Die meisten Formel-1-Fahrer wollen an einem freien Wochenende zwischen zwei Triple-Headern nur entspannen. Nicht Max Verstappen. Der Red-Bull-Pilot wird am Samstag beim Finale der GT World Challenge in Portimão an den Start gehen. Motorsport-Magazin.com hat die wichtigsten Antworten zum nächsten GT3-Auftritt des vierfachen F1-Weltmeisters in Portugal.

Rennserie erklärt: Was ist die GT World Challenge?

Die GT World Challenge Europe ist eine GT3-Meisterschaft, die seit 2014 veranstaltet wird. Wie der Name bereits verrät, finden die Rennen innerhalb Europas statt. In der GTWC werden zwei Cups gefahren: der Sprint Cup und der Endurance Cup. In einer Saison werden jeweils fünf Wochenenden eines Cups ausgetragen. Die größten Unterschiede bestehen bei der Rennzeit (60 Minuten vs. drei bis 24 Stunden) und der Anzahl der Fahrer pro Auto (zwei vs. drei bis vier Piloten), aber auch bei anderen Faktoren wie Punktevergabe und Boxenstopps.

In der GT World Challenge treten ausschließlich GT3-Fahrzeuge an. Diese werden in vier Kategorien unterteilt: Pro, Gold, Silber und Bronze. Verstappen wird am Samstag in der Pro-Kategorie, der höchsten, antreten. Das jährliche Saisonhighlight der GTWC sind die 24 Stunden von Spa. In Portimão wird das 10. Rennen des Jahres und damit das Saisonfinale ausgetragen. Es ist ein dreistündiges Endurance-Rennen.

Verstappen siegt im Blindflug, Hamilton verzockt sich! - Singapur Tops & Flops (51:18 Min.)

Zeitplan & TV-Übertragung: Wann und wo läuft das GTWC-Finale in Portimão live?

Der Ablauf der GTWC ist für Formel-1-Fans ungewohnt: Das erste und das zweite Freie Training sowie das Qualifying finden am Freitag statt, das Rennen am Samstagabend. Schon am Donnerstag gibt es eine zweistündige bezahlte Trainingssession und später den Test für die Bronze-Klasse. Das FP1 startet Freitagfrüh um 09:45 Uhr, mit dem FP2 geht es um 13:45 Uhr weiter. Beide Male haben die Fahrer eineinhalb Stunden Zeit, um sich einzuschießen.

Qualifying wird am Freitag um 18:55 Uhr gefahren. Rennstart ist am Samstag um 18:00 Uhr, Zieleinfahrt ist um 21:00 Uhr. Die beiden Wettbewerbssessions werden im kostenlosen Livestream auf Motorsport-Magazin.com übertragen. Alle anderen TV-Angebote könnt ihr hier nachlesen:

Zeitplan für das GTWC-Finale in Portimão

TagSessionUhrzeit
DonnerstagPaid Test Session12:50 - 14:50 Uhr
Bronze Test18:40 - 19:40 Uhr
Freitag1. Freies Training09:45 - 11:15 Uhr
2. Freies Training13:45 - 15:15 Uhr
Qualifying 1 - Gruppe A18:55 - 19:05 Uhr
Qualifying 1 - Gruppe B19:05 - 19:15 Uhr
Qualifying 2 - Gruppe A19:20 - 19:30 Uhr
Qualifying 2 - Gruppe B19:30 - 19:40 Uhr
Qualifying 3 - Gruppe A19:45 - 19:55 Uhr
Qualifying 3 - Gruppe B19:55 - 20:05 Uhr
SamstagRennen18:00 - 21:00 Uhr

Welches Auto und für welches Team fährt Verstappen bei der GTWC in Portimão?

Max Verstappen wird für sein eigenes GT3-Rennteam "Mercedes-AMG Team Verstappen Racing" antreten. Das nimmt seit seiner Gründung Anfang 2025 an der GT World Challenge teil, damals noch mit einem Aston Martin Vantage GT3. Mittlerweile hat das Team zur Marke mit dem Stern gewechselt. Wie bereits bei den 24 Stunden Nürburgring und in der NLS wird Verstappen in Portimão den Mercedes-AMG GT3 EVO mit der Nummer 3 pilotieren. Unterstützung bekommt er dabei vom Kundenteam 2 Seas Motorsport, das dem Team schon bei den 24h Spa 2025 aushalf.

Der Mercedes-AMG GT3 von Winward mit Verstappen, Auer, Gounon, Juncadella bei den 24h Nürburgring
Verstappen wird mit dem gleichen Mercedes fahren wie am Nürburgring, Foto: IMAGO/speedshot

Ist das Verstappens erstes GTWC-Rennen?

Ja, der Red-Bull-Pilot wird in Portimão das erste Mal an einem Rennen im Rahmen der GT World Challenge teilnehmen. Es ist aber bei Weitem nicht sein erstes Mal in einem GT3-Boliden. Verstappens Auftritte auf der Nordschleife sind inzwischen weltbekannt. Bei den diesjährigen 24h Nürburgring lag er für einen Großteil des Rennens auf Siegeskurs, bis ein technischer Defekt dreieinhalb Stunden vor der Zielflagge seine Träume beendete. Am Samstag wird er aber sein erstes GT3-Rennen abseits des Nürburgrings fahren.

Wie gut kennt Verstappen die Strecke in Portimão?

Dass er noch nie ein GT3-Rennen in Portimão fuhr, heißt aber nicht, dass er dadurch einen Nachteil hat. Verstappen kennt das Autódromo Internacional do Algarve bereits aus der Formel 1. Während der Corona-Pandemie wurde die 4,692 Kilometer lange Strecke für 2020 und 2021 in den Rennkalender aufgenommen. Beide Male stand Verstappen auf dem Podium. Außerdem reiste er schon mehrmals nach Portugal, um seine GT3-Boliden auf der Strecke zu testen, das letzte Mal in der diesjährigen Formel-1-Winterpause.

Warum fährt Verstappen ausgerechnet beim GTWC-Saisonfinale mit?

Freiwillig sieben Rennwochenenden hintereinander? So rennverrückt ist nicht einmal Verstappen. Tatsächlich springt der vierfache Weltmeister als Ersatz in den Mercedes. Wie eingangs erwähnt, müssen bei einem Endurance-Rennen drei bis vier Fahrer ein Auto besetzen. Bei Verstappen Racing tritt gewöhnlich das Gespann Chris Lulham, Jules Gounon und Daniel Juncadella an. Doch die letzten zwei sind wegen ihrer Verpflichtungen in der WEC verhindert.

Die Langstrecken-Weltmeisterschaft musste ihre zwei letzten Rennen in Katar und Bahrain wegen des USA-Iran-Konflikts nach Europa verschieben. Der Termin für die 6h Barcelona fällt genau auf das GTWC-Finale. Die Werksverpflichtungen von Gounon (Alpine) und Juncadella (Genesis) gehen vor, weshalb Lulham plötzlich allein dasteht. Da die Formel 1 genau an diesem Wochenende eine Pause einlegt und Verstappen ohnehin Spaß an jedem GT3-Rennen hat, ist das Problem schnell gelöst.

Wer sind Verstappens Teamkollegen in Portimão?

Chris Lulham ist ein Bekannter an Verstappens Seite. Er fing als Fahrer für sein Sim-Racing-Team "Team Redline" an und wurde mit dem Einstieg in die GTWC zum Real-Life-Piloten befördert. Zusammen mit DTM-Pilot Thierry Vermeulen gewann er 2025 den Gold Cup und tritt dieses Jahr in der Pro-Kategorie an.

Für den Dritten im Bunde engagierte Verstappen den erfahrenen GTWC-Fahrer Ben Barnicoat. Ihre Wege kreuzten sich bereits im Kart-Sport, wo sie 2012 und 2013 in einigen Serien gegeneinander antraten. Die höchste Single-Seater-Kategorie, die Barnicoat erreichte, war die europäische Formel 3. Dort unterlag er 2016 seinem Teamkollegen George Russell und wechselte daraufhin in GT-Serien wie die GT World Challenge. Er ist mehrfacher Sieger der Gulf 12h und gewann 2024 die Kategorie LMP2 Pro-Am in Le Mans.

Starterliste: Wer sind Verstappens Gegner? Diesen F1-Fahrer trifft er

Max Verstappen wird der einzige aktive Formel-1-Pilot in Portimão sein, doch er trifft auf einen alten Bekannten: Nikita Mazepin. Der ehemalige Haas-Pilot wird ebenfalls in einem Mercedes-AMG GT3 EVO vom österreichischen Team Motopark antreten. Der Russe wurde nach seiner Rookie-Saison 2021 beim US-Rennstall rausgeschmissen und fand aufgrund seiner horrenden Leistungen auch keine anderen Anstellungen in der Formel 1.

Der vierfache F1-Weltmeister wird nicht der am meisten dekorierte Fahrer im Feld sein. Das ist MotoGP-Legende Valentino Rossi mit neun WM-Titeln in der Zweirad-Königsklasse. Der Italiener tritt seit 2022 im GT-Sport an, seit 2023 ist er BMW-Werksfahrer. Dass die beiden Größen ihres Motorsports zusammentreffen, ist jedoch unwahrscheinlich. Rossis Team WRT war mit dem BMW M4 GT3 EVO in der bisherigen Saison wenig erfolgreich.

Verstappen hat dafür mit anderen bekannten Gesichtern aus der GT-Welt zu kämpfen: dem frisch gebackenen DTM-Champion Thomas Preining, Verstappens Nordschleifen-Lieblingsgegner Christopher Haase, 24h-Nürburgring-Sieger Maro Engel und Charles Leclercs jüngerem Bruder Arthur Leclerc, um nur ein paar Namen zu nennen. Die gesamte Starterliste mit über 60 Teilnehmern könnt ihr hier einsehen.

Wie funktioniert das Qualifying in der GT World Challenge?

Da es in der GT World Challenge drei Fahrer pro Auto gibt, tragen auch alle drei Fahrer zur Startposition für das Endurance-Rennen bei. Daher findet das Qualifying in drei Abschnitten statt. Die werden Q1, Q2 und Q3 genannt, sind aber anders als in der Formel 1. Jeder Fahrer eines Trios darf nur in einem der drei Segmente antreten, sodass am Ende jeder einmal fährt. Die beste Rundenzeit jedes Fahrers wird dann mit der seiner zwei Teamkollegen addiert. Welches Dreiergespann im Mittelwert die schnellste Zeit aufstellt, darf am Samstag von der Pole Position starten.

Ein Segment dauert insgesamt 20 Minuten, wird aber in Gruppe A und B geteilt. In Gruppe A dürfen Fahrer des Silver Cups und des Bronze Cups ihre Zeiten aufstellen, in Gruppe B sind Gold Cup und Pro-Kategorie dran. Verstappen gehört zur Gruppe B.

Welche allgemeinen Regeln gelten beim Drei-Stunden-Rennen in Portimão?

Dass es zwischen Formel 1 und GTWC Unterschiede gibt, ist logisch. Einerseits gibt es in der GT3-Serie zwei verpflichtende Boxenstopps, die innerhalb eines vorgegebenen Boxenstopp-Fensters absolviert werden müssen. Dabei wird nicht nur nachgetankt und die Reifen gewechselt, sondern auch die Fahrer getauscht. Jeder der drei Fahrer muss einen Stint fahren. Es gibt Vorschriften für Mindeststandzeit und die Länge des Fahrabschnitts. Ein Pilot darf in etwa eine Stunde fahren.

Mit Pirelli hat die GTWC den gleichen Reifenhersteller wie die Formel 1, aber auch hier gibt es Unterschiede: Der Renn-Slick für die GT3-Rennen ist ein robuster Einheitsreifen, der über einen langen Stint halten muss. Kein Soft, Medium und Hard. Dazu sind Heizdecken in der GTWC verboten.

Wie stehen Verstappens Siegeschancen in Portimão – im Rennen und in der Meisterschaft?

Das ist für das Rennen schwer und für die Meisterschaft leicht zu beantworten. Die diesjährigen Endurance-Meister heißen seit dem letzten Event in Barcelona Maro Engel und Lucas Auer. Das sind gute Nachrichten für Verstappen, denn die beiden Markenkollegen treten ebenfalls in einem Mercedes-AMG GT3 EVO an. Nach Verstappens dominanten Vorstellungen in der NLS und bei den 24h Nürburgring stehen seine Chancen auch in Portimão gut. Sein Team konnte in dieser Saison jedoch nur ein Sprint-Rennen in Magny-Cours gewinnen.

Wird Verstappen 2026 noch weitere GTWC-Rennen fahren?

Da in Portimão das Saisonfinale der GT World Challenge stattfindet, ist das leider unmöglich. Aber Verstappen hat bereits angekündigt, dass er 2027 beim Saisonhighlight in Spa antreten möchte. Der Formel-1-Rennkalender würde das zulassen. Das 24h-Rennen auf der Ardennen-Achterbahn wird vom 24. bis zum 27. Juni veranstaltet und fällt damit genau in die einwöchige Pause zwischen dem Portugal-GP und dem Großbritannien-GP. Eine Garantie ist sein Interesse aber nicht, wie er selbst betont.

Gibt es noch Tickets für das GTWC-Finale in Portimão?

Wer sich jetzt noch schnell entscheiden möchte, nach Portugal zu fliegen, um beim GTWC-Finale dabei zu sein, kann das machen. Es gibt noch Tickets – und die sind im Vergleich mit Formel-1-Karten ein richtiges Schnäppchen. 25 Euro kostet das Wochenend-Ticket, 15 Euro zahlt man nur für den Samstag. Das Flugticket und die Unterkunft dürften also das größere Problem sein.