Bull von Isack Hadjar wurde in der Pause das Getriebe gewechselt, er konnte aber von Beginn an ins Geschehen eingreifen. Bei Oscar Piastri musste der Unterboden schon zu Anfang der Session notdürftig geflickt werden. Die McLaren-Crew konnte das Auto mit einem Quick-Fix fahrbereit machen, erwartet aber eine lange Nacht mit Reparaturarbeiten am MCL40 des Australiers. Fernando Alonso blieb einmal mehr auch nicht verschont. Er schaffte nur neun Runden, bevor das Team ein Ölleck an seinem Aston Martin feststellte.
Rote Flagge in Baku: Crash von Arvid Lindblad stoppt 2. Formel-1-Training
Die Zwischenfälle: Franco Colapinto verpasste wenige Sekunden nach Beginn des FP2 auf seiner Outlap gleich Turn 2 und fuhr geradeaus in die Auslaufzone. Nach einem Wendemanöver ging es für ihn regulär weiter. Arvid Lindblad konnte das 18 Minuten später nicht von sich behaupten. Der Racing Bulls-Rookie clippte in der berüchtigten Kurve 8 an der Altstadtmauer mit dem rechten Hinterrad die äußere Barriere und musste wenige Meter später abstellen. Die Session wurde für zehn Minuten unterbrochen, bevor es mit 30 Minuten Restzeit weiterging.
Während Kimi Antonelli nach seiner Reparaturpause endlich ins Geschehen eingreifen konnte, ging es für Oliver Bearman nicht weiter. Der Brite musste seinen Haas gleich nach dem Pit-Exit abstellen. Beim Beschleunigen starb der Motor ab und er rollte in der Auslaufzone von Turn 2 aus. Die Angelegenheit war mit einer lokalen Gelbphase schnell erledigt. In Kurve drei gab es wenige Minuten später erneut Gelb wegen eines Fahrfehlers von Pierre Gasly. Der Alpine-Fahrer hatte sich aber nur einen harmlosen Verbremser geleistet und konnte gleich weiterfahren.
Bei der Zeitenjagd auf Soft-Reifen schafften es die Fahrer, sich auch auf dem 6,003 Kilometer langen Baku City Circuit im Weg zu stehen. Gasly blockierte im Altstadt-Sektor Alex Albon. Mehr Drama gab es, als Lewis Hamilton im Highspeed-Bereich von Kurve 19 vor der Start- und Zielgeraden nicht mit Liam Lawson rechnete. Der Neuseeländer war auf einer fliegenden Runde und wurde vom bummelnden Ferrari-Fahrer überrascht. "Oh mein Gott! Alter, das ist so verdammt gefährlich!", schimpfte Lawson am Funk. Die Rennleitung notierte Hamilton dafür.
Bortoleto stand dort wenig später Russell im Weg. Der Mercedes-Fahrer wies am Team-Radio ebenfalls mit Nachdruck auf die Blockade hin, der Brasilianer landete neben Hamilton auf dem Zettel der Stewards. Auch in der Schlussphase gab es auf den Longruns einige haarige Momente. Lando Norris touchierte am Eingang von Turn 16 leicht die Wand, kam aber mit diesem Lapsus davon.
Das Wetter: Die zweite Session am Trainingsdonnerstag in Baku ging bei optimalen Bedingungen über die Bühne. Die Außentemperatur betrug zum Start um 16:00 Uhr Ortszeit 30 Grad Celsius, während der Asphalt immer noch mit 47 Grad gemessen wurde. Bei tiefstehender Sonne sanken die Temperaturen bis zum Ende der Sitzung auf 28 respektive 44 Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit lag bei 56 Prozent.



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