Der rechte Arm und die Schulter von Marc Marquez haben im Alter von 33 Jahren schon deutlich mehr Operationen gesehen, als andere Körper in einem gesamten Leben. Nicht weniger als sieben Eingriffe waren bislang nötig, um Verletzungen des MotoGP-Superstars zu korrigieren. Zuletzt traf es Marquez im Vorjahr in Indonesien, als ihn Marco Bezzecchi abräumte und für eine weitere Fraktur im ohnehin lädierten Gelenk sorgte. Erst im Frühjahr 2026 wurde festgestellt, dass sich bei dem Einschlag von Indonesien Knochenteile gelöst und Schrauben aus einer früheren Operation verbogen hatte. Ein weiterer Eingriff nach dem Frankreich-Grand-Prix war die Folge.
Marc Marquez gesteht: Keine Kontrolle über rechten Arm
Seither stellte sich die gesamte MotoGP die Frage, wie es denn nun um den Zustand der Marquez-Schulter bestellt ist? Er selbst spielte die vermuteten Einschränkungen wie gewohnt herunter. Doch nach dem Silverstone-Wochenende der MotoGP Anfang August begann die Fassade zu bröckeln. In der Videoserie "Inside Ducati Lenovo Team" gewährt der Rennstall nach jedem Grand Prix einen Blick hinter die Kulissen. In der Silverstone-Ausgabe war Marquez nach dem Rennen im Gespräch mit seiner Crew zu sehen. "Ich hatte keine Kontrolle über meinen rechten Arm", erklärte er da.
Eine Aussage, die im krassen Gegensatz zur Außendarstellung Marquez' stand. Eine erneute Flut an Fragen zu seiner Schulter beim folgenden Rennwochenende in Aragon war die Folge. Dass Marquez diese Ablenkung im Kampf um den MotoGP-Titel gar nicht schmeckte, war mit jeder Nachfrage deutlicher zu sehen. Vergangene Woche entschloss er sich daher zum Gang in die Offensive: Marquez postete ein Foto von sich auf seinem Instagram-Kanal. Darauf zeigt er sich oben ohne beim Krafttraining. Deutlich zu sehen: Die Muskelmasse an seiner rechten Schulter ist nur ein Bruchteil jener an der gesunden linken Seite. Für das ungeschulte Auge sieht es beinahe so aus, als hätte ein Raubtier große Teile von Marquez' Muskulatur herausgefetzt.
Marc Marquez' Arzt erklärt: "Fährt mit anderthalb Armen
Das spanische Journalisten-Urgestein Emilio Perez de Rozas bat daraufhin Marquez' Vertrauensarzt Dr. Samuel Antuña zum Interview. Der Mediziner lieferte eine deutliche Einordnung des Gesundheitszustandes seines Schützlings. Der betroffene Arm und die Schulter werden zwar zweifelsohne noch heilen, eine Rückkehr zur Fitness vor der Verletzung sei aber ausgeschlossen. Marquez leidet durch die zahlreichen Verletzungen und Operationen an Muskelatrophie, einer durch die vielfache Berührung, Lösung und Neuplatzierungen der Muskeln hervorgerufene Verkümmerung dieser. Die Atrophie betrifft, wie auf dem Instagram-Foto deutlich zu sehen ist, den gesamten Bereich um Marquez' Schulter: den Trizeps, den breiten Rückenmuskel, den großen Rundmuskel sowie den großen Brustmuskel. Wie Dr. Antuña erklärt, liegt die größte Einschränkung aber im Bizeps des rechten Arms. Die saloppe Formulierung, wonach Marquez mit anderthalb Armen fahren würde, sei durchaus passend. "Wenn Marc Marquez Carlos Alcaraz wäre, hätte er seine Karriere bereits beenden müssen", zieht der Arzt einen unmissverständlichen Vergleich zu Spaniens Tennis-Idol.
Wie es um Marquez tatsächlich steht, ist durch sein Foto und das folgende Antuña-Interview nun geklärt. "Ich habe in meiner Karriere gelernt, dass es bei solchen Gerüchten oder Spekulationen der beste Weg ist, einfach ehrlich zu sein. Deshalb habe ich meine wahre Situation gezeigt", erklärte Marquez am Donnerstag in Misano. Ein Zeichen der Schwäche gegenüber der 2026 so starken Konkurrenz? Zweifelsohne. Marquez befreit sich mit dieser Kommunikationsstrategie aber auch gewohnt klug von Druck. Er zeigt der Öffentlichkeit, dass er trotz großer Einschränkungen gewinnen kann. Und er zeigt der Konkurrenz, dass sie trotz dieser Einschränkungen mächtig an ihm zu knabbern hat.

MotoGP-Rivalen zollen Marc Marquez Respekt
Marquez' Rivalen reagierten am Donnerstag in Misano auf jeden Fall mit Bewunderung auf das gesehene Foto. "Es zeigt Marcs Talent, dass er mit dieser Verletzung solche Leistungen bringen kann", meinte Marco Bezzecchi. Fabio Quartararo stimmte zu: "Man kann über Marc nur in den höchsten Tönen sprechen: Er war verletzt und in einem heftigen Tief, hat es wieder an die Spitze geschafft und sich dann erneut verletzt. Was er auf dem Motorrad macht und wie schnell er sich an diese neue Situation mit seiner Schulter angepasst hat, ist unglaublich."
Francesco Bagnaia kannte die Situation seines Teamkollegen bereits früher: "Er hat mir das Foto schon zuvor gezeigt. In Anbetracht seiner Lage leistet er großartige Arbeit. Er macht fantastische Dinge." Pol Espargaro teilte sich 2021 und 2022 bei Repsol Honda eine Garage mit Marquez. Auch er kann nur staunen: "Marc ist ein Krieger. Das ist verrückt!"
Während Marc Marquez seine Karriere auch 2027 und 2028 fortsetzen wird, hängt ein langjähriger Rivale seinen Motorradhelm Ende 2026 an den Nagel: Alex Rins. Wohin es den sechsfachen MotoGP-Rennsieger zieht, erfahrt ihr in unserem Artikel:



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