Charles Leclerc machte beim Ferrari-Fiasko im Formel-1-Rennen in Monza die mit Abstand schlechteste Figur. Wenige Tage nach der roten Kernschmelze haben er und Lewis Hamilton den Zoff rechtzeitig vor dem anstehenden Wochenende in Madrid beigelegt. Der Monegasse kroch nach dem Rennen zu Kreuze und übernahm die Verantwortung für den teaminternen Clash nach dem Start. Er bleibt allerdings dabei: Wenn es um Ferrari geht, wird in der Öffentlichkeit heißer gegessen, als es gekocht wird.

"Es ist klar, dass wir niemals sehen wollen, wie das andere Auto des Teams in der Wiese landet. Nachdem wir das nochmal angeschaut haben, habe ich mit Lewis gesprochen. Ich bin in Kurve zwei eindeutig zu weit gegangen und habe das Lewis gegenüber auch gesagt. Ich denke, es ist ganz klar, was wir in Zukunft machen und nicht machen sollten. Aber weiter werde ich hier nicht ins Detail gehen. Ich kann nur sagen, dass es unsere gute Beziehung nicht belastet", erklärte der 28-Jährige im Vorfeld des 14. Saisonrennens auf dem neuen Madring.

Unmittelbar nach dem Rennen hatte er noch davon gesprochen, dass beide Fahrer zu weit gegangen wären, womit er Hamilton für dessen Attacke in Kurve eins ebenfalls eine Teilschuld zuschrieb. Heute enthielt er sich diesbezüglich. "Dazu will ich jetzt nichts sagen", so Leclerc auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com zu Kurve eins. "Es würde dann nur wieder so aussehen, als ginge es zwischen mir und Lewis weiter hin und her, was aber nicht der Fall ist. Das Wichtigste ist, dass wir die Situation geklärt haben. Ich habe Lewis gesagt, wie ich darüber denke, und er mir, wie er darüber denkt. Wir stimmen im Nachhinein in unseren Ansichten überein, wenn die Emotionen aus dem Rennen abgeklungen sind."

Ferrari-Clash lässt Emotionen im Formel-1-Kosmos hochkochen

Die Szene zwischen ihm und Hamilton in der ersten Schikane nach dem Start hatte in Monza hohe Wellen geschlagen. Unter den Experten wurde das Aufeinandertreffen der beiden Ferrari-Fahrer stark unterschiedlich bewertet. Christian Danner nahm Lewis Hamilton in die Pflicht, während ausgerechnet dessen Ex-Rivale Nico Rosberg sich auf die Seite des siebenfachen Champions schlug.

"Wir fahren für Ferrari und wenn es ein Rennen gibt, bei dem du nicht willst, dass etwas passiert, dann ist es Monza. Wenn das bei unserem Heimrennen passiert, gibt es von außen das totale Chaos. Wenn ich mir das Rennen aber anschaue, gab es auch zwischen anderen Teamkollegen gewisse Reibungen, doch am Ende wird nur über Lewis und mich gesprochen. Das ist meiner Ansicht nach nicht ganz richtig", so Leclerc, der die Sache damit aber keineswegs zu relativieren versucht. "Ich will hier nicht kleinreden, was passiert ist. Es war nicht akzeptabel, Lewis im Kiesbett zu sehen. Aber wenn es um uns geht, wird alles maßlos übertrieben. [...] Wenn du für Ferrari fährst und vor allem in Monza, wird alles viel größer gemacht, als es ist."

Lewis Hamilton lobt Charles Leclerc für Umgang nach Ferrari-Clash

Lewis Hamilton machte sich aus der ganzen Angelegenheit schon am Sonntagabend nach dem Rennen nicht mehr allzu viel. Die Enttäuschung über die Performance von Ferrari stand für ihn im Vordergrund. Vier Tage später tangiert es ihn noch weniger. "Schaut euch einfach die Geschichte des Sports an. Das ist alles schon mal passiert, es ist also nichts", sagt der 41-Jährige. Für ihn ist die Aussprache mit Leclerc im Nachhinein das Wichtigste.

"Das Tolle ist, dass sich niemand vor der Auseinandersetzung gedrückt hat. Wir saßen von Angesicht zu Angesicht und haben darüber gesprochen. Wir waren beide offen und ehrlich, und wir haben das erledigt. Jetzt können wir nach vorne schauen", erklärt Hamilton weiter. Bei Mercedes herrschte zwischen ihm und Nico Rosberg eine erbitterte Rivalität. Die Fronten waren derart verhärtet, dass Teamchef Toto Wolff sich als Mittelsmann einschalten musste.

Dass ihm das bei Ferrari erspart bleibt, weiß Hamilton zu schätzen. "Ich denke, das zeigt auch seine Reife, und das ist gesund. Wir haben diese Beziehung über eine lange Zeit aufgebaut", sagt er über Leclerc. "Natürlich gibt es da auch Frustration, weil wir von der Pace nahe beieinander liegen. Wir wollen beide unbedingt gewinnen, einer wie der andere, und auch für das Team den besten Job machen. Aber ja, ich denke, es ist sehr positiv."

Ferrari-Teamorder für Lewis Hamilton nie wirklich ein Thema

Noch vor dem Wochenende in Monza kamen Fragen zu einer möglichen Teamorder zugunsten Lewis Hamiltons auf. Der Brite lag vor dem 13. Saisonrennen in der Gesamtwertung an zweiter Stelle, 59 Punkte hinter Kimi Antonelli. Auf Platz vier fehlten Charles Leclerc hingegen 87 Zähler. Jetzt sind es 76 respektive 112. Für Hamilton stand eine strategische Ausrichtung des Teams zugunsten seiner WM-Chancen aber tatsächlich nie im Raum.

"Ich habe danach nicht wirklich gefragt. Ich wollte nur sicherstellen, dass wir das beste Resultat für das Team holen und nicht gegeneinander arbeiten, und dann Vierter und Fünfter werden. Vielleicht kann man ein Podium und mehr Punkte herausholen, wenn man zusammenarbeitet", stellt er klar. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft rechnet er sich angesichts der Mercedes-Dominanz ohnehin keine allzu großen Chancen aus. "Mathematisch ist es möglich, aber der Rückstand war zuletzt groß wie schon lange nicht mehr. An diesem Punkt im Jahr sind Mercedes klar die Leader und weit voraus. Sie machen einen fantastischen Job und wir sollten uns darauf fokussieren, selbst aus jedem Wochenende das Beste herauszuholen. Mehr können wir nicht tun."

Bei Ferrari gibt es keine Regeln! Hamilton fordert Vasseur-Eingriff (49:58 Min.)