Max Verstappen bekommt einfach nicht genug vom Racing. Der vierfache Formel-1-Weltmeister unternahm dieses Jahr einen weiteren Ausflug in den GT3-Sport nach seinem fantastischen Debüt beim 24h-Rennen Nürburgring. Weil bei seinem eigenen Mercedes-Team in der GT World Challenge die Stammfahrer Jules Gounon und Daniel Juncadella verhindert waren, übernahm Verstappen beim Saisonfinale in Portimao kurzerhand selbst das Steuer.

Und zack, schon sprach die ganze Motorsportwelt über die SRO-Meisterschaft, von der ansonsten - vielleicht mit Ausnahme der 24h Spa - kaum jemand Notiz nimmt. Der Red-Bull-Star schafft es im Alleingang, nachhaltig ein riesengroßes Interesse auf GT3-Rennen respektive Serien abseits der alles überstrahlenden Formel 1 zu lenken. Dafür ist ihm die gesamte Motorsportwelt zu tiefem Dank verpflichtet.

GT World Challenge in Sieben Sprachen - WEC hinter Paywall

9,7 Millionen Aufrufe via YouTube soll das Rennwochenende in Portimao laut SRO-Angaben erzielt haben, wenig überraschend weit mehr als jedes andere in der Geschichte der internationalen GT3-Meisterschaft. Während der Rennübertragung am Samstagabend zählten wir mehr als 140.000 Live-Zuschauer im englischsprachigen Livestream - die Übertragung erfolgte sogar in sieben Sprachen, alles kostenlos!

Davon kann sich die WEC, die parallel in Barcelona gastierte, gerne eine große Scheibe abschneiden. Zwar boomt die Langstrecken-WM dank der Hersteller-Vielzahl, sie sperrt die Fans aber aus: die Übertragung liegt inzwischen komplett hinter einer 10-Euro/Rennen-Bezahlschranke, selbst das Live-Timing gibt's nicht kostenlos. Hierzulande lief das Rennen nicht einmal im Free-TV und damit praktisch unter Ausschluss der nicht-zahlenden Öffentlichkeit. Glückwunsch dennoch an Toyota zum vorzeitigen WM-Titelgewinn.

Alle profitieren vom Verstappen-Hype

Aber zurück zu Verstappen, der ja irgendwann auch mal bei den 24 Stunden von Le Mans fahren möchte: Alle profitieren vom Hype um seine Person, angefangen bei vollen Zuschauertribünen (28.000 in Portimao) bis hin zu GT3-Fahrern, die in seinem Windschatten plötzlich weltweite Bekanntheit erlangen.

Bestes Beispiel: Maro Engel, der "Verstappen-Bezwinger" vom Nürburgring. Der frischgebackene DTM-Vizemeister fuhr am Ring mindestens auf Augenhöhe mit Verstappen, gewann den Nordschleifen-Klassiker und erlebte eine nie dagewesene Popularität weit über die Grenzen des GT- und Tourenwagen-Sports hinaus. Dabei fährt der 41-Jährige seit weit über zehn Jahren GT3-Rennen und hat so ziemlich alles gewonnen, was es in dieser Kategorie zu gewinnen gibt.

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Oder denken wir an Audi-Veteran Christopher Haase, dessen NLS-Duelle mit Verstappen plötzlich Thema im F1-Fahrerlager waren. Mehr Profilschärfung geht nicht. Die hochtalentierten Fahrer aus dem GT- und Sportwagen haben es verdient, in ein größeres Rampenlicht gerückt zu werden.

Der Max-Faktor hat bereits Nachahmer angelockt. Lance Stroll fuhr plötzlich ebenfalls GT3-Rennen in seiner Freizeit, Weltmeister Lando Norris testete das neue WEC-Hypercar von McLaren und Überflieger Kimi Antonelli schwärmt von der Nordschleife. Obendrein könnte Fernando Alonso mit Aston Martin zurückkehren nach Le Mans, wo er schon 2018 und 2019 mit Toyota siegte und damals im Alleingang dafür sorgte, dass nicht nur die Langstrecken-Freaks einschalteten.

Formel-1-Stars sind das Salz in der Suppe des Motorsports

All' diese Rennen bieten seit Jahren auch ohne die Superstars wunderbaren Motorsport - es bekommen angesichts der F1-Übermacht nur zu wenige Menschen davon mit. Die diversen Promotoren sollten also alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Promi-Piloten für Gaststarts zu begeistern. Mit Verstappen hat es schon zweimal geklappt. Der Niederländer genießt bei Red Bull sicherlich einen Sonderstatus und größere Freiheiten als andere Fahrer, aber wo ein Wille, da ein Weg.

Der Ansatz mancher Veranstalter, lieber seine eigenen Stars kreieren zu wollen statt auf etablierte F1-Power zu setzen, mag romantisch klingen, hat faktisch aber noch nie funktioniert. In der alten DTM wussten die Hersteller, wie es richtig geht: Jungen Nachwuchstalenten aus der der Formel 3 wurden Tourenwagen-Recken à la Bernd Schneider oder Manuel Reuter vor die Nase gesetzt, um sich mit ihnen messen zu können und dadurch selbst zur Marke zu werden. Das Ganze garniert mit ein paar großen Namen wie Mika Häkkinen, Heinz-Harald Frentzen oder Jean Alesi, und fertig war das Starterfeld.

Die Hersteller hatten nicht nur das Budget, sondern wussten ganz genau, was es braucht, um eine Rennserie für die breite Zuschauerschaft interessant zu gestalten. Bitte nachmachen!