Mercedes zog in Monza bei Kimi Antonelli eine Motorstrafe, wodurch der Führende der Formel-1-WM von ganz hinten ins Rennen gehen musste. Damit, dass Antonelli dennoch den Sieg holen würde, hatte man damals noch nicht gerechnet. Sehr wohl allerdings damit, dass es die beste Strecke ist, um die Strafe hinter sich zu bringen.
George Russell befand sich in einer ähnlichen Position wie Antonelli. Vor Monza war auch bei ihm klar, dass er noch einen Power-Unit-Wechsel in diesem Jahr vornehmen muss. Doch er bekam auf der seiner eigenen Aussage nach "perfekten Strecke, um eine [Motor]-Strafe zu nehmen", keine neue Einheit verbaut.
Deshalb gab Mercedes George Russell keinen neuen Motor
Vor dem Formel-1-Wochenende in Madrid erklärte der Brite, welche Logik dahintersteckt und verteidigte die Entscheidung seines Teams. "Wir warteten darauf, meine Strafe nach dem ADUO-Upgrade zu ziehen", verriet Russell das Kalkül dahinter. Mercedes bekam in diesem Jahr nach dem Ende der ersten ADUO-Periode im Juni einen Motorenjoker zugestanden. Bislang hat das Team von Toto Wolff diesen noch nicht gezogen.
Wann Mercedes bei der Power Unit nachbessert, ist nicht bekannt. Zu einem früheren Zeitpunkt der Saison hieß es, dass die Motorenschmiede aus Brixworth ihren Joker in diesem Jahr überhaupt nicht ziehen möchte. In den Sommermonaten änderten die aktuell Führenden in der Konstrukteurs-WM ihre Pläne aber offenbar und werden aller Voraussicht nach im Oktober noch einmal nachlegen.
Für Russell ist also klar, dass er mit seiner Strafe warten will, bis dieses Upgrade ausgerollt wird, um dann auch in der restlichen Saison davon profitieren zu können. "Wenn ich es dort [in Monza] genommen hätte, müsste ich erneut eines nehmen. Für mich macht das keinen Sinn", führte der aktuelle WM-Zweite aus.
ADUO-Upgrade: Deshalb kann Antonelli ohne Strafe durchkommen
An welchen Komponenten beim ADUO-Upgrade Hand angelegt wird, ist nicht bekannt. Allerdings deuten die Aussagen von Russell und der Motorwechsel von Andrea Kimi Antonelli in Monza darauf hin, dass möglicherweise am Turbolader und/oder an der MGU-K nachgelegt wird. Denn obwohl Antonelli an diesen beiden Komponenten noch einen strafenfreien Wechsel frei hatte, wurden sie beim Italien-GP nicht getauscht.
Russell hat hingegen beim Turbolader und bei der MGU-K das Limit schon erreicht. Falls Mercedes also beispielsweise am Verbrennungsmotor oder an der Batterie nachlegen möchte, würde das die Russell-Argumentation ad absurdum führen. Denn dann würde für Antonelli kein Weg an einer weiteren Strafe vorbeiführen, falls er nicht bis zum Saisonfinale ein Power-Defizit mitschleppen möchte.
So funktionieren die ADUO-Regeln
Grundsätzlich darf im Laufe einer Formel-1-Saison an den meisten Komponenten nicht nachgebessert werden. Updates sind für den Großteil der Motor-Bestandteile (aber auch nicht für alle) nur zum Beginn eines neuen Jahres zugelassen. Die ADUO (Additional Development and Upgrade Opportunities) erlauben den schwächeren Motorherstellern je nach Ausmaß ihres relativen Rückstandes aber zusätzliche Prüfstandzeiten, zusätzliches Budget und eben auch ein bis zwei Zusatzupgrades im Laufe einer Saison.
Die Silberpfeile sind laut den FIA-Messungen das Team mit dem zweitbesten Verbrennungsmotor, der für die ADUO-Werte ausschlaggebend ist. Laut diesen liegt der Mercedes-Verbrenner (ICE) zwischen zwei und vier Prozent hinter dem Red-Bull-Motor. Sprich: Mercedes darf 2026 und 2027 je ein Zusatz-Update bringen.



diese Formel 1 Nachricht